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Carlos Urroz im Gespräch Internationaler werden

Die 31. Arco findet vom 15. bis 19. Februar in Madrid statt. Der Direktor der spanischen Messe für zeitgenössische Kunst spricht über die aktuellen Herausforderungen für die traditionsreiche Schau.

© Ifema Vergrößern Er will mit der Arco das Kommerzielle mit Projekten verbinden: Carlos Urroz,

Herr Urroz, die Gerüchte, auf der Arco werde nicht verkauft, sind grundlos?

Ja, und in Anbetracht der Wirtschafts- und Finanzkrise haben manche Galerien im vergangenen Jahr sogar ausgesprochen gute Geschäfte gemacht. Gerade die deutschen Galerien waren sehr zufrieden. Viele Sammler haben gekauft.

Um die geschrumpften Budgets der Institutionen und Museen aufzufangen, die traditionell auf der Arco kaufen?

Die Sammler sind sehr wichtig. Die Messe kann nicht davon abhängen, ob die Museen Geld haben oder nicht. Aber auch das Museum Reina Sofía hat 2011 mehr als 600 000 Euro ausgegeben. Das sind nicht mehr zwei Millionen wie früher, aber angesichts der Lage hervorragend. Auf der einen Seite stehen die Veranstalter und Galeristen: Sie wollen verkaufen. Auf der anderen Seite wird der Arco vorgeworfen, nicht kunst-, sondern kommerzorientiert zu sein. Machen wir uns nichts vor: Die Arco ist eine Messe, dort wird mit Kunst gehandelt.

Warum diese Verwirrung der Konzepte?

Als die Arco Anfang der achtziger Jahre gegründet wurde, gab es in Spanien nichts - keine Museen zeitgenössischer Kunst, keine Festivals. Die Messe hat viele verschiedene Rollen übernommen, hat internationale Kunst nach Spanien geholt und spanische Kunst zugänglich gemacht. Heute hat Spanien ein großes Netz von Museen, Stiftungen, Festivals und Initiativen. Die Arco kann sich ihrer eigentlichen Funktion zuwenden: Marktplatz zu sein.

Muss die Arco dazu internationaler werden?

Das ist die große Herausforderung. Innerhalb Spaniens reißen sich die Galerien um die Teilnahme, das Interesse aus dem Ausland muss erarbeitet werden. Langfristig möchte ich, dass einige internationale Galerien, die früher dabei waren, wiederkommen. Und wir müssen das Kommerzielle mit Projekten verbinden, die Kuratoren und Museumsleute anlocken.

Die Versuche der Messegesellschaft, neben dem Auswahlkomitee über die teilnehmenden Galerien zu bestimmen, hat zum Rücktritt Ihrer Vorgängerin Lourdes Fernández und zum Eklat geführt. Ist die Zukunft gesichert?

Ja, es gibt neue Normen, die ganz klar bestimmen, dass das Komitee aus nationalen und internationalen Galeristen nach einem Punktesystem über die Teilnehmer entscheidet. Und es wurde ein Schiedskomitee eingerichtet, das abgelehnte Galerien anrufen können.

Gibt es Änderungen am Konzept der Messe?

Am Konzept als internationale Messe nicht. Die Kunst Lateinamerikas ist uns wichtig, für sie kommen Museumsdirektoren und Kuratoren, und wir laden weiterhin internationale Sammler ein. Sehr gut wurden die jungen Galerien aufgenommen, dieses Programm bauen wir aus. Und es bleibt bei zwei Hallen. Die Konzentration auf weniger - immerhin noch mehr als 200 - Galerien hat sich bewährt. Wir haben den Galerien vorgeschlagen, unter den ausgestellten Künstlern einen hervorzuheben. Dieser wird von der Messe speziell beworben.

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Sind die kleineren Messen ArtMadrid, JustMad, Flecha, die gleichzeitig stattfinden, Konkurrenz oder Bereicherung?

Eher eine perfekte Ergänzung, Bereicherung will ich das nicht nennen. Wir haben zwar einiges koordiniert, aber die Sammler kommen zur Arco. Die anderen Messen sind in dieser Hinsicht allein keine Anziehungspunkte.

Mit First Collector" bietet die Arco als erste Kunstmesse eine Beratung für angehende Sammler an. Wie wird das angenommen?

Das funktioniert gut. Es sind vor allem spanische Unternehmer, die bislang keine Kunst gekauft haben und an die Arco glauben, um sich zu orientieren.

Wie steht es um den künstlerischen Nachwuchs in Spanien?

Es gibt eine sehr kreative Szene von dreißig- bis vierzigjährigen spanischen Künstlern, die zum Teil in Spanien, zum Teil im Ausland arbeiten - viele in Berlin. Spätestens seit Ende der neunziger Jahre wurde in Spanien eine kulturelle Infrastruktur geschaffen: Museen, Kunstzentren, Stiftungen, Stipendien, Preise. Es stimmt, dass im Moment wenig Geld da ist, um diese Infrastruktur zu unterhalten, aber wenn es wirtschaftlich besser geht, ist die Basis da.

Und wie kann die spanische Szene im Ausland bekannter werden?

Ein Aspekt ist vielleicht die Ausbildung der Künstler. Nicht die Kreativität, die ist immens, aber sie müssen lernen, ihre Arbeiten besser zu vermitteln. Und wesentlich sind die Kontakte mit internationalen Kuratoren.

Die Fragen stellte Clementine Kügler.

Quelle: F.A.Z.

 
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