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Bücher Von Lust und Lastern

 ·  An drei Tagen bietet Zisska & Schauer in München Bücher an - von astronomischen Grundlagen bis zu irdischen Frivolitäten aus der Sammlung von Karl Ludwig Leonhardt.

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Exzellent aufgestellt geht Zisska & Schauer in die Auktion wertvoller Bücher, Handschriften und Graphik, die vom 9. bis 11. Mai in München mehr als viertausend Lose neu verteilen wird. Bemerkenswert breit ist das Spektrum von einer naturwissenschaftlichen Abteilung mit seltenen Erstausgaben, die vor allem die Herzen astronomisch Interessierter höher schlagen lassen dürfte, bis zu einer umfangreichen Privatsammlung an Erotika oder auch einer vielfältigen Reineke-Fuchs-Sammlung, um nur die größten Kapitel zu nennen.

Die Grundlage des modernen Weltbildes, „De Revolutionibus orbium coelestium“, verfasst von Kopernikus und erstmals 1543 in Nürnberg gedruckt, geht für 150.000 Euro an den Start, gefolgt von der zweiten und dritten Ausgabe dieser der heliozentrischen Wahrheit bahnbrechenden Studie für 60.000 und 15.000 Euro. Keplers Hauptwerk, die „Astronomia nova . . .“ gilt als Ausgangspunkt der modernen Sternenkunde; ihren ersten Druck in Heidelberg 1609 finanzierte Kaiser Rudolph II., und der Schätzwert lautet jetzt auf 150.000 Euro.

Sogar 200.000 Euro soll Galileis hochbedeutender, erstmals mit Hilfe des Teleskops erarbeiteter Beitrag bringen; der „Sidereus nuncius magna. . .“, zu Deutsch „Sternenbote“, erschien 1610 in Venedig. Ebenso hoch im Preis liegt Galileis Erstveröffentlichung „Le operazioni del compasso geometrico, et militare“, erschienen in nur sechzig Exemplaren als Gabe für die Käufer des Kompasses. Mathematische und physikalische Fundamente, gelegt von William Gilbert, Pierre de Fermat, Marin Mersenne, Isaac Newton, Evangelista Torricelli oder François Viète und fast sämtlich in Erstausgaben verfügbar, ergänzen das Bild eines herausragenden Angebots.

Die meisten der erwähnten Schätze sowie viele über fast das gesamte Angebot verteilte Raritäten des 16. bis 18. Jahrhunderts stammen nach Auskunft des Hauses aus einer Schweizer Sammlung, eingeliefert von deren Erbin. Stutzig machen allerdings Hinweise auf in fast jedem Band entfernte Exlibris, rasierte, ausgestrichene oder tektierte Besitzervermerke sowie der altersmüde Zustand dieses offenkundig vernachlässigten oder vergessenen bibliophilen Horts, der übrigens fast ausnahmslos Texte in lateinischer und italienischer Sprache umfasst.

Frivoles, Pornographisches, künstlerisch Wertvolles, Sadistisches, oft auch Komisches mischt sich in der ausschweifenden Erotika-Sammlung von Karl Ludwig Leonhardt (1922 bis 2007). Die Einleitung des nicht jugendfreien Sonderkatalogs, er muss separat bezogen werden, erinnert an Leonhardts Tätigkeit beim Bertelsmann Verlag, dem er den Lesering aufbaute, und beschreibt ein übersetzendes, verlegerisches und schreibendes Multitalent. In Leonhardts umfassender Bibliothek nahm erotische Literatur breiten Raum ein.

Bereits 2009 ging der französischsprachige Teil der Sammlung bei Pierre Bergé in Paris über die Auktionsbühne - ausgenommen die besonders wertvolle Gruppe von Klassikern vom Marquis de Sade. Mit ihr trumpft nun die Partie auf: „Justine“ in der Erstausgabe von 1791 führt die Lust-und-Laster-Literatur mit einer Taxe von 40.000 Euro an. Zwischen geballten Obszönitäten wie verirrt wirkt da die lavierte Tuschezeichnung eines liegenden Akts von George Grosz für geschätzte 2000 Euro.

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