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Bücher und Autographen : Mit dem Bücherrücken zur Wand

Heute bei uns zuhause: Das Auktionshaus Bassenge in Berlin startet in den Frühling mit Büchern, Plakaten und Autographen.

          Die Marotte eines Vorbesitzers dürfte Liebhaber alter Drucke erfreuen, wenn vom 18. bis zum 21. April bei Bassenge in Berlin drei Kuriosa aus der Bibliothek des Odorico Pillone zum Ausruf gelangen. Der 1503 geborene venezianische Büchernarr beauftragte den Kupferstecher Cesare Vecellio, einen Verwandten des großen Tizian, mit der technisch komplizierten Bemalung von Schnittkanten der Kodizes, die nur zu erblicken waren, wenn das Buch seinen Rücken der Wand zukehrte: Das „Fore-Edge Painting“ genannte Verfahren frappiert bei einer Sammlung antiker Sprichworte und Redensarten, die Erasmus von Rotterdam zusammengetragen und 1546 in Basel veröffentlicht hatte; das Exemplar mit dem Humanisten in seiner Schreibstube kostet 90.000 Euro. Je 70.000 Euro sollen Agostino Nifos „Metaphysik“, Neapel 1511, und Herbersteins Bericht über eine kulturgeschichtliche Russlandreise, Venedig 1550, einspielen.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Unter den wertvollen Büchern späterer Epochen ragen Pierre Joseph Redoutés „Les Roses“ in der zweiten Auflage hervor (Taxe 12.000 Euro). Wilhelm Röntgens Mitteilungen zur Entdeckung einer „Neuen Art von Strahlen“, die ihm 1901 den Nobelpreis für Physik eintrugen, sind bei 4000 Euro angesetzt. Umfassende Erkenntnisse über die Funktionen der Organe des menschlichen Körpers vermittelt, reich illustriert, das achtbändige anatomische Lehrbuch von Jean Marc Bourgery (6000). Der Bibliothek des Herzogs von La Rochefoucauld entstammt eine Auflistung sinnvoller und nutzloser Erfindungen, die der Französischen Akademie zwischen 1666 und 1754 zur Begutachtung vorgelegt wurden, unter ihnen das erste Modell einer Rechenmaschine (9000).

          Im Schatten der großen Namen des Jugendstils schuf der Buchgestalter Emil Rudolf Weiß, Ehemann der Bildhauerin Renée Sintenis, ein bisher allzu wenig beachtetes Lebenswerk, das bei Bassenge über einen Sonderkatalog greifbar wird. Die eher niedrigen Schätzpreise könnten öffentliche Institutionen mit einschlägigem Sammelinteresse zur kompletten Übernahme des Materials anregen, während dem malerischen Werk der Weg in den Kunstmarkt freistünde. Bei den Autographen fesselt im Jubiläumsjahr 2012, das den 300. Geburtstag Friedrichs des Großen in Berlin und Potsdam mit neun Ausstellungen feiert, ein eigenhändiger Brief, den der Monarch am 26. Februar 1740 dem italienischen Schriftsteller und Philosophen Francesco Algarotti zukommen ließ. Mit einem beigeschlossenen Gedicht dankt der Kronprinz dem Gast für den Besuch des Rheinsberger Musenhofs. Vergilbt und voller Wasserflecken, sollte das Schriftstück für 8000 Euro den passenden Bieter finden.

          Von der Kafka-Forschung bisher unberücksichtigt blieb ein verschollen geglaubter Brief, in dem der Autor der „Verwandlung“ seinen Kollegen Robert Musil bittet, sich für einen Abdruck in der „Neuen Rundschau“ einzusetzen: „Machen Sie mit der Geschichte, was Sie wollen und was Ihnen nicht Mühe bereitet - es wird das Richtige sein.“ Kafkas schüchtern vorgebrachte Petition aus dem Jahr 1914 wird für 20.000 Euro angeboten. Einen ganzen Aktenordner füllen Hans Falladas „Heute bei uns zuhaus“ überschriebenen autobiographischen Notizen (28.000), und ein für 2000 Euro abrufbares Albumblatt von Albert Einstein moralisiert: „Tiefe des Denkens gedeiht nicht neben Geschäftigkeit.

          Deshalb ist das Leben in der Großstadt nichts für Forscher und Studenten.“ Annähernd dreihundert Plakate aus der Zeit von 1880 bis 1980 belegen den Wandel in der Werbung für Schiffsreisen, Theaterkarten, Haushaltsbedarf und Konsumgüter. Genügt heutzutage die lapidare Frage „Campari - was sonst?“, so war der italienische Designer Leonetto Capiello 1921 noch auf den Beistand eines tanzenden Bajazzos angewiesen, der, im Ornament einer Orangenschale gefangen, den Bitterlikör anpreist. Die amüsante Einladung zum Genuss eines Aperitifs soll den Plakatsammler inzwischen satte 4000 Euro kosten.

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