Die Abteilung für Kulturgüterschutz des Ministeriums für Homeland Security hat die amerikanischen Museen aufgefordert, die Provenienzen aller über den New Yorker Kunsthändler Subhash Kapoor erworbenen asiatischen Antiquitäten zu überprüfen. Kapoor, ein aus Indien gebürtige amerikanische Staatsbürger, betreibt seit 1976 auf der Madison Avenue die Galerie Art of the Past.
Er wurde aufgrund eines Haftbefehls von Interpol im Oktober vergangenen Jahres auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet und am 14. Juli von Deutschland an Indien ausgeliefert. In Chennai, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaats Tamil Nadu, soll ihm wegen Tempelraubs der Prozess gemacht werden. Ein indisches Gesetz aus dem Jahr 1972 verbietet die Ausfuhr von Kunstwerken, die älter als hundert Jahre sind.
Ein spendabler Kunsthändler
Jetzt hat auch der Bezirksstaatsanwalt von Manhattan einen Haftbefehl wegen des Besitzes gestohlener Güter gegen Kapoor erlassen. In Lagerhäusern in Manhattan wurden Kunstwerke beschlagnahmt, deren Gesamtwert die Ermittler des Ministeriums auf zwanzig Millionen Dollar schätzen. Darunter sind drei Figuren, die aus Tempeln in Tamil Nadu gestohlen worden sein sollen. Der Wert einer Bronzefigur der Göttin Parvati, der Gattin Shivas, wird mit 2,5 Millionen Dollar angegeben. In einer Mitteilung bezeichnete das Ministerium die Razzia als einen Schlag gegen den globalen illegalen Kunsthandel, der den Käufern von Raubgut zu denken geben solle.
Auf der Kundenliste von Art of the Past stehen allererste Adressen, vom Metropolitan Museum über das Art Institute of Chicago bis zum Museum für indische Kunst in Berlin. Kapoor trat auch als großzügiger Spender in Erscheinung. Das Toledo Museum in Toledo, Ohio, nahm 2007 eine Schenkung von 44 Terrakottafiguren entgegen. Dem Metropolitan stiftete Kapoor ein Konvolut von Zeichnungen des 17. bis 19. Jahrhunderts, angeblich aus dem Nachlass seines Vaters, die 2009 in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Living Line“ gezeigt wurden. Harold Holzer, der Pressesprecher des Museums, bemerkte gegenüber der „New York Times“, es scheine sich nicht um den Typ von Stücken zu handeln, die den Ermittlern Sorgen machten.
Als Repliken ausgeführt
Die Nonchalance des Sprechers eines der reichsten Museen der Welt überrascht - als müsste nicht, sollten sich die Vorwürfe gegen Kapoor beweisen lassen, auf alle Erwerbungen aus dieser Quelle ein Schatten fallen. Jason Felch und Ralph Frammolino, die Verfasser des Buchs „Chasing Aphrodite“, haben in ihrem gleichnamigen Blog dokumentiert, dass der Online-Katalog des Metropolitan sehr wohl von Kapoor erworbene Werke von der Art der beschlagnahmten Stücke enthält, darunter eine bronzene Reiterstatue des Gottes Revanta, die Kapoor 2003 „aus Anlass des neunzigsten Geburtstags von Bertram Schaffen“ gespendet hat. Richtig muss es heißen: Bertram Schaffner - der 2010 verstorbene Psychiater und Pionier der Schwulenbewegung war ein bedeutender Asiatica-Sammler und Wohltäter des Brooklyn Museum of Art.
Kurioserweise ließ sich das Metropolitan von Kapoor auch moderne Fälschungen für die „Studiensammlung“ schenken. Wegen dieser Objekte möchte sich Museumssprecher Holzer erst recht keine Sorgen machen. Dass diese Haltung sich als naiv erweisen könnte, legen Einzelheiten der Ermittlungen nahe. Demnach pflegte Kapoor indische Antiquitäten bei der Ausfuhr als moderne, nahezu wertlose Repliken auszuweisen.
Die Präsenz solcher Stücke in einer Museumssammlung belegt die entsprechende Geschäftstätigkeit seiner Galerie und leiht der Massenware kunsthistorische Dignität. Die indische Presse hat viele abenteuerliche Details aus den Polizeiakten über die Diebstahlsserie bekanntgemacht. Kapoor soll die Tatorte persönlich ausgekundschaftet haben. Eine ehemalige Geliebte, die einen Kunsthandel in Singapur betreibt, versorgte Interpol mit einem neueren Foto, nachdem Kapoor versucht hatte, sie gerichtlich zur Herausgabe von fünfzehn Götterfiguren zu zwingen - Pfändern einer Liebe, die den Händler nun teuer zu stehen kommt.