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„Duesseldorf Photo Weekend“ : Scharfe Objektive

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Das erste „Duesseldorf Photo Weekend“ bespielt die ganze Stadt. Neben öffentlichen Institutionen nehmen auch Galerien daran teil - ein Rundgang.

          Man hat sich auf ein Medium festgelegt: Am Samstag, den 4. Februar fand das erste „Duesseldorf Photo Weekend“ statt. Neben Institutionen wie dem NRW-Forum, Kunst im Tunnel (KIT) und der Akademie-Galerie engagieren sich viele Galeristen und haben Ausstellungen eingerichtet, in denen für die nächsten Wochen historische und aktuelle Fotografie auf hohem Niveau präsentiert wird.

          Die umfassendste Schau gibt es wohl bei Konrad Fischer zu sehen: Unter dem Ausstellungstitel „Stadt und Land“ wird jeder der verwinkelten Galerieräume im weitesten Sinne mit Fotokunst bespielt. Überraschende Dialoge sind hier zu vernehmen, die sich ins Installative und Skulpturale ausdehnen. Ein dicht gestelltes Feld mit „Münsterland Stones“ aus Anröchter Grünsandstein von Richard Long (100.000 Euro) steht neben Candida Höfers Blick auf den noch im Bau befindlichen SANAA-Kubus auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen, das auch schon Wim Wenders als Filmkulisse diente (Auflage6; 60000 Euro).

          Vom Blitzlicht gezeichnet

          Ursula Schulz-Dornburgs wunderbar prosaische Aufnahmen armenischer Bushaltestellen als Denkmäler einer ebenso skurrilen wie verlorenen Moderne mitten im Nichts (Auflage 2/5; 2800 Euro) treffen auf zwei improvisiert wirkende Reishaus-Skulpturen von Wolfgang Laib (70.000 und 90.000 Euro) und auf dessen Fotografien aus China oder Südindien (4000 Euro). Ein Wiedersehen gibt es mit Becher-Schülern, darunter Thomas Ruffs Nachtszenen, Axel Hüttes Traumbilder aus dem venezolanischen Urwald, frühe Arbeiten von Andreas Gursky und Werke von Thomas Struth. Einmal mehr zu entdecken sind auch Petra Wunderlichs zunächst unspektakulär wirkende Ansichten von Kirchenfassaden in New York, deren Phantasiearchitekturen, frontal von vorn in Schwarzweiß aufgenommen, in ihrer Reihung zu Bildern im Bild werden (8300 Euro).

          Susanne Bürners „Reflexionen“ schließlich spielen mit einem simplen Trick: Sie arbeitet mit idealisierten Motiven von Postkarten, auf die sie Silberfolie klebt und die sie anschließend mit Blitz abfotografiert. Die punktuelle Überstrahlung verwandelt die Szenerien in phantastische Landschaften von surrealer Plastizität (Auflage 5; 2500 Euro).

          Schönewald Fine Arts zeigt einen monumentalen, aus dreißig Einzelfotografien bestehenden Fries von Günther Förg, der in dieser Form erstmalig außerhalb eines Museums zu sehen ist (650.000 Euro). Der strenge und zugleich verspielte Charme der Moskauer Moderne wurde von Förg in radikale Anschnitte gefasst, die den Blick auf modernistische Architekturen ins Abstrakte verschieben. Wer genau hinsieht, entdeckt immer wieder überraschend improvisierte bauliche Details - wie ein oberes Stockwerk, das nur über eine an der Hausfassade angebrachte Leiter zu erreichen ist. Als farbige Einsprengsel dienen drei Porträts von Förgs Lebenspartnerinnen, die das strenge Gefüge der Schwarzweißfotografie unterbrechen und rhythmisieren.

          Beck & Eggeling zeigen in ihren „New Quarters“ den in Münster lebenden Fotografen Thomas Wrede mit neuen Arbeiten aus seiner Serie „Real Landscapes“: Es sind utopische Spielzeugarchitekturen, inszeniert als urbane Fiktionen von bezwingender Schönheit und irritierender Realitätsnähe (von 5000 bis 14800 Euro).

          Bugdahn und Kaimer präsentieren „Collaborations“ von Irene Andessner und Ingolf Timpner. Das Künstlerpaar wurde bekannt mit seinen Rollenspielen, innerhalb deren Geschlechterkategorien spielerisch vertauscht werden und sich stereotype Rollenklischees offenbaren. Nun inszenieren sie sich als Dürer im Stile seines berühmten Selbstporträts aus dem Jahr 1500 oder fächern einen illustren Reigen verschiedener Künstlerpersönlichkeiten auf: Als Frans Hals, Marlene Dietrich und Egon Schiele geben sie sich die Ehre (von 2050 bis 28700 Euro).

          An der Poststraße richtet Clara Maria Sels eine Begegnung zeitgenössischer Dokumentarfotografie aus unterschiedlichen Teilen der Welt ein. Der 1986 geborene Fotograf Joseph Huber zeigt ruhige, intime Porträts von oft sehr westlich wirkenden Bewohnern Kairos (1800 Euro), während der 1969 in der Ukraine geborene Alexander Chekmenev schwarzweiße eindringliche Ansichten aus dem Donbass zeigt (bis 1600 Euro).

          Die fotografische Schrumpfung der Realität

          Diese Region ist seit dem 18. Jahrhundert das größte Kohleabbaugebiet der Ukraine. Die meisten Minen wurden jedoch nach dem Fall der Sowjetunion geschlossen, so dass viele der dort lebenden Menschen heute illegal und unter Lebensgefahr nach Kohle graben, um ihr Auskommen zu sichern. Chekmenevs Fotografien scheinen sich in Gestus und Komposition an klassische Vorbilder aus der Frühzeit der Dokumentarfotografie anzulehnen und bilden doch die unmittelbare Gegenwart ab.

          Die TZR-Galerie zeigt Marc Räders urbane Ansichten aus Kalifornien. Durch den technischen Kniff des „Tilt and Shift“, in dem die Linse gekippt wird, scheinen die dargestellten Motive zu Miniaturen geschrumpft: ein Effekt, der den realen Szenerien etwas Unwirkliches und Kulissenhaftes verleiht. Der „goldene“ Staat zeigt sich mit majestätischen touristischen Motiven, doch auch die dunkleren Seiten Kaliforniens werden beleuchtet: der mit Warnhinweisen gepflasterte und von Fluchtversuchen durchlöcherte Grenzzaun an einem Strand zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko (Auflage 5+2; 10500 Euro) oder den endlosen Stau auf dem Highway der Grenzstadt Tijuana.

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