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New Yorker Auktionen : Charakterkopf gegen Suppendose

Vom 15. bis zum 19. Mai laufen in New York die Auktionen mit Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips. Eine Vorschau

          Den Auftakt der prestigereichen Mai-Auktionen in New York macht in diesem Jahr Christie’s am 15. Mai. Die Abendveranstaltung mit Impressionismus und Moderne wird angeführt von einem Porträt Picassos, „Femme assise, robe bleue“, datiert „25.10.39“. Es zeigt Dora Maar in einem eher schmerzlichen Zustand und ist mit einer Taxe von 35 bis fünfzig Millionen Dollar versehen – wie auch abgesichert durch eine Garantie. Dem Gemälde folgt in der Höhe der Erwartung eine „Muse endormie“ von Brancusi, im Bronzeguss von 1913. Sie trägt die Taxe von 25 bis 35 Millionen Dollar und kommt ohne eine vorherige finanzielle Absicherung aus. Insgesamt erwartet Christie’s für 56 Lose an diesem Abend rund 200 Millionen Dollar.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Sotheby’s hält am folgenden 16. Mai dagegen mit einem frühen Egon Schiele, der noch dem Jugendstil nahesteht. Schiele malte die „Danae“ 1909, im Alter von neunzehn Jahren. Sie kann als sein erstes wichtiges Ölbild eines Frauenakts gelten. Die Schätzung liegt bei dreißig bis vierzig Millionen Dollar; das Frühwerk, zu dessen Vorbesitzern Rudolf Leopold in Wien gehörte, geht ohne Garantie ins Rennen. Zu den Spitzen bei Sotheby’s zählen ein Seerosenbecken Monets aus den Jahren 1917/20 (Taxe 14/18 Millionen Dollar), Malewitschs „Suprematist Composition with Plane in Projection“ von 1915 (12/18Millionen) und Gustav Klimts „Dame im Fauteuil“ in rotem Kleid und Hut von 1897/98 (7/9 Millionen). Für diesen Abend rechnet das Haus bei 52 Losen mit 178 bis 251,9 Millionen Dollar.

          Ein Triptychon von Bacon und ein Zwei-mal-zwei-Meter-Twombly

          Was die Schätzsummen angeht, haben deutlich die Auktionen mit Nachkriegs- und Gegenwartskunst die Oberhand. Die absolute Spitze bildet dort ein großformatiger „Untitled“-Kopf von Jean-Michel Basquiat aus dem Jahr 1982: Sotheby’s erwartet am 18. Mai für das starke Stück über sechzig Millionen Dollar; das Porträt ist mit einer Garantie abgesichert. Einlieferer sind die Nachkommen des Immobilien-Tycoons Jerry Spiegel und seiner Frau Emily, die das Bild angeblich 1984 für rund 20 000 Dollar erworben haben. (Hundert weitere Werke aus der Spiegel-Kollektionen kommen in diversen Christie’s-Auktionen zum Aufruf.) Hübsch ist bei Sotheby’s eine, allerdings späte „Nude Sunbathing“ von Roy Lichtenstein, für die mit mehr als zwanzig Millionen Dollar gerechnet wird; auch ihr Verkauf steht schon vorher fest. Der Zeitgenossen-Abend soll für 51 Lose 212 bis 278,6 Millionen Dollar erzielen.

          Christie’s stellt sich am vorhergehenden 17. Mai für seine sehr klassische „Big Campbell’s Soup Can with Opener“, die Warhol 1962 malte, auf Anfrage mehr als 25 Millionen Dollar vor, freilich ebenfalls durch eine Garantie gestützt. Noch über der Suppenbüchse rangieren Francis Bacons Triptychon – „Three Studies for a Portrait of George Dyer“ von 1963, jedes der Bilder grade mal 35,5 mal 39,5 Zentimeter klein –, dessen estimate on request mit fünfzig Millionen Dollar aufzulösen ist, und ein Zwei-mal-zwei-Meter-Twombly, „Leda and the Swan“ von 1962, ausgezeichnet mit 35 bis 55 Millionen Dollar; die beiden Lose kommen ohne Garantien aus. Dieser Abend soll Christie’s für 73 Lose 370 Millionen Dollar bescheren.

          Phillips fährt seine Gegenwartskunst am 18. Mai auf, angeführt von Peter Doigs Gemälde „Rosedale“ aus dem Jahr 1991, das für mehr als 25 Millionen Dollar gut sein soll. Ihm folgt das schönfarbige Großformat „Abstraktes Bild (811-1)“, das Gerhard Richter 1994 malte (15/20 Millionen). Selten genug tauchen im Auktionsmarkt Werke von Agnes Martin auf: Ihr „Untitled‚ #1“ in Grauschattierungen von 1985 liegt bei vier bis sechs Millionen Dollar. Insgesamt stellt sich Phillips einen Umsatz von etwa 107 Millionen Dollar vor.

          Eines ist jetzt schon klar: Es sind die garantierten Lose – also die, für die entweder das Auktionshaus selbst oder eine andere Person als Abnehmer bereits feststeht –, die das Rennen zwischen Christie’s und Sotheby’s im Hochpreissegment entscheiden werden. Und ohne solche Garantien sind die Einlieferer kapitaler Werke offenbar nicht bereit, sich von ihren Schätzen zu trennen. Das Angebot aus sämtlichen dieser Mai-Auktionen überhaupt soll bei 1,3 Milliarden Dollar liegen. Das entspräche ungefähr dem Mai vor einem Jahr, mit insgesamt 1,1 Milliarden und dem November 2016, mit 1,3 Milliarden Dollar. Das ließe sich dann immerhin stabil heißen.

          Quelle: F.A.Z.

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