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Veröffentlicht: 07.10.2011, 17:41 Uhr

Fälscher der Herzen Die Gattin schützen

Wolfgang Beltracchi, der Fälscher der sogenannten „Jägers-Sammlung“, hatte im Prozess eine charmante Taktik. Ganz ähnlich wie ein anderer bekannter Fälscher: Han van Meegeren.

von Lisa Zeitz

Wolfgang Beltracchi hat mit seinen gefälschten Gemälden im Stil von Heinrich Campendonk oder Max Ernst, May Pechstein oder Kees van Dongen Experten und Auktionshäuser, Kunsthändler und Sammler an der Nase herumgeführt und dabei Millionen von Euro verdient. Während die Kenner nun reichlich belämmert dastehen, hat sich der langhaarige Betrüger Beltracchi ein charmantes Image erworben. Und dass er seine Frau Helene so weit wie möglich aus der Geschichte herauszuhalten versucht, bringt sogar eine romantische Facette ins Spiel. Er kaufte alte Leinwände und wollte Lücken im Werk eines Künstlers schließen: Das ist nur eine von mehreren Parallelen zu dem wahrscheinlich bekanntesten Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts, dem Niederländer Han van Meegeren. Auch er ergaunerte ein Vermögen durch Fälschungen, legte es zu großen Teilen in Immobilien an und leistete sich zusammen mit seiner Frau eine Villa in Südfrankreich. Auch er sah Lücken im Ouvre seiner Vorbilder und schloss sie. So schuf er einen ganzen Komplex religiöser Bilder, wie sie bis dahin von Jan Vermeer noch fehlten - und sogleich begeisterte Zustimmung bei Experten und Museumsbesuchern fanden.

Eine vorsorgliche Scheidung

Allerdings war bei Han van Meegeren der Umweg zu seiner Enttarnung größer. Er wurde kurz nach Kriegsende in Amsterdam nicht als Fälscher, sondern als Kollaborateur der Nationalsozialisten verhaftet: Schließlich hatte er eine wichtige „Neuentdeckung“ Vermeers an Hermann Göring vermittelt. Erst nun erklärte er, das Bild sei eine Fälschung - und bewies es, indem er im Gefängnis einen weiteren „Vermeer“ malte. Bei seinem Geständnis achtete van Meegeren penibel darauf, seine Frau herauszuhalten. Sie habe von nichts gewusst, sagte er gegen alle Wahrscheinlichkeit. Außerdem lebten die beiden zwar noch zusammen, aber er hatte sich vorsorglich von ihr scheiden lassen. So kamen die Behörden nicht an ihr Vermögen heran. Das kümmerte die Niederländer wenig. Sie sahen in ihm längst einen Helden.

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