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Open Art München : Ein leises Knirschen im Gebälk

  • -Aktualisiert am

„Open Art“, das Eröffnungs-Wochenende der Münchner Galerien nach der Sommerpause, geht in sein 29. Jahr. Aus seiner Mitte heraus gibt es auch Signale zu einem neuen Aufbruch.

          Mitten im Wochenende von Open Art, das die Saison der Münchner Galerien nach der Sommerpause eröffnet, fand eine Veranstaltung statt, die Aussicht auf frischen Wind in der Szene bietet. Dort stellte Nina Neuper von der Galerie Klüser in einem Pop-up-Space die neue Plattform „S.M.S. – Shit Must Stop – Munich“ vor.

          Den kiebigen Titel hat man sich von einer Portfolio-Reihe mit Künstler-Kollaborationen geholt, die 1968 der Künstler und Galerist William Copley ins Leben rief. Um das Zusammenwirken geht es auch bei „S.M.S.“: Angeregt von „Condo“ in London und New York, wo Galeristen internationale Kollegen einladen, in ihren Räumen auszustellen, oder auch von „Okey Dokey“, einer ähnlichen Aktivität junger Kölner und Düsseldorfer Galeristen, planen die Münchner weit über die Stadtgrenzen hinaus. Allerdings strecken sie ihre Fühler nicht nur nach internationalen Galerien aus, sondern haben damit begonnen, auch Institutionen und weitere kuratorische Formate für Rahmenprogramme ins Boot zu holen. „S.M.S. – Shit Must Stop“ soll das „Kunstwochenende“ ersetzen, mit dem sich ein paar Jahre lang eine Gruppe von Münchner Galerien einen Extra-Auftritt genehmigte. Noch gibt es keine feste Teilnehmerliste, sagen die jungen Initiatoren von S.M.S., aber noch bleibt ja auch Zeit bis zum geplanten Start im Herbst 2018.

          Mehrzahl der Galerien beteiligt sich

          Einen Vorgeschmack gab dann später am Abend der in Berlin lebende und in München lehrende Künstler Gregor Hildebrandt mit einer Performance, die zeitweise unzählige Papiertaschentücher geradezu romantisch unter Jacques-Brel-Klängen im Sturm von Ventilatoren wehen ließ. „Ça va (brel)“ betitelt Hildebrandt ein Wandobjekt in seiner aktuellen Ausstellung bei Klüser, das aus schwarzen Tapes von Tonbandkassetten auf Leinwand besteht (4000 Euro). Sämtliche Werke des Künstlers nehmen als Ausgangsmaterial analoge Ton- und Bildträger, so auch eine monumentale, aus gleichmäßig verformten Schallplatten installierte Säulenwand (Preis auf Anfrage). (Bis zum 28.Oktober.)

          Die Mehrzahl der Galerien beteiligt sich nach wie vor am Open-Art-Wochenende, doch mehren sich jene, die das bewährte, aber nach 29 Jahren leicht erlahmte Modell nur noch halbherzig mitspielen: Will heißen, man profitiert zwar gerne vom Publikumsstrom der Veranstaltung, tritt aber nicht der Dachorganisation bei, der „Initiative Münchner Galerien für zeitgenössische Kunst“ oder verlässt diese gar. Auch sind Christine Mayer, Andreas Binder oder Jo van de Loo nicht die Einzigen, die ihre eigentliche Herbsteröffnung auf ein anderes Datum legen. Ebenso hält es nach Fred Jahns Umzug von der Maximilianstraße ins Gärtnerplatzviertel das Vater-Sohn-Tandem, das kürzlich als Jahn&Jahn in getrennten, aber benachbarten großzügigen Räumlichkeiten an den Start ging.

          Es sind vor allem die Jungen, die neue Wege suchen – eben wie S.M.S. – und die nicht zwanghaft an den etablierten Clustern kleben, etwa dem Kunstareal um die Pinakotheken. Da ist zum Beispiel Deborah Schamoni, sie arbeitet erfolgreich in Oberföhring, also in gehöriger örtlicher Distanz zu den Kollegen. Oder der Neuzugang Nir Altman, er ließ sich nahe dem Goetheplatz nieder; während Johannes Sperling, vor drei Jahren aus Berlin gekommen, einen ehemaligen Laden am Regerplatz in der Au bezog. Sperling stellt derzeit die hybriden Werke von Anna Vogel aus. Wie ihre Lehrer Thomas Ruff und Andreas Gursky arbeitet die Künstlerin mit Fotografie, nutzt sie allerdings nur als Ausgangsmaterial, das sie sowohl digital verändert wie auch überzeichnet, besprüht und bekratzt, um unwirkliche Landschaften, einsame Meere und „New Cities“ zu erschaffen (Preise 1700 bis 12 000 Euro). (Bis 21.Oktober.)

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