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Die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé : Ein Mondrian auf dem Laufsteg

  • -Aktualisiert am

Eine Jahrhundertkollektion ist die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé. Im Februar wird sie im Grand Palais in Paris versteigert - ein Blick auf das großartige Angebot.

          Erst wenn das letzte Los zugeschlagen sei, sagt Pierre Bergé, könne er das Wort „Ende“ unter die Sammlung setzen, die er und sein Lebensgefährte Yves Saint Laurent in mehreren Jahrzehnten aufgebaut haben. Für Yves Saint Laurent wäre die Zerstreuung der geliebten Kunstwerke und Objekte undenkbar gewesen - die Sammlung war seine Quelle der Inspiration, ein Teil seines Lebenswerks, ein Kunstwerk für sich. Doch schon vor dem Tod des Modeschöpfers im Juni 2008 hat Pierre Bergé den Entschluss gefasst, die Kunstwerke versteigern zu lassen.

          Als Sammler und Eigentümer eines Auktionshauses weiß er nur zu gut, dass die Versteigerung einer großen Kollektion nicht nur einen wertvollen Katalog hinterlässt, sondern in der Erinnerung und Vorstellung zahlloser Kenner und Liebhaber als mythisches Ereignis überlebt. Die Auktion vom 23. bis zum 25. Februar im Grand Palais wird die erste und letzte Gelegenheit sein, die Schätze einer wahrhaft fürstlichen Sammlung in ihrer Pracht zu erleben. Paris hätte sich für den von der Krise überschatteten Saisonbeginn kein schöneres Geschenk ausdenken können.

          Paris geht vor

          Pierre Bergé lässt die Sammlung dort versteigern, wo sie entstanden ist, und hegt außerdem den Ehrgeiz, dem Pariser Markt „den Glanz zurückzugeben, den er verloren hat“. Die Wahl von Christie's ergab sich aus der langjährigen Freundschaft von Pierre Bergé und François de Ricqlès, Vizepräsident von Christie's France; sein eigenes Auktionshaus, Pierre Bergé & Associés, ist ebenfalls an der Auktion beteiligt. Eine Versteigerung dieses Umfangs hat es auf dem Pariser Markt noch nicht gegeben - jüngere Höhepunkte wie die Sammlungen Dora Maar 1998 und André Breton 2003 nehmen sich dagegen fast bescheiden aus.

          Bei einer Gesamttaxe von 200 bis 300 Millionen Euro kommen in sechs Auktionen 733 Lose zum Aufruf, von Altmeistern, Zeichnungen und moderner Kunst über Art déco bis hin zu Skulpturen des Barocks, Silber, Ostasiatika und Kunstkammerobjekten. Das Grand Palais, für mehr als 300.000 Euro gemietet und für eine Million Euro von der Innenarchitektin Nathalie Crinière ausgestaltet, wird zum ersten Mal Schauplatz einer Versteigerung sein. Die internationale Finanzkrise hat auch bei der „Jahrhundertauktion“ die Erwartungen etwas gedämpft: Bei einigen Spitzenlosen moderner Kunst hat man die Schätzungen vorsichtshalber gesenkt.

          Orientiert an Sammlerlegenden

          Zu den Vorbildern Yves Saint Laurents und Pierre Bergés gehörten der Modeschöpfer Jacques Doucet, der Maler José Maria Sert und die Mäzenin Marie-Laure de Noailles, die durch ihre kühnen Stilmischungen eine ganze Epoche geprägt und geistig Patin gestanden hat für die Maisonettewohnung an der Rue de Babylone, die Yves Saint Laurent zunächst mit Pierre Bergé und später allein bewohnte.

          Der mit Eichenholz getäfelte „Grand Salon“ barg die Quintessenz dieser Kollektion, die keine Anhäufung teurer Meisterwerke war, sondern ein lebendiges Zusammenspiel von Kunstwerken und Objekten höchster Qualität. Matisse, in dessen Leidenschaft für Stoffe er eine Geistesverwandtschaft erkannte, war nicht zuletzt mit dem farbenfrohen Gemälde „Les coucous, tapis bleu et rose“ von 1911 präsent (Taxe 12/18 Millionen Euro).

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