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Bassenge : Er wird zur Museumsfigur

Vom 11. bis 13. April werden in der großen Frühjahrsauktion bei Bassenge in Berlin wertvolle Bücher, Manuskripte und Autographen auktioniert. Eine Vorschau

          Nach jahrhundertelanger Verborgenheit in Adelsbesitz erblickt Abraham Ortelius’ „Theatrum Orbis Terrarum“ das Licht der Herbstauktion bei Bassenge in Berlin, die vom 11. bis zum 13. April gut 3500 Bücher und Autographen in kompetente Hände vermitteln möchte. Die vierte lateinische Ausgabe des im Jahr 1592 in Antwerpen erschienenen Weltatlanten soll 80 000 Euro einspielen. Die zweithöchste Preiserwartung in Höhe von 70 000 Euro verbindet sich mit vier Sammelbänden zu einheimischen und exotischen Pflanzen, die der Regensburger Apotheker Johann Wilhelm Weinmann von mehreren Künstlern illustrieren ließ. Mit einer Schätzung von 50 000 Euro angeboten, dürfte einen jeden Sammler von Frühdrucken das Exemplar der 1472 in der Offizin des Peter Schöffer in Mainz auf Pergament gedruckten Schriften des Rechtsgelehrten Gratian interessieren.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Unter den aktuell gefragten Luther-Bibeln ragt die mit Holzschnitten von Lucas Cranach ausgestattete, 1541 von Hans Lufft in Wittenberg edierte Heilige Schrift heraus. Als wahre Kuriosa zusammen auf 600 und 800 Euro geschätzt, erscheinen zwei „Geisterrollen“ aus Äthiopien, deren Zauberformeln bei der Krankenheilung zum Einsatz gelangten – und Dämonen vertreiben sollten.

          Mit dem von Eugène Delacroix illustrierten „Faust“ wird für 12 000 Euro eine bibliophile Kostbarkeit angeboten: Den siebzehn ganzseitigen Lithographien zum dramatischen Geschehen assistiert der 1828 in Paris erschienenen Ausgabe ein Porträt Goethes. Besondere Aufmerksamkeit verdienen zwei auf den Wissensdurst von Kindern zugeschnittene Publikationen: Die 1904 in Sankt Petersburg erschienene, bilderreiche Einführung in das kyrillische Alphabet von Aleksandre Benois (Taxe 4500 Euro) und die zwischen 1955 und 1975 von Hannes Hegen betreute DDR-Comic-Serie „Digedags“, deren abenteuerlustige Protagonisten nicht nur die ganze Erde, sondern auch den Weltraum erkunden. Komplett erhalten, steht die in Ostdeutschland konkurrenzlos erfolgreiche Heftchen-Reihe für geschätzte 6000 Euro zum Verkauf. Ein Probedruck von Max Beckmanns „Apokalypse“, die 1941 in Amsterdam konzipiert wurde, um zwei Jahre später in Berlin als „Privatdruck“ die herrschenden offiziellen Bestimmungen zu unterlaufen, soll mindestens 2000 Euro kosten.

          Unter den Autographen fesseln 23 Briefe und achtzehn Postkarten von Ernst Jünger, in denen sich der Schriftsteller zwischen 1978 und 1990 vornehmlich zur Rezeption des eigenen Lebenswerks äußert und dabei erkennt: „Ich werde zur Museumsfigur“ – für geschätzte 8000 Euro. Weitaus höher angesetzt ist – mit 35 000 Euro – ein in Versform verfasstes Handschreiben des Romantikers Novalis an den bewunderten Kollegen Gottfried August Bürger. In einer Art Brandbrief an seinen Sohn Ferdinand warnt der Stammvater der Künstlerdynastie Schnorr von Carolsfeld vor dem „heillosen Schaden, den der Mystizismus anrichtet“ (Schätzpreis 2000 Euro). Während eines Kuraufenthaltes in Marienbad beklagt sich Richard Wagner über den „ewigen Sonnenbrand, der im Verein mit dem Brunnenwasser das Blut auf das Heftigste aufregt“. Im Übrigen geht dem genervten Komponisten der „Lohengrin“ bereits „lebhaft im Kopfe herum“: Die Musikwelt müsste Wagners Rapport vom 11. Juli 1845 mit 3000 Euro honorieren.

          Quelle: F.A.Z.

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