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Fotografie auf der Art Basel Die Gabel und die Paprika

17.06.2009 ·  Die Fotografie ist auf der Art Basel ausgedünnt. Der Qualität aber schadet es nicht. Im Gegenteil: Überall hängen Fotos auf Museumsniveau.

Von Freddy Langer
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Es ist noch gar nicht lange her, da kam es einem vor, als hingen in jeder Koje einer Kunstmesse auch Fotografien - zusammengetragen aus allen Genres und abgezogen in allen Formaten. Aufgenommen waren sie ganz offensichtlich nicht selten von Personen, die desinteressiert durch den Sucher geschaut und fast unwillig auf den Auslöser gedrückt hatten. Diese Zeit ist vorüber. Auf der Art Basel muss man die Fotografie suchen - das aber, was man entdeckt, hat fast ausnahmslos Museumsqualität. Dabei legen die Präsentationen der „Art Unlimited“ in Halle 1 mit Werkgruppen von Nan Goldin, Hans-Peter Feldmann oder Daido Moriyama die Messlatte sehr hoch.

Ins Auge fallen zunächst die wandfüllenden Abzüge der Lieblinge des Kunstmarkts. Andreas Gursky knüpft bei White Cube aus London in seiner wohl jüngsten Arbeit - eine Garderobe von Bergleuten, die Kleidung in Körbe gestopft - grandios an seine Wimmelbilder früherer Tage an (verkauft für 450.000 Euro). Cindy Sherman gelingt in ihrer jüngsten Serie von Selbstinszenierungen in der Anmutung des Finanzadels von Amerikas Ostküste wieder einmal der Balanceakt zwischen Glanz und Schock (Metro Pictures, je nach Format von 200.000 Dollar an). Und Thomas Ruffs in Pixel zerlegtes Bild des einstürzenden World Trade Center hat bei Schöttle aus München nach nunmehr fünf Jahren nichts von seiner Dramatik verloren (85.000 Euro). Es sind dies freilich Tafelbilder, die mit Gemälden konkurrieren und die sich kaum an Sammler der klassischen Fotografie wenden.

Präsentation en bloc

Diesen sind zwei eigene Gänge angelegt, in denen dicht beieinander knapp ein Dutzend Fotogaleristen ihr Material geschmackssicher und erstaunlich didaktisch ausbreiten. Selten findet sich die Petersburger Hängung, in deren Manier früher Meisterwerke und zweitrangiges Material kunterbunt gemischt wurden. Vielmehr werden fast durchweg Werkblöcke präsentiert. Die Kölner Galerie Thomas Zander zeigt zwölf Aufnahmen von Walker Evans, der 1935 für das Metropolitan Museum afrikanische Holzmasken dokumentieren sollte, stattdessen eine Serie unheimlicher Porträts schuf (verkauft für 85.000 Euro), sowie den einmaligen Satz von 25 Abzügen der Serie „Maryland“ von Lewis Baltz, verzaubernd-nüchtern im Stil der New Topographics, aufgenommen 1976 (verkauft für 185.000 Euro).

Bruce Silverstein aus New York stellt mit etlichen Dutzend Abzügen mehrerer Serien das Werk Aaron Siskinds vor, dessen Architekturdetails und Aufnahmen von Wandschmierereien als der einzige legitime Auftritt der Fotografie im Kreis der Abstrakten Expressionisten gilt (3500 bis 25.000 Dollar). Paviot aus Paris hat eine riesige Wand mit Bildern vom Bau der Forth Bridge bei Edinburgh gestaltet, sattbraune Albuminabzüge aus der Zeit um 1885, deren Strenge das Kompositionsschema der Bechers vorweggenommen hat (160.000 Euro). Rudolf Kicken indes zeigt die „Mona Lisa der Fotografie“, wie André Kertesz' Bildchen einer Gabel auf einem Teller (688.000 Dollar) bei Gelegenheit genannt wurde, in dem Zusammenhang, in dem es ursprünglich entstand: mit Werbefotografien der zwanziger Jahre von Grete Stern (20.000 Euro) und Albert Renger-Patzsch (48.000 Euro).

Amerikanische Zurückhaltung

Es ist kein Geheimnis, dass amerikanische Fotosammler momentan Zurückhaltung zeigen, zumal bei sehr teuren Arbeiten. Glaubt man den Galeristen, wird dies schon jetzt durch die stetig wachsende Zahl europäischer Sammler wettgemacht - freilich im niedrigeren Preissegment. Kaspar Fleischmann von der Züricher Galerie Stockeregg sagt, seine Paprikaschote von Edward Weston für eine Million Franken nur mitgebracht zu haben, um sie zu zeigen. Aber es braucht nicht viel Geld, sondern bloß Geschmackssicherheit, um auf dieser Messe mit Bildern für weniger als 10.000 Euro eine großartige Sammlung zusammenzustellen.

Man müsse nur, empfiehlt Bruce Silverstein, die Top-Arbeiten der zweitbesten Fotografen kaufen. Die findet man prompt bei Stephen Daiter aus Chicago, der die ehemaligen Lehrer am Neuen Bauhaus vertritt. Fotogramme von James Hamilton Brown oder Arthur Siegel aus den vierziger Jahren brauchen den Vergleich mit Moholy-Nagy nicht zu scheuen, kosten aber nur 12.000 Dollar. Jeffrey Fraenkel aus San Francisco hingegen behauptet, dass sich gerade die Bilder zu 100.000 Dollar gut verkauften - von Avedon, Arbus oder Sugimoto. Oft seien Kunstsammler die Kunden. Damit, dass sie ihrer Sammelleidenschaft nun auf Sparflamme nachgingen, habe das nichts zu tun, sagt er, sondern mit Intelligenz.

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Jahrgang 1957, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

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