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Capote-Memorabilia Fiktive Wahrheit

 ·  Mit „Kaltblütig“ stellte sich Truman Capote zwischen Dichtung und Wahrheit. Jetzt kursierten Ermittlungsakten des realen Mordfalls und Briefe des Autors in einer Onlineauktion.

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Der Titel von „In Cold Blood“ (Kaltblütig), Truman Capotes 1965 veröffentlichtem Buch über die Ermordung einer Familie in Kansas am 15. November 1959, bezieht sich naturgemäß auf die Mörder. Richard Hickock und Perry Smith, die auf Bewährung entlassenen Sträflinge, brachen in das Haus des wohlhabenden Farmers Herbert Clutter ein, weil sie von einem Safe gehört hatten. Sie trafen Clutter, dessen Frau und die beiden jüngeren Kinder an. Als sie feststellten, dass es keinen Safe gab, trennten sie die Familienmitglieder voneinander, sie fesselten sie und brachten einen nach dem anderen um.

Capote rief mit seinem nach der Hinrichtung der Mörder im „New Yorker“ vorabgedruckten Bericht eine neue Gattung aus, den wahren, auf Tatsachen gestützten Roman. Seit Erscheinen des Buchs, von dem im englischen Original mehr als fünf Millionen Exemplare verkauft wurden, wird über die Techniken der Mimikry gestritten, durch die sich der Besucher aus New York das Vertrauen sowohl der Täter als auch der Polizisten und Mitbürger der Opfer aneignete. Mehrfach war dieses Problem selbst Gegenstand mehr oder weniger tatsachengetreuer Erzählungen. Durch Capote ist der Mord an den Clutters - der motivlose Massenmord war gar nichts Seltenes - zum Mythos geworden.

Auf vier Stücke reduziert

Der Sohn von Harold Nye, einem der damaligen Ermittler des Kansas Bureau of Investigation, bietet jetzt über das Online-Auktionshaus „Vintage Memorabilia“ in Seattle Papiere aus dem Nachlass seines Vaters an. Darunter auch Nyes Ermittlungsakten: Hunderte von Seiten mit stenographischen Fahndungsnotizen und Vernehmungsprotokollen sowie gruselige Anlagen, Abzüge der Tatortfotografien. Die beiden älteren Töchter von Herbert und Bonnie Clutter leben noch. Sie haben damals wissen lassen, dass sie Capotes Buch für einen „Sensationsroman“ halten - und seitdem geschwiegen. Jetzt baten sie einen Vetter, der Anwalt ist, den Verkauf der Leichenfotos zu verhindern. Der Justizminister von Kansas beansprucht die Akten als Staatseigentum.

Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, hat das Auktionshaus die Fotos herausgegeben, aber nicht das Schriftgut. In der am 30. September endenden Auktion sind nun nur vier Stücke aus unbezweifelbarem Privatbesitz verblieben: zwei Widmungsexemplare von Büchern Capotes und zwei Briefe Capotes an Nye. Die Erstausgabe von „In Cold Blood“ ist auch von dreizehn anderen Personen signiert, darunter Kollegen Nyes und Mitwirkende an der Verfilmung von 1967.

Die Cleverness des Mr. Nye

Richard Brooks, der Regisseur, schrieb: „Nun, Harold, es mag nicht das wirkliche Leben sein, aber es ist der beste Teil davon.“ Nicht erkannt hat man bei Vintage Memorabilia, dass zwei auf den 23. Juni 1997 datierte Widmungen von Mitwirkenden an einem Fernsehfilm aus der Serie „American Justice“ stammen. Ein Eintrag lautet: „Ob Capote seine Tatsachen auf der Reihe hatte oder nicht - ohne Zweifel ist es ein Stück Geschichte, ein Stück Americana.“ Das Mindestgebot liegt bei 5000 Dollar.

2006 wurde Capotes persönliches Exemplar des Buchs für 7000 Dollar versteigert. Seine Briefe an Nye vom 28. Mai und 5.Juli 1962, die jetzt versteigert werden, dokumentieren sowohl die Genauigkeit von Capotes Recherchen als auch dessen Kunst des Einschmeichelns.

Den Empfänger des Briefs habe er gut getroffen, schreibt Capote über seine eigene Darstellung, da sein Redakteur ihn schon gefragt habe, ob er diesen Mr. Nye nicht ein bisschen zu clever mache: „Nein, Nye war wirklich clever.“ Gegenüber George Plimpton, der eine Capote-Biographie aus Zeugenaussagen collagierte, gab Nye später zu Protokoll: „Als junger Polizist nahm ich Anstoß daran, dass er nicht die Wahrheit schrieb. Ich hatte geglaubt, dass das Buch eine Tatsachendarstellung werden sollte, aber es war ein Werk der Fiktion.“

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Jahrgang 1967, Feuilletonkorrespondent in New York.

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