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Bücher : Unchristliche Narrheit

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Luther wettert gegen die geistliche Konkurrenz, und James Cook schildert seine Pazifikreisen: die Vorschau auf die Buchauktion bei Hartung & Hartung in München.

          Bei Hartung & Hartung in München beginnt am 5. November die dreitägige Herbstauktion. Erstmals muss das Haus dabei ohne seinen Seniorchef Karl Hartung auskommen, der am 26. Oktober verstorben ist. Unter den handgeschriebenen Büchern sticht ein wohl in Paris um 1420/30 angelegtes lateinisches Stundenbuch mit feinen gotischen Miniaturen ins Auge (Taxe 20.000 Euro), und es entzückt das „Deutsche Kinderbuch“, verfasst von Mathilde Wesendonck, der Geliebten Richard Wagners. Der Band enthält die jugendstilbeflügelten Original-Aquarelle von Agnes Gude-Scholz für die dritte, um 1889 erschienene Ausgabe (2000).

          Ein Prachtexemplar bieten die Inkunabeln mit der 1477 in Augsburg gedruckten siebten deutschen Bibel; mit 77 Holzschnitten und einem blütenweiß erhaltenen Buchblock im hellen schweinsledernen Klostereinband von 1739 lässt sie 90000 Euro erwarten. Luther wollte die „unchristliche Narrheit“ herkömmlicher Gebetbücher mit seinem „bett buchlin“ beseitigen, das in äußerst seltener Erstausgabe von 1522 vorliegt (5600).

          Die Naturwissenschaften glänzen mit Tycho Brahes „Astronomiae instauratae progynasmata“: Nicht mehr als sieben Exemplare der zweiten, 1603 in Uranienborg und Prag erschienenen Auflage dieser „Übungen zur Erneuerung der Astronomie“ sind weltweit bekannt. Dass der Band außerdem zeitgenössische, vielleicht aus dem Umfeld Johannes Kepplers stammende Anmerkungen enthält, eine edle Provenienz hat und einst durch Zufall einem Brand entging, trägt zu seiner Kostbarkeit bei (80.000). Ein Zehntel dieses Wertes misst man Buffons monumentaler, mit zahlreichen Kupferstichen illustrierter „Histoire naturelle...“ in rarem, annähernd komplettem Zustand zu.

          Die Reiseabteilung überragt James Cooks komplette Folge der offiziellen Beschreibungen seiner drei Pazifik-Reisen in acht Text- und zwei Tafelbänden, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Welt Australien und Ozeanien ausführlich schilderten (40.000). Heimatkundlicher wird es mit Christoph Weigels Ständebuch von 1698, gewidmet den Regensburger Handwerkern. Es ging in hohe Auflage, bis die Kupferplatten gänzlich abgenutzt waren. Das vorliegende Exemplar entstammt aber der Erstauflage und wurde im Jahr 1916 als großzügiges Geschenk von Walter Rathenau dem Romancier Emil Strauß zum fünfzigsten Geburtstag überreicht (10.000). Teile einer Sammlung antiker Autoren sowie englischer und romanischer Novellistik des 16. bis 18. Jahrhunderts, zum Teil in deutschen Übersetzungen, runden das literarische Angebot ab.

          Quelle: F.A.Z.

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