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Dorotheum-Vorschau : Oh, ein Dino

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Ein Dinosaurier in einem Ei und eine liegende Frau: im Dorotheum suchen Werke der Moderne und Zeitgenossen nach neuen Besitzern. Eines davon wird das Land nicht verlassen.

          Von einem solchen Los träumt der Kunstmarkt, nicht nur in Österreich: Das Wiener Dorotheum ruft bei seiner Auktion Moderne Kunst am 21. November eine exquisite Zeichnung von Egon Schiele auf, die sich 85 Jahre lang in Salzburger Privatbesitz befand. Die polychrome „Liegende Frau“ entstand vor genau hundert Jahren. Es ist nicht erwiesen, ob es sich bei der Hingestreckten mit den verschränkten Fingern um Schieles Gattin Edith oder um ihre Schwester Adele handelt. Die auf 700 000 bis 1,2 Millionen Euro geschätzte Gouache besticht durch die formale Raffinesse ihrer Perspektive ebenso wie durch den wissenden Ausdruck der Dargestellten. Derselbe Einlieferer trennt sich auch von einem in schwarzer Kreide festgehaltenen „Frauenkopf“ aus Schieles Sterbejahr 1918. Die Zeichnung beweist seine Virtuosität, in der Verbindung von schnellen kräftigen Linien und sparsamen Akzenten Intensität zu erzielen (Taxe 200 000/ 300 000 Euro). Eine echte Rarität stellt die Mädchenbüste aus Ton dar, die Ludwig Wittgenstein höchstpersönlich fertigte: Um 1925/28 entstanden, verwirklichte der Philosoph darin sein Ideal von Vereinfachung. Die 39 Zentimeter hohe Skulptur ist mit einem Ausfuhrverbot belegt (40 000/70 000). Was die angebotenen Landschaften betrifft, so schweifte bei einem Kleinod Gabriele Münters der „Blick aufs Gebirge“ (200 000/250 000), während Alfons Walde mit einem seiner gekonnt inszenierten Winterträume von „Kitzbühel“ lockt (220 000/320 000). Indes befand sich die italienische Avantgarde 1913/14 schon auf dem Sprung in die Abstraktion, wie Alberto Magnellis wiederentdeckte „Danseuse-Marionette“ bestätigt (50 000/ 70 000). Sein jüngerer Kollege Piero Dorazio ist mit dem interessanten Ölbild „Controforma prova“ von 1949 im Moderne-Angebot vertreten, mit acht jüngeren Werken bei den Zeitgenossen tags darauf.

          Als Toplos dort tritt am 22. November ein unbetiteltes Kippenberger-Gemälde von 1996 an, das einen Dinosaurier im Ei zeigt: „Oh, ein Dino (Erinnert mich daran, dass in der Kunst doch alles geht, man muss es nur machen)“ heißt ein doppelt so großes Ölbild, das Sotheby’s als Teil der Peter-Stuyvesant-Kollektion 2010 für 900 000 Euro veräußerte. Das jetzt mit 250 000 bis 350 000 Euro angebotene Quadrat birgt fast noch mehr Kippenbergerisches – zeigt es neben dem vom Maler verehrten Ei auch noch eine Straßenlaterne samt Strichmännchen-Nachtschwärmer. Den Kampf der Malerin mit dem weißen Rechteck brachte Maria Lassnig in ihrer durchaus humorvollen Serie „Innerhalb und außerhalb der Leinwand“ zum Ausdruck: Die beiden ersten Gemälde der Werkreihe zeigen die typisch farbkräftigen, nackten Figuren, die die 2014 gestorbene Künstlerin stets als Selbstporträts verstand (Taxe je 180 000/ 320 000). Der Körper stand auch im Zentrum bei Franz West, von dem ein spätes seiner prothesenhaften „Passstücke“ zu haben ist (120 000/ 200 000).

          Ein Fokus auf die „Cobra“-Maler bereichert das Programm unter anderem mit Corneilles Ölbild „Bicyclistes“ aus dem Jahr 1948 (55 000/75 000), Karel Appels pastosem Tierbild „Earth Bird“ von 1955 (45 000/65 000) und Asger Jorns farbkräftigem Gemälde „Patchy Quarrel“ von 1964 (150 000/ 200 000). Aus der italienischen Nachkriegskunst stammt Giuseppe Uncinis Wandobjekt „Cemento armato“, das er 1960 aus Beton und Eisen produzierte (150 000/ 200 000). In Yves-Klein-Blau realisierte Paolo Scheggi sein monochromes Quadrat „Zone Riflesse“, das ovale Einschnitte charakterisieren (280 000/ 360 000). Unter den Werken der Gruppe „Zero“ sticht Heinz Macks changierendes Bildobjekt „Lichtfächer im Raum“ aus Aluminium und Edelstahl von 1965 hervor (200 000/ 300 000).

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