Schon sechs Monate bevor 1862 Victor Hugos Roman „Les Misérables“ erschien, begann eine Werbekampagne in ganz Europa für das Buch, mit dem Hugo an den großen Erfolg des „Glöckners von Notre-Dame“ anzuknüpfen hoffte. Über die ersten Verkaufszahlen sollen sich der Autor und sein englischer Verlag Hurst and Blackett in der kürzest möglichen Form ausgetauscht haben. Hugo schickte ein Telegramm: „?“. Der Verlag antwortete: „!“.
So hätten es Christie’s und die Nachfahren Victor Hugos auch halten können, denn die Versteigerung der „Collection Hugo“ weist zum Teil erstaunliche Ergebnisse aus. Schon der Auftakt ließ einiges erwarten: Die vier Porträtfotos, die Victor Hugo zwischen 1853 und 1855 im Exil auf Jersey zeigen, waren auf 4000 bis 6000 Euro geschätzt, zugeschlagen wurden sie indes für 24.000 Euro. Eine Serie von acht Aufnahmen der jungen Adèle Hugo aus dem Jahr 1856 übertraf die Erwartungen ebenfalls und ging für 40.000 Euro an ihren neuen Besitzer.
Mit einem Gesamterlös von 3,2 Millionen Euro
Für die größte Überraschung bei der Versteigerung der „Collection Hugo“ in Paris sorgte Los 39: Das kleine Konvolut persönlicher Notizen und Dokumente, die noch nicht einmal alle von der Hand des Schriftstellers stammen, war auf tausend bis 1500 Euro geschätzt; das Bietgefecht endete erst bei 95.000 Euro. In noch höhere Dimensionen stießen nur wenige Lose vor: Das bis dahin unbekannte Manuskript von Edmond de Goncourt, das aus der Bibliothek des Enkels Georges Hugo stammt, wechselte für 88.000 Euro den Besitzer. Georges’ Sohn Jean, der Urenkel des Schriftstellers, hatte die Familienkollektion bei seinem Tod 1984 seinen Nachkommen hinterlassen, die sich jetzt davon trennten. Von den 415 Losen fanden 336 einen Käufer. Der Gesamterlös liegt inklusive Aufgeld bei 3,2 Millionen Euro, wobei die Zeichnungen und Gemälde etwas mehr als eine Million Euro beisteuerten.
Erwartungsgemäß war das Bieterinteresse bei jenen Stücken am größten, die von der Hand des Autors selbst stammten. Auch wenn Jean Hugos symbolistische Gouache „Les Métamorphoses“ von 1929 erst bei 57.000 Euro zugeschlagen wurde, musste sich der Urenkel dem Ahnherrn geschlagen geben. Die bei weitem höchste Summe erzielte ein Blatt des Urgroßvaters: Victor Hugos „Souvenir de Belgique“, eine lavierte Kohlezeichnung in düsterer Stimmung, geschätzt auf 50.000 bis 80.000 Euro, brachte stolze 340.000 Euro. Ebenfalls weit über den Schätzpreis hinaus kamen die beiden sargdeckelähnlichen Holzbretter, die der Schriftsteller mit den Worten „Mourez“ und „Vivez“ beschriftet hat. Taxiert auf 100.000 bis 150.000 Euro, wurden sie schließlich bei 230.000 Euro zugeschlagen.