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Veröffentlicht: 11.09.2006, 00:00 Uhr

Design Auch das Nyltesthemd wird da Gestalt: Stücke aus der Design-Sammlung von Peter Engelhardt werden in München versteigert

Der sammelnde Designer erlag Gebrauchsgegenständen jeglicher Art und Form. Nun trennt Peter Engelhardt sich von rund 600 Objekten, die am 18. September bei Quittenbaum in München unter den Hammer kommen.

von Brita Sachs

Ein Olympiasieger macht den Schluß: Heide Rosendahl signierte den Adidas-Laufschuh, der 1972 den 4mal-100-Meter-Staffellauf der Damen gewinnen half und der jetzt eine außergewöhnliche Auktion in die Zielgerade begleitet. Ein Designer, der Design sammelt und als Sammler auch Gebrauchsgegenständen jeglicher Art und Form erlag, trennt sich von rund 600 Objekten, die ahnen lassen, daß die 30 000 verbleibenden Stücke leicht ein ganzes Museum der Alltagskultur füllen könnten.

Bei Quittenbaum in München kommt am 18. September unter den Hammer, wovon Peter Engelhardt sich trennt: Der sammelnde Designer selbst gestaltete den ansehnlichen Katalog, der bei „Hören und Sehen“ beginnt - mit amerikanischen Rundfunkgeräten, die aussehen wie die Kühler von Straßenkreuzern; mit einem englischen Kofferradio, das Schlangenlederimitat als Handtäschchen tarnt (Taxe 240/450 Euro); mit einem japanischen Transistorradio „Candle“, das schlichte Eleganz schon in den Fünfzigern auszeichnet (80/190).

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Ein Großteil des Angebots stammt aus dieser formexplosiven Ära, in der auch Thonet vor dem Nierentisch nicht haltmachte (150/200). Charles Eames dagegen setzte mit dem berühmten „Surfboard Table“ auf sportliche Klarheit (2400/5000), und einer wie Gio Ponti schnitt einen halbrunden Schreibtisch aus Holz und Glas auf Chefallüren zu (3500/ 7000). Kuriosa wie ein italienischer Schalensitz mit Mona-Lisa-Aufdruck (4200/6000) behaupten sich originell gegen Klassiker, als deren einer Olivettis Büroeinrichtung „Spazio“ von 1960 gelten kann (11 000/16 000).

Peter Engelhardt geht beim Sammeln ganz ersichtlich nicht nach Geschmackskriterien vor, einen Zeitstil in all seinen Facetten zu erfassen hat Priorität. Wer angesichts schlingernder Fifties-Umrisse und floraler Spardekors einer Schale mit sechs Aschenbechern aus Kronacher Porzellan das Grausen bekommt (120/220), könnte vor zwei schneeweißen Berliner Vasen mit Szeptermarke (380/600) niederknien - und umgekehrt. Das Kapitel „Technik“ behandelt Stilfragen nach der alten Devise „form follows function“: Osrams Höhensonne „Vitalux“ hält sich daran ebenso wie ungezählte Ventilatoren oder Klappen-Toaster. Lichtjahre trennen ungeheuerlichste Lampenkreationen von Barthelmess' um 1970 gestalteter Deckenlampe in Gestalt einer großen Glühbirne (220/330). Spielzeugautos, ein original verpacktes Nyltesthemd der ersten Stunde oder Triumphs Pepita-Badeanzug aus Helanca - es bleibt kaum ein Wunsch offen.

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