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Comics in Paris Mit goldenen Scheren

 ·  Bislang wurden die bedeutendsten Comic-Originale mit wachsendem Risiko für die Käufer im Internet auktioniert. Jetzt steigt Sotheby’s wieder in den Markt für Comics ein.

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© Sotheby's Vergrößern Ganz auf Krawall eingestellt: Frank Millers Tuschezeichnung von 2001 zeigt die Figur Manute aus der Kult-Comicserie „Sin City“ (Taxe 12.000/14.000 Euro)

Man braucht ja nur ein bisschen Dreistigkeit, um Nachrichten in die Welt zu setzen. So wie das Auktionshaus Sotheby’s, das im Katalog zu seiner Versteigerung von Comic-Originalen am 4. Juli in Paris mit Aplomb behauptet, das es sich um seine erste Comic-Auktion handele. Was sagt es aus über die Glaubwürdigkeit einer Institution, die auf das Vertrauen seiner Kundschaft angewiesen ist, wenn das eigene Gedächtnis nicht einmal zwölf Jahre zurückreicht? Denn letztmals 2000 hatte Sotheby’s in New York Comics versteigert - wie schon in den neun Jahren zuvor.

Damals war das Marktumfeld freilich ein ganz anderes. Millionenpreise, wie sie in den vergangenen Monaten erst für einzelne Comic-Hefte und dann zuletzt auch erstmals für ein Comic-Original - das von Hergé 1932 als farbige Gouache angefertigte Titelbild eines Albums seiner legendären „Tim und Struppi“-Serie - gezahlt wurden, waren 1991, als Sotheby’s als erstes großes Auktionshaus mit der Versteigerung von Comics begann, undenkbar. Die Konkurrenz von Christie’s zog denn auch nur halbherzig nach, hielt aber ebenfalls bis zum Jahr 2000 durch, als man das Engagement in dieser Sparte kommentarlos wieder beendete.

Der Grund dafür lag nicht nur in den noch vergleichsweise relativ bescheidenen Umsätzen, die damals durch Comic-Kunst generiert wurden, sondern auch in der Verlagerung dieses Marktes ins Internet. Ebay hatte sich seit einigen Jahren auch als Handelsplatz für Comics etabliert, und da die Gebühren für die Verkäufer viel niedriger waren, wurden auch durchaus hochpreisige Objekte angeboten. Bis vor zehn Jahren konnte man so bei Ebay regelmäßig Originale von Hergé, Charles Schulz („Peanuts“) oder George Herriman („Krazy Kat“) finden; von gesuchten alten Erstausgaben ganz zu schweigen.

Doch je teurer diese Objekte wurden, desto dringlicher wurde für die Käufer eine sachkundige Begutachtung durch Experten. Dazu war Ebay nicht bereit; sein Verkaufsprinzip beruht auf dem Vertrauen von Käufer und Verkäufer zueinander, die Auktionsplattform selbst stellt nur einen Mittler dar. Mit wachsendem Risiko für die Käufer etablierten sich Spezialauktionshäuser im Internet, die wieder auf klassische Weise Einlieferungen entgegennahmen und begutachteten, aber die Vorteile des weltweiten virtuellen Marktplatzes für ihre Versteigerungen nutzte.

Bei Comics setzte sich in Amerika das in Dallas ansässige Auktionshaus Heritage als stärkste Kraft durch - dort und auf der Website Comic.Connect wurden zuletzt die Millionenschlachten um frühe, gut erhaltene „Superman“- und „Batman“-Hefte ausgetragen. Kleinere Anbieter wie AllStarComics oder der schon seit Jahrzehnten tätige Comic-Versteigerungs-Pionier Russ Cochran vervollständigen das amerikanische Angebot. In diesen Markt wiedereinzusteigen, dürfte für Sotheby’s schwer sein.

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