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Sachbuch : Ein Pariser Couturier als Spiritus Rector

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Herausragende Kunstwerke, Möbelstücke und noch mehr Bücher: Teile der umfangreichen Sammlung des französische Modeschöpfer Jacques Doucet findet man heute in den Bibliotheken von Paris

          Anfangs erwarb Jacques Doucet vorwiegend Kunst des 18. Jahrhunderts, die er inmitten exquisiter Möbel dieser Epoche präsentierte: Gemälde etwa von Chardin, Vigée-Lebrun oder Watteau, Büsten und Statuetten von Antoine Coysevox oder Houdon. Schon als junger Mann und mit noch bescheidenen Mitteln bestritt er den Ankauf einzelner Werke des Impressionismus. Später begeisterte er sich für außereuropäische Kunst und Bilder bedeutender Vertreter der Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Um dezidiert Zeitgenössisches zu erwerben, trennte er sich von seiner Kollektion Alter Meister und finanzierte mit dem Erlös Erwerbungen, die Werken von Künstlern wie Braque, Derain, Brancusi, de Chirico, Duchamp, Max Ernst oder Klee galten.

          Ein Schlüsselbild des Kubismus, ja der Moderne schlechthin, „Les Demoiselles d’Avignon“ von Picasso (heute im New Yorker Museum of Modern Art), stellt das berühmteste Werk dar, das jemals in seine private Kunstsammlung einging. Jacques Doucet (1853 bis 1929) gehörte zu den bedeutendsten Pariser Modeschöpfern um 1900. Die von 1912 bis 1925 erschienene „Gazette du bon ton“, Vorbild und Vorläuferin der amerikanischen „Vogue“, machte regelmäßig auf seine Kreationen aufmerksam.

          Zwei Bibliotheken, die er ins Leben gerufen hat

          Nicht auf die Karriere des Couturiers, des Erben eines Damenkonfektionshauses an der Rue de la Paix, konzentriert sich ein jüngst erschienenes Buch, sondern auf seine Rolle als Sammler und Mäzen, der er auch – vielleicht sogar vor allem – war. Gut zwei Dutzend Autoren spüren dabei einzelnen Fragestellungen nach, dazu gehören auch die Aktivitäten Doucets zugunsten des Aufbaus zweier Bibliotheken. Und in der umfassenden Publikation werden sogar Überlegungen zur Geschichte des Kunstmarkts um 1900 angestellt: Einer der interessantesten Beiträge ist ein Aufsatz zu jener Auktion, die im Jahr 1912 eben Doucets Sammlung mit Kunst des 18. Jahrhunderts galt und die kunstpolitische Wellen schlug. Was man dabei vermisst, ist ein Katalog dieser Sammlung. Allerdings sind die Umstände der Erwerbung und die Daten des Ankaufs vieler Werke noch ungeklärt, selbst solche berühmter Künstler sind noch nicht identifiziert oder lokalisiert.

          Etliche Kunstwerke aus der stets überschaubar gebliebenen Sammlung sind heute auf Museen Frankreichs und anderer Länder verstreut, ein Miró etwa gelangte in das Essener Folkwang Museum. Nur ein kleiner Teil bildet den Grundstock des „Musée Angladon – Collection Jacques Doucet“ in Avignon, das sich dem Andenken an den Kunstfreund verschrieben hat. Von den Möbeln konnte manches Stück für das Pariser Musée des Arts décoratifs erworben werden. Jacques Doucets Bücher freilich, für die er geradezu eine Sammelwut entwickelte, werden heute vor allem in zwei Pariser Bibliotheken aufbewahrt, die er ins Leben gerufen hat.

          Diese Bibliotheken liefern auch das Material, das nun im vorliegenden Band verdichtet wird. Er widmet sich unter anderem seinen Domizilen, die wahre Schatzhäuser waren. Doucet ist recht oft umgezogen; von der gediegenen Innenstadtlage an der Madeleine-Kirche wechselte er ins vornehme 16. Arrondissement und in die Nähe des Bois de Boulogne, wo er zunächst in der Rue Spontini, dann in der heutigen Avenue Foch wohnte. Später zog er etwas weiter hinaus, an den Stadtrand nach Neuilly-sur-Seine. Kaum hatte er eine Wohnung oder ein Haus einrichten lassen und sich eingelebt, so scheint es, begann er schon, sich auf die Suche nach einem neuen Heim für sich und seine Sammlung zu machen.

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          Es dauerte naturgemäß eine Weile, das jeweils neue Lebensumfeld seinem sich wandelnden eigenen Geschmack und neuen Strömungen anzupassen. Dies begünstigte das Nachdenken darüber, was er behalten und was er abstoßen könnte: Lebte er bis 1911/12 in Räumen, die von Möbeln und Kunst des 18. Jahrhunderts geprägt waren, so wechselte er 1928, ein Jahr vor seinem Tod, das Ambiente letztmalig, indem er für sein Studio auf eine Mischung aus Kubismus und Art déco setzte und einer Designerin wie Eileen Gray freie Hand ließ.

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