22.03.2007 · In den fünfziger Jahren revolutionierte Steph Simon das Design. Jetzt huldigt ihm die Galerie Downtown mit einer Retrospektive in Paris. Angelika Heinick hat sich für uns umgeschaut.
Von Angelika HeinickAls in den ersten Nachkriegsjahren ein großer Bedarf an Möbeln und Einrichtungsgegenständen bestand, lieferte die französische Industrie zunächst vorwiegend Nachbildungen von traditionellem Mobiliar. Funktionale Möbel von den Architekten und Designern der „Union des Artistes Modernes“ - wie Le Corbusier, Charlotte Perriand oder Jean Prouvé -, die schon in den dreißiger Jahren entwickelt worden waren, blieben daher lange Zeit nur wenigen vorbehalten.
Dank der Initiative eines Galeristen fanden die Kreationen dieser modernen Designer im Paris der fünfziger Jahren schließlich doch noch ihre Verbreitung: Steph Simon übernahm im Alter von knapp fünfzig Jahren 1949 die Exklusivvertretung der „Ateliers Jean Prouvé“, die vor allem Baumaterial in Form von gefalzten Stahlblechen fertigten. Geschickt nutzte er seine Erfahrung, die er als Verkaufsleiter der Kühlschrankfirma „Frigidaire“ gesammelt hatte, entwickelte die industrielle Herstellung und den Vertrieb von Möbeln des Architekten Prouvé und konnte sogar die Designerin Charlotte Perriand als Mitarbeiterin gewinnen. Zu den wichtigsten Aufträgen gehörten dann die Raumgestaltung und die Möblierung der Studentenheime „Maison de la Tunisie“ und „Maison du Mexique“ in der Cité Universitaire in Paris.
Einzigartige Hommage
Im März 1956 eröffnete Steph Simon am Boulevard Saint-Germain seine Galerie für zeitgenössische Einrichtung - damals eine Neuheit in Paris. Vor ein paar Jahren hat der Pariser Händler François Laffanour das Archiv der Galerie Steph Simon aufgekauft; jetzt zeichnet er in einer Ausstellung in der Galerie Downtown dessen Arbeit bis 1974 nach. Die einzigartige Hommage an den bedeutenden Pionier zeigt Möbel aus dieser Zeit, aber auch Fotografien von Ausstellungen, Entwürfe für Raumausstattungen und Werbeplakate.
Jean Prouvé und Charlotte Perriand, mit denen Steph Simon die Edition von zehn Möbeln pro Jahr vereinbarte, waren die künstlerischen Leiter der Galerie Steph Simon: Prouvé entwarf die Fassade, Perriand stattete die Innenräume der Galerie aus. Die Feststellung Charlotte Perriands, die Galerie Steph Simon habe ihnen als „Lokomotive“ gedient, trifft vor allem auf sie selbst zu: Ihre Holztische der „forme libre“, die Bücherregalmodule aus Holz und lackiertem Metall oder die dreibeinigen Hocker fanden leichter Zuspruch als der eindeutig industriell geprägte Charakter der Möbel von Jean Prouvé. Zu einer reinen Serienproduktion kam es nicht - auf Wunsch ließ Steph Simon auch Einzelstücke und maßgeschneiderte Exemplare anfertigen.
Design für Stars und Botschaften
Auch wenn Stars wie Gérard Philipe, Brigitte Bardot und Simone Signoret zu den Kunden der Galerie zählten, wurden achtzig Prozent des Geschäfts mit Ausstattungen für Firmen und Institutionen gemacht - darunter die japanische Botschaft in Paris oder die Firma Sandoz in Rueil-Malmaison. Exklusivvertretungen der Metall- und Röhrenlampen von Serge Mouille, der „Zylindervasen“ des Keramikers Georges Jouve und die „Araki“-Papierlampen von Imasu Noguchi, den Perriand der Galerie zuführte, ergänzten das Angebot.
Die Galerie Downtown hat nun eine Reihe von Beispielen der Möbel aus dieser Zeit zusammengetragen. Preise werden nicht genannt, aber die Auktionsergebnisse der letzten Jahre sprechen für sich: So schlug im November 2004 die 1957 von Steph Simon edierte Sitzbank „Tokyo“ von Charlotte Perriand bei Tajan mit 16.000 Euro zu Buche; im Frühjahr 2006 erbrachten ein Sideboard aus Mahagoni mit Metallschiebetüren auf einer Auktion in Sceaux stolze 145.000 Euro und ein „Forme libre“-Esstisch in Fontainebleau 120.000 Euro. Im letzten November versteigerte Christie's ein Wandregal von Perriand und Prouvé, ein Einzelstück von 1960, für 300.000 Euro - auch hier verfehlte die Provenienz aus der Galerie Steph Simon nicht ihre Wirkung.