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Der erste Auktionstag Die Feuerprobe

 ·  Der erste Abend der Versteigerung von Yves Saint Laurents und Pierre Bergés Sammlung bei Christie's im Grand Palais in Paris war ein überwältigendes Lehrstück in Sachen Kunst. In zweieinhalb Stunden wurden sieben Auktionsweltrekorde aufgestellt. Der Umsatz von mehr als zweihundert Millionen Euro ist außerdem das höchste Ergebnis für eine Privatsammlung in einer Versteigerung überhaupt.

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Der Auktionator trug einen schwarzen Smoking. Dies ist die elegante, die französische Variante der Huldigung an Yves Saint Laurent und seinen Geist, an den Mann, dem Paris über seinen Tod im vergangenen Jahr hinaus zu Füßen liegt.

Niemand, der bei der ersten von insgesamt sechs Auktionen mit der Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé im Grand Palais zugegen war, wird wohl etwas Ähnliches nochmals erleben. Aufgerufen wurden die impressionistischen und modernen Werke aus dieser singulären Kollektion.

Sieben Auktionsweltrekorde in zweieinhalb Stunden

Es kam in zweieinhalb Stunden zu sieben Auktionsweltrekorden, für Matisse, Brancusi, Mondrian, de Chirico, Klee, Ensor und Duchamp: Zu vermelden sind Zuschläge von 32 Millionen Euro für Matisses zauberhafte „Les coucous, tapis bleu et rose“ an einen unbekannten Bieter im Saal, von 26 Millionen für Brancusis spektakuläre Holzskulptur „Madame LR“, von 19,2 Millionen für eine typische Komposition Mondrians, von bemerkenswerten 9,8 Millionen für Giorgio de Chiricos „Il Ritomante“ - das sich direkt nach dem Ende des Bietgefecht der französische Staat für das Centre Pompidou per Vorkaufsrecht sicherte - und von sagenhaften 7,7 Millionen für zwei Objekte Marcel Duchamps, um die zwei Bieter im Saal minutenlang verbissen rangen, angesichts einer Schätzung von höchstens 1,5 Millionen Euro. Beifall folgte im Publikum, jedes Mal.

Allein dieses Spektakel, das mehr als 1200 Menschen unter der Kuppel des theatralisch erleuchteten und von rot glühenden Heizsternen unter der Decke erwärmten Grand Palais verfolgten, spielte mehr als 206 Millionen Euro (inklusive des fälligen Käuferaufgelds) ein; das bedeutet angesichts einer oberen Gesamttaxe von 300 Millionen für die gesamte Kollektion bereits zwei Drittel der Höchsterwartung. Von 61 Losen gingen nur zwei zurück, eine wenig reizvolle Papierarbeit von Picasso und, allerdings bitter, das mit bis zu dreißig Millionen am höchsten geschätzte Los des Abends überhaupt, Picassos großes kubistisches Gemälde „Instruments de musique sur un guéridon“, für das sich beim Aufruf von 21 Millionen Euro keine einzige Hand im Saal und kein Telefon rührten; schon vor der Auktion schien spürbar niemand dieses Bild zu lieben, ihm half nicht einmal die großartige Provenienz.

Ausnahme-Auktion unter prächtiger Glaskuppel

Doch jenseits dieses Wermutstropfens ereignete sich das äußerst seltene Geschehen, dass bei einer Vielzahl der Lose die Bieter im Saal aktiv wurden, mit perfekter Dezenz, aber manchmal auch Effizienz gegenüber der Phalanx der Telefone; hierher gehört auch der Zuschlag bei 12,8 Millionen Euro (Taxe 7/10 Millionen) für einen zweiten, in seinen Grautönen sehr speziellen Mondrian. Diese ganze Ausnahme-Auktion lief in dem riesigen Raum mit einer gewissen Langsamkeit an, um dann Fahrt aufzunehmen, mit einem Selbstporträt Edouard Vuillards, das, auf gerade 100.000 bis 150.000 Euro geschätzt, bei 430.000 Euro gegen den Saal an ein Telefongebot ging, direkt gefolgt von James Ensors hinreißendem Großformat „Le désespoir de Pierrot (Pierrot le jaloux)“, für das erst ein Gebot von 4,4 Millionen Euro, bei einer Obertaxe von drei Millionen, ausreichte.

Das aber war nur der Beginn der Geschichte von der Zerstreuung dieser, von einer Individualität ohne Vergleich geprägten Sammlung; erst Mittwoch Abend, der 25. Februar, wird das Ende markieren, die Bilanz zulassen. Jedoch schon jetzt lässt sich festhalten: Der Kunstmarkt im hohen Segment ist, wo seine Käufer mit Kenntnissen gesegnet sind, wo Strahlkraft und Herkunft der Werke zusammenfinden und wo endlich die Schätzungen deutlich der Vernunft folgen, von unerhörter Lebendigkeit. Für alles Zweitrangige gilt das allerdings keinesfalls - eine im Grunde beruhigende Feststellung.

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Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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