Home
http://www.faz.net/-gyz-vd2r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ergebnisse Geliebter Toro

26.08.2007 ·  Alte und neue Kunst bei Karl & Faber in München - Das Blatt „Citando al Toro...“ von Picasso war besonders begehrt. Umworben wurden auch Lose von Gabriele Münter und Kandinsky.

Von Brita Sachs
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Sehr zufrieden äußert sich Rupert Keim zur Entwicklung bei Karl & Faber, seit er dort vor vier Jahren die Geschäftsführung übernommen hat. Die jüngste Auktion mit Alter und Moderner Kunst nennt er seine bislang beste, und wenn er auch keine Umsatzzahlen dazu anführt, glaubt man ihm vor allem wegen der guten Ergebnisse im Abschnitt Moderne. Sie fallen auf, weil das Haus seine stärkste Strecke sonst meistens bei der Alten Kunst hinlegt.

Schon bald nach Ende des 19. Jahrhunderts sollte Kandinsky in die Abstraktion aufbrechen, doch die Landpartien, die er in den Jahren 1901 bis 1903 mit den Schülern seiner privaten Malschule unternahm, zeigen ihn noch auf der Suche nach diesem eigenen Weg: Neben seinen kleinen Studien malte und spachtelte er die „Waldlandschaft bei Kochel“, mit lichtgefüllten Seerosen im Vordergrund. Wie alle seine Bilder der Münchner Zeit blieb auch dieses bei der Ex-Geliebten Gabriele Münter, aus deren Nachlass es vor Jahrzehnten verkauft wurde. Bei einem Privatsammler fand nun das Bildchen für 230.000 Euro (Taxe 200.000/300.000) eine Heimat in Süddeutschland.

Prächtige Farben zu stolzen Preisen

Die Münter selbst steht auch wieder bestens da: Ihre 1939 signierte Vase voller Feuerlilien und blauer Blumen überstieg mit 88.000 Euro die Erwartung (70.000/80.000), und ein „Buntes Blumenbild“, das sie als alte Dame malte, ging weit jenseits der Obertaxe für 94.000 Euro gegen den Handel an eine Münchner Sammlerin. Späte Blüten von Schmidt-Rottluff in zwei Vasen vor blauen Grund aquarelliert, erfreuen für 50.000 Euro (40.000/45.000) nun dieselbe Käuferin, die Nays „Susanne II“ kaufte, eine Mischtechnik von 1948 für 24.000 Euro zur oberen Taxe. Zwanzig internationale Bieter aktivierte das meistbebotene Los des Tages: Picassos „Citando al Toro . . .“ aus der Aquatintaserie „La Tauromaquia“ erzielte dabei 17.000 statt erwarteter 8000 Euro. Das ebenso eingestufte farbige Blatt „Corrida“ kam auf 21.000 Euro. Als dynamisches Produkt der Rakeltechnik von Karl Otto Götz entsprach sein schwarz auf rot schlingerndes „Heku“ mit 60.000 Euro der Vorhersage. Sowohl ein „Schleifenbild“ von Polke wechselte für 52.000 Euro (50.000/60.000) in den amerikanischen Kunsthandel als auch Warhols gefragte Serigraphie „$ 9“ in einmaliger Farbstellung für 58.000 Euro (30.000/40.000).

In der Partie älterer Kunst stachen vor allem zwei Zuschläge hervor: die Rarität von sechs originalen Holzdruckstöcken, in die Jost Amman 1585 Allegorien des Handels schnitt und die sich in süddeutschem Adelsbesitz erhalten haben. Ein Museum hätte sie gern gekauft, musste aber die Waffen vor einem Händler strecken, der mit 44.000 Euro das Doppelte der Schätzung einsetzte. Im anderen Fall siegte ein Museum aus Amerika, das Martin Grässle, den Münchner Mitarbeiter der Münchner Kunsthändlerin Katrin Bellinger, damit beauftragt hatte, Johann Georg von Dillis' hübsche Ansicht des Tegernsees zu ersteigern. Bereits geschätzte 83.000 Euro waren für das reizvolle Aquarell von etwa 1790 vonnöten. Rasant geriet noch die Karriere eines „Hexenzugs“, den Raimondi nach Raffael in Kupfer stach: Das Blatt stieg trotz kleiner Mängel von 600 auf 5400 Euro.

Quelle: F.A.Z., 25.08.2007, Nr. 197 / Seite 44
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr