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Bücher und Graphik : Von der Erzeugung des Menschen

  • -Aktualisiert am

Er nannte sich „Heinrich Kinderlieb“. Doch Hoffmanns „Struwwelpeter“ finden sogar Erwachsene gruselig. Eine besondere Ausgabe bietet die Vorschau auf die Auktion bei Zisska & Schauer in München.

          Ein Highlight der Handschriftenabteilung in Zisska& Schauers Auktion vom 7. bis zum 9.November setzt eine der Stadt Freiburg dedizierte Chronik des Hauses Zähringen mit vielen prächtigen Herrscherporträts und Wappenmalereien. Nach der heute im Freiburger Stadtarchiv bewahrten Urschrift des selbsternannten „Württembergischen Historicus“ David Wolleber bestellten Adel und Patriziat Abschriften als Geschenk oder für die eigene Bibliothek.

          Das vorliegende frühe, um 1625/30 hergestellte Exemplar zeichnet die hohe Qualität von Schrift und Bild aus. Bereits der Erfolg der Urschrift beruhte auf guten Illustrationen und aufwendiger Ausstattung, denn Wolleber, ein Winkeladvokat, der seine kargen Einkünfte aufbesserte, indem er Herrschaften schmeichlerische Chroniken widmete, zog zwecks bester Wirkung gute Künstler hinzu (Taxe 30.000 Euro).

          Von Jungfrauen und Insekten

          Jüngeren Datums, nämlich von 1853, ist das Album der bayerisch-pfälzischen Beamtenfamilie der Edlen von Stichaner, das etliche gezeichnete Porträts und Ansichten aus Familienbesitz und von Familienmitgliedern enthält und dazu noch den Albuminabzug einer bereits 1852 auf dem Münchner Marienplatz aufgenommenen Fotografie (2000). Aus Melker Privatbesitz soll ein Album mit 130Deckfarbenbildern exotischer Vögel stammen, die laut Anmerkungen nach Präparaten entstanden: „im Juli 1834 in Island geschossen“, „ ... aus St. Petersburg 1835 erhalten“, was auf Zusammenhänge mit der bedeutenden, ornithologischen Sammlung hinweisen könnte, über die das Benediktinerstift Melk im 19.Jahrhundert verfügte (2000).

          Die einzige Rostocker Offizin des 15.Jahrhunderts druckte die „Sermones super Cantica canticorum“ des Bernhard von Clairvaux, die, versehen mit rot eingemalten Initialen, als Seltenheit bei 18.000 Euro liegen.

          Eine andere wertvolle Inkunabel steht mit Ptolemäus’ „Quadripartitum“ zur Verfügung; Hieronymus Salius gab diese erstmals um elf Traktate erweitere Ausgabe der „Bibel der Astrologie“ 1493 in Venedig heraus (15.000). Weit weniger verfänglich als Venettes von Zeitgenossen als obszön eingestuftes Werk „Von der Erzeugung des Menschen“, erschienen 1698 und mit Ratschlägen über Merkzeichen der Jungfernschaft oder die optimale Anzahl der nächtlichen Beiwohnungen gerüstet (150), befasst sich, „classisch und unentbehrlich“, Rösel von Rosenhofs „Insecten Belustigung“ mit der Welt der Sechsbeiner (6000).

          Zeugnis einer Reise ins Ungewisse

          Die einzige Ausgabe von J. Hübners „Sammlung auserlesener Vögel und Schmetterlinge...“ von 1793 mit vielen altkolorierten Kupfern tritt für 8000 Euro an. Er nannte sich zunächst „Heinrich Kinderlieb“, der junge Frankfurter Arzt, der die „Lustigen Geschichten und drolligen Bilder“ kreierte, die später als „Struwwelpeter“ ein Kinderbuch-Bestseller werden sollten. Die erste Auflage von Heinrich Hoffmanns Kinderbuch war in vier Wochen ausverkauft. Schnell wurde nachgedruckt, dabei noch die Geschichten vom „Zappel-Philipp“ und die von der Zündlerin Paulinchen zugefügt; höchstwahrscheinlich aus der zweiten Auflage stammt das vorliegende Exemplar, seinen Wert schätzt man auf 400.00 Euro.

          „Ukraina“, ein aus zum Teil sehr alten Karten kompilierter Atlas, lässt die Entwicklung der kartographischen Darstellung der Ukraine bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nachvollziehen (20.000). Aus der Zeit, als Weltumsegelungen noch Reisen in die Ungewissheit darstellten, stammen Commelins „Begin ende voortgangh, van de vereenighde Nederlantsche geoctroyeerde Oost-Indische Compagnie...“; als Exemplar der dritten Auflage aus dem Jahr 1646 könnten diese Beschreibungen von Touren aus dem Dunstkreis der Niederländischen Ostindien-Kompanie 50000 Euro einspielen.

          Quelle: F.A.Z.

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