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Der dritte Auktionstag : Krönender Abschluss

  • -Aktualisiert am

Nach dem letzten Hammerschlag im Pariser Grand Palais hat Christie's für die historische Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé den Rekorderlös von 373,9 Millionen Euro verkündet. Am letzten Auktionstag hielt der umstrittene Verkauf historischer chinesischer Skulpturen in Atem.

          Wenige Minuten nach dem letzten Hammerschlag im Grand Palais konnte Christie's für die Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé den Rekorderlös von 373,9 Millionen Euro für eine Privatsammlung weltweit und für eine Auktion in Europa ankündigen. 95,5 Prozent der 730 offerierten Lose wurden verkauft, ein nicht nur in Krisenzeiten traumhaftes Ergebnis.

          Seine Erwartungen seien vollkommen erfüllt worden, erklärte Pierre Bergé im Anschluss an die Versteigerung, er sei „sehr, sehr glücklich“. Der oft spürbare Eifer der Bieter habe ihm versichert, dass die neuen Besitzer die Kunstwerke und Objekte lieben werden. Besonders berührt habe ihn das zahlreich erschienene Publikum, das mehrere Stunden Wartezeit in Kauf nahm, um seine und Yves Saint Laurents Sammlung zu sehen.

          Gericht weist Pekings-Gesuch zurück

          Der letzte Auktionstag dieser historischen Sammlung stand im Zeichen des von chinesischen Anwälten und einem „Verein zum Schutz von chinesischer Kunst in Europa“ vor Gericht angefochtenen Verkaufs der zwei bronzenen Tierköpfe von Brunnenfiguren im Sommerpalast des Kaisers Qianlong in Peking.

          Die chinesische Regierung hatte Christie's wenige Tage vor der Auktion schriftlich gebeten, die Versteigerung der Tierköpfe zu verhindern; am Montag hat ein Pariser Gericht das Gesuch des privaten Vereins auf eine einstweilige Verfügung abgewiesen.

          Im Auktionssaal, wo eine Reihe chinesischer Fernsehteams das Geschehen verfolgten, war eine gewisse Nervosität zu spüren, als der Auktionator François de Ricqlès die Bronzeköpfe einer Ratte und eines Kaninchens jeweils bei neun Millionen Euro aufrief. Einzig an drei Telefonen wurde geboten. Bei 14 Millionen Euro erfolgte der Zuschlag des Rattenkopfs; den Zuschlag des Kaninchenkopfs zu ebenfalls 14 Millionen Euro erhielt das gleiche Telefon - man kann vermuten, dass es sich um denselben Käufer handelt, sicher ist es aber nicht. Christie's hat keine Angaben über den oder die Käufer der Tierköpfe gemacht.

          „Längste Skulpturenauktion“

          Der Erlös, jeweils 15,7 Millionen Euro samt Aufgeld, überstieg jedenfalls die Schätzung von acht bis zehn Millionen Euro. Am Nachmittag des letzten Auktionstages hielt Christie's die „längste Skulpturenauktion“ ab - in sechs Stunden wurden 279 Lose verkauft. Die zeitweilig etwas schläfrige Atmosphäre im halbleeren Saal unter der sonnenerhellten Glaskuppel täuschte: Der Erlös von 24,2 Millionen Euro verdreifachte die Mindesterwartungen für dieses außerordentliche Konvolut von größtenteils Bronzeskulpturen der Renaissance und des Barock.

          Für Überraschung sorgte ein im 16. Jahrhundert in Frankreich oder Italien entstandener weiblicher Januskopf aus Bronze, vermutlich ein Werk aus dem Umkreis von Francesco Primaticcio, das bei einem Schätzwert von höchstens 200.000 Euro auf 1,75 Millionen Euro stieg - und als teuerstes Los dieses Segments an die Galerie Kugel ging.

          Die liegende Bronzefigur eines Hermaphroditen aus dem 17. Jahrhundert, Gianfranco Susini zugeschrieben, erzielte mit 600.000 Euro (250. 000/350.000) einen Weltrekord, ebenso wie ein gedrechselter Elfenbeinpokal aus Süddeutschland, ebenfalls 17. Jahrhundert, zu 380.000 Euro.

          Die am Abend abschließend aufgerufenen antiken Skulpturen der Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé waren gleichfalls sehr begehrt. Der römische Marmortorso eines Athleten (1.-2. Jahrhundert nach Christus) aus dem Eingang der Wohnung Saint Laurents ging zu 1,1 Millionen Euro, mehr als das doppelte der Taxe, an einen Saalbieter, der Minotauros aus dem Garten, der den Besucher während der Ausstellung im Grand Palais begrüßte, entschwand zu 760.000 Euro (300 000/500.000) übers Telefon.

          Je mehr die historische Auktion ihrem Ende nahte, desto eifriger bemühten sich die Bieter um die noch verbleibenden Lose. Die achtzehn Stühle des italienischen Rokoko aus dem Speisezimmer Yves Saint Laurents wechselten zu 800.000 Euro (300.000/500.000) den Besitzer, und für das letzte Los, ein kleines „chinesisches Frühstücksservice“ aus Sèvres-Porzellan der Jahre 1839 und 1842, wurde bis in die Höhe von 300.000 Euro - das Fünffache der Schätzung - gestritten. Pierre Bergé hat nicht nur seine Sammlung glanzvoll versteigern lassen, er hat sich noch einen zweiten Herzenswunsch erfüllt: Den Kunstmarkt nach Paris zurückzubringen.

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