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Papier-Restauratorin : Der Pulsschlag des Künstlers

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Den Urzustand einer Zeichnung gibt es nicht: Corinna Oschmann ist Restauratorin für Arbeiten auf Papier in Frankfurt

          Zum Wesen von Arbeiten auf Papier gehört eine besondere Empfindlichkeit, im doppelten Sinn des Wortes. Die Zeichnung ist eine der feinsinnigsten künstlerischen Ausdrucksformen. Und zugleich bannt sie ihre Spontaneität, ihren Zauber und direkten Gefühlsausdruck auf ein fragiles Material, das besonders anfällig ist für den Lauf der Zeit oder unkundige Behandlung. Kunst auf Papier ist leicht, diskret und im Vergleich zur Malerei meist recht kleinformatig. Umso mehr erstaunt es, dass für ihre Restaurierung tatsächlich viel Raum benötigt wird.

          Die Papierrestauratorin Corinna Oschmann muss sich für ihr bis ins kleinste Detail präzises Handwerk in der Horizontalen ausbreiten können. Ihr Atelier im Frankfurter Westend ist entsprechend geräumig. An allen Arbeitsstellen benötigt sie Ablageflächen, selbst wenn in vorsichtig erwogenen Etappen und mit einem ruhigen scharfen Blick für geringste Nuancen ganz nahe am Blatt eines Künstlers gearbeitet wird. Zur handwerklichen Grundausstattung gehören ein Mikroskop, eine Presse, ein riesiger Niederdrucktisch zum Glätten oder zum thermoplastischen Kleben, schließlich große Wasserbecken, in denen vergilbte Blätter gewässert werden können. An den Wänden reihen sich Regale und Graphikschränke mit großflächigen Schubladen. Corinna Oschmann bewahrt darin Filze, Fliese und Papierfasern auf, sie sammelt außerdem unterschiedlichste Papiersorten, um für jedes Werk, das ihr eines Tages unter die Hände geraten könnte, geeignetes Material zur Verfügung zu haben.

          Eigenschaften von Papier ertasten

          Auf einem der Arbeitstische liegt die feine Tuschfederzeichnung einer römischen Landschaft, die wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Ein privater Sammler hat sie Corinna Oschmann anvertraut; er möchte, dass die Vergilbung des Blatts gelöst wird und dadurch die Zeichnung wieder klarer zum Vorschein kommt. Das zarte qualitätsvolle Transparentpapier war irgendwann einmal in seinem zweihundertjährigen Leben auf einen minderwertigen, holzhaltigen Karton aufgezogen worden: einer der Gründe, warum es so stark vergilben konnte. Holzschliffhaltige Rahmenrücken oder Passepartouts sind besonders säurehaltig, sie bräunen allmählich durch Lichteinfall und übertragen ihre Verfärbung auf das Papier der Zeichnung. Heute werden bei der Rahmung nur noch Baumwollpappen verwendet. Zu den schlimmsten Feinden des Papiers gehören unkontrolliertes Licht und Feuchtigkeit. In einem erstaunlichen chemischen Umkehrschluss sind es aber gerade Licht und Wasser, mit denen Restauratoren am meisten arbeiten: Vergilbte oder von Stockflecken befallene Papiere werden unter Speziallampen gebleicht und Rückstände in Wasserbädern gelöst.

          Corinna Oschmann berührt die bei ihr in Arbeit liegenden Werke auf Papier mit behutsamer Rücksicht und liebevoller Bewunderung. Die Eigenschaften von Papier muss man als Restaurator auch ertasten können, um abzuwägen, wie die entstandenen Schäden am schonendsten zu beheben sind. Im Gespräch fällt gleich zu Beginn das Wort „Haptik“: Ganz besonders ziehe sie die Haptik von Papier an, das Feine, seine jeweilige Textur und Oberflächenbeschaffenheit, sagt Corinna Oschmann. Schon in ihrer Jugend zeichnete sie viel, wollte zunächst Künstlerin werden und entschied sich dann für eine handwerkliche Laufbahn. Nach drei Jahren Praktikum in der Denkmalrestaurierung setzte sich die Neigung zum Papier endgültig durch. Sie lernte zunächst in einer Papiermacherschule und absolvierte dann eine Ausbildung zur Papierrestauratorin in den Werkstätten des Düsseldorfer Kunstmuseums und an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Nach einem Kunstgeschichtsstudium machte sich Oschmann selbständig und spezialisierte sich auf die Restaurierung klassischer, moderner und zeitgenössischer Kunst auf Papier.

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