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Die Kunstgaleriebonn : Peripherie als Chance

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In Köln und Düsseldorf feiert sich in diesen Tagen die Galerieszene selbst. Doch was ist eigentlich mit Bonn? Eine Galerie widerlegt alle Vorurteile.

          Es rummelt in diesen Tagen wieder in den Galerien im Rheinland. Zu den gemeinsamen Eröffnungen der vierten Ausgabe der „DCOpen“ öffnen mehr als fünfzig Galerien in Düsseldorf und Köln wieder die Türen. Dass es auch abseits der Kunstzentren im beschaulichen Bonn eine ernstzunehmende Galerie für junge Kunst gibt, wird in diesem Trubel leicht übersehen. Zwar haben Galerien wie die von Marianne Hennemann den Ruf der Stadt gerade für den Handel mit Kunst deutscher Nachkriegsmoderne begründet; handelten längst nicht mehr existierende Galerien wie Magers oder Klein in der Region mit Kunst auf internationalem Niveau, doch eine gewachsene, dynamische Kunstszene existierte nie in Bonn. Um junge Kunst zu sehen, fuhren Sammler stets nach Düsseldorf oder Köln.

          Das will die „kunstgaleriebonn“ ändern. Unter diesem schlichten Namen führen die Galeristen Gisela Clement und Michael Schneider seit November 2010 ihre Galerie. In einer 1870 errichteten Gründerzeitvilla, Clements ehemaligem Elternhaus, haben die beiden 2010 ihren Einstand als Galeristen gegeben. Das Haus beherbergte eine Privatklinik, bevor Clements Großvater, der Architekt Hans Faupel, es als Büro und Wohnhaus nutzte. Nebenan wird gebaut; eine riesige Grube klafft neben dem historischen Galerienhaus: Von Ende 2013 wird ein kubistischer Erweiterungsbau direkt nebenan für verstärkte Sichtbarkeit der Galerie sorgen - mit vier Ausstellungsräumen zu je vierzig Quadratmetern.

          Die studierte Juristin und dreifache Mutter Gisela Clement, Jahrgang 1959, hatte vor zehn Jahren begonnen, in den Häusern der familieneigenen Wohnungsbaufirma „Miwo“ Kunst zu installieren, und in der Folge zwei Jahre lang einen Projektraum im Erdgeschoss des Galeriegebäudes geführt. Der Kunsthistoriker Michael Schneider, Jahrgang 1969, bis zu ihrer Schließung im Jahr 1995 Mitarbeiter der Galerie Steinmetz, führte bis 2010 eine eigene Galerie.

          Begonnen haben Clement und Schneider einst mit fünf Künstlern; mittlerweile listet die Galerie ein Dutzend auf ihrer Homepage mit sehr unterschiedlichen Biographien. Zwei historische Positionen bilden dabei die Folie, vor der sich die jungen und jüngsten Künstler des Hauses positionieren, deren Werk erst auf dem Weg ist, sich durchzusetzen. Die eine ist die 1937 in Kansas geborene, heute im kalifornischen Sacramento lebende Malerin Max Cole mit ihrem strengen Minimalismus. Seit Jahrzehnten treibt sie ihr aus Streifen bestehendes Bildvokabular in strikten, selbstgesteckten Grenzen voran.

          Die andere Position ist die Malerei des 1925 in Köln geborenen Erwin Bechtold; Vertreter eines gerade in Spanien überaus beliebten zeitgenössischen Informel. Die beiden treffen in Bonn auf Künstler wie Werner Haypeter und seine reduzierten Skulpturen, sowie die essentielle Malerei von Peter Tollens, den Michael Schneider aus dem Programm der eigenen Galerie mitbrachte. „Ich interessiere mich stark für Malerei, die ihre eigene Geschichte reflektiert, also Malerei als Thema der Malerei“, erklärt Schneider. „Gisela Clement bringt eher eine Neigung zu konzeptionelleren Positionen und Arbeiten auf Papier in unsere Zusammenarbeit mit.“ Jüngster Neuzugang zum Galerieprogramm ist die 1980 in Karlsruhe geborene Bildhauerin Schirin Kretschmann, die in Basel und Berlin lebt und arbeitet.

          Wie aber arbeitet es sich mit solch anspruchsvollen Positionen von der Peripherie aus? „Sehr gut“, antwortet Gisela Clement ohne zu zögern. „Wir hatten von Anfang den Eindruck, dass die Bonner auf ein Angebot wie unseres wirklich gewartet haben. Zu unseren Eröffnungen kommen meist rund dreihundert Leute aus der Stadt, aber auch aus dem Bonner Umland. Der Standort Bonn spannt eine Brücke zwischen dem Rheinland und Frankfurt. Hier in Bonn gibt es nur uns, und viele Künstler aus dem Rheinland freuen sich über eine zusätzliche Vertretung in der Stadt“.

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