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Veröffentlicht: 15.03.2017, 16:00 Uhr

European Fine Art Fair Museum auf Zeit

Die European Fine Art Fair in Maastricht feiert dieses Jahr ihren 30. Geburtstag und bleibt eine Messe der Superlative und der Spitzenqualität.

von Bettina Wohlfarth/Maastricht

Die Standdekoration der Pariser Galerie Delalande erinnert an Verfilmungen von Jules Vernes Entdeckungsromanen. Allerhand Weltvermessungsinstrumente sind dort ausgestellt. Zwischen frühen Mikroskopen, Astrolabien oder etwa einer Armillarsphäre – ein astronomisches Gerät, das die Bewegung der Himmelskörper veranschaulicht – verwundert ein kleiner, fein bemalter Globus in einer ledernen Schutzschale. Nur gute sieben Zentimeter durchmisst der „Taschenglobus“, der von dem Nürnberger Kartographen Johann Baptist Homann angefertigt wurde. An der Äquatorlinie kann er aufgeklappt werden und zeigt dann eine Miniatur-Armillarsphäre. Für 130 000 bis 150 000 Euro lässt sich das rare Erdkügelchen mitsamt dem Himmelsvermesser in der Jackentasche forttragen.

Auch „The European Fine Art Fair“ (Tefaf) vermisst auf ihre Weise die Welt und zeigt zum dreißigsten Mal die Kunstgeschichte der Menschheit in einer einzigen Messehalle. Tefaf ist und bleibt die Königin der Kunstmessen: Sie setzt Standards, ist die prächtigste und umfangreichste. Für zehn Tage wird das niederländische Maastricht für Sammler und Museumsleute zum Mittelpunkt der Welt: 270 Händler der internationalen Spitzenklasse zeigen Kunst aller Kulturen vom Altertum bis in die Gegenwart. Die Stärke der Tefaf liegt traditionell im Bereich der alten Malerei und bei den Antiquitäten, hinzu kommen Sektoren für die Moderne (vorsichtig bis in die Gegenwart reichend), für Design, Arbeiten auf Papier oder die umwerfend schöne Haute Joaillerie.

Luftige Blumenmobilés als Blickfang

Weil erlesene Altmeistergemälde nur in begrenzter Zahl am Markt erscheinen und die besten die Museen bestücken, schiebt sich die Kompetenz mancher Händler längst in die klassische Moderne vor. Bei Jean-Luc Baroni aus London hängt eine außergewöhnliche Zeichnung eines „Bärtigen Mannes“ von Hans Baldung Grien (der Preis wird nicht genannt) gleich neben einer intimen Aquarellstudie von Pierre Bonnard. Sie zeigt seine Schwester mit ihrem Baby und ist ganz im Stil der Nabi-Bewegung gemalt, der Bonnard angehörte. Die Papierarbeit ist immer in der Familie verblieben und kostet 450 000 Euro. Bei Dickinson (London, New York) trifft ein bewundernswerter Cranach der Ältere – „Judith mit dem Haupt von Holofernes“ (5,5 Millionen Euro), ein im Wortsinn furchtbar erfolgreiches Sujet, das der deutsche Maler gleich mehrfach in Szene setzte – auf ein Aquarell von Paul Cézanne.

Die zartfarbene „Montagne Sainte-Victoire“, die mit 4,5 Millionen Euro beziffert wird, ging immerhin von Ambroise Vollard in die Sammlung von Gertrude Stein über, dann zu Paul Rosenberg und schließlich zum Münchner Kunsthändler Justin Thannhauser. Nach dieser illustren Provenienz gibt es Unklarheiten, die man gerne näher beleuchtet sähe: Hat der jüdische Antiquar Gustav Schweitzer, dem das Blatt dann in den dreißiger Jahren gehörte, es 1937 freiwillig in eine amerikanische Sammlung verkauft? Raubkunst wird noch lange Zeit ein heikles Thema bleiben. Bei Arnoldi-Livie aus München lässt sich ein umwerfend lebendig vibrierendes Porträt vom Vater ebenjenes Justin Thannhauser entdecken, der auch das Cézanne-Aquarell einmal besaß: Das „Porträt des Kunsthändlers Heinrich Thannhauser“, hinter dem eine faszinierende Geschichte steckt, wurde 1918 von Lovis Corinth gemalt und ist bis heute in der Familie verblieben (380 000 Euro).

Global gesehen, sind die Zeiten für den Kunsthandel keineswegs düster. Nach dem diesjährigen „Art Market Report Tefaf“ wurde 2016 ein Wachstum von 1,7 Prozent erzielt. Dabei ist es beachtenswert, dass der Auktionsmarkt mit minus 18,8 Prozent recht spektakuläre Einbußen erlitt. Durch eine Verlagerung hin zu Privatverkäufen stieg hingegen der Umsatz der Kunsthändler weltweit zwischen 20 und 25 Prozent. Tefaf kann von dieser Tendenz nur profitieren. Wie die Art Basel oder Frieze schon Jahre zuvor, expandiert nun auch die Maastrichter Messe und gründet zwei Ableger in New York. Aber zunächst einmal ist der Frühling in Maastricht angesagt, zumindest was die Blütenpracht angeht: 145 000 pastellfarbene Blumen schmücken die großzügigen Alleen. Im Raum schwebende, luftige Blumenmobilés sind das beliebteste Fotomotiv des Vernissagenpublikums, das wie üblich am Vortag der Eröffnung erwartungsvoll auf die Messe drängt.

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