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Bücher in Hamburg Das Original der Odyssee

 ·  Von der fröhlichen Wissenschaft und träumenden Knaben: Ein Blick auf das Angebot mit Büchern bei Christian Hesse, Ketterer und Hauswedell & Nolte in Hamburg.

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© Christian Hesse Auktionen Erich Heckel, „Frauen am Meer“ von 1919, Gouache und Aquarell über Bleistift, 58 mal 43 cm, bei Christian Hesse (Taxe 35.000 Euro)

Den Hamburger Bücherdreisprung dieses Frühjahrs beginnt wieder das jüngste Haus am Platz, Christian Hesse, am 19. Mai. Den Auftakt bildet die Abteilung Moderne Kunst mit mittlerweile 83 Objekten. Eine bemerkenswerte Provenienz begleitet Erich Heckels schöne Gouache „Frauen am Meer“ von 1919. Um 1931 erwarb Friedrich Schreiber-Weigand, der erste Direktor der Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz, das Blatt. Einige Jahre später aber verloren die Sammlungen wichtige Werke bei den Beschlagnahmungen von „Entarteter Kunst“. Die private Kollektion des Direktors blieb jedoch verborgen, und so galt das Blatt bis heute als verschollen. Jetzt soll es 35.000 Euro kosten. Ein wichtiges Werk ist Walter Dexels 37 mal 28 Zentimeter großes Hinterglasbild von 1922, signiert, datiert und im Originalrahmen, für das 25.000 Euro notiert sind.

Für 18.000 Euro kommt Max Ernsts in nur dreißig Exemplaren veröffentlichte Gedicht- und Farbradierungssammlung „Das Schnabelpaar“ zum Aufruf. Bei den Büchern darf man auf das Ergebnis der auf 4500 Euro geschätzten deutschen Erstausgabe von Homers „Odyssee“ gespannt sein: Im Handel konnte bislang kein weiteres Exemplar dieser 1537/38 in Augsburg gedruckten Ausgabe nachgewiesen werden.

Der gleiche Schätzpreis gilt für die im selben Jahr 1538 gedruckte Lutherbibel mit den Holzschnitten Lucas Cranachs. Von der sehr seltenen Erstausgabe von Nietzsches „Die fröhliche Wissenschaft“, 1882 in Chemnitz gedruckt, existierten bereits zu Nietzsches Zeiten in dieser Form nicht mehr als 212 Exemplare: Das jetzt angebotene stammt aus der Sammlung des Krupp-Direktors und Nietzsche-Unterstützers Max Dreger und ist auf 7000 Euro geschätzt. In einem besonders schönen, innerlich vollkommen unberührten Exemplar liegen Kokoschkas „Träumende Knaben“ von 1917 vor (Taxe 12.000 Euro).

Ein aktualisiertes Studenbuch

Mit gleich drei Katalogen geht das Haus Ketterer in seine zweitägige Auktion am 21. und 22. Mai; einer davon ist einem einzigen Werk gewidmet: dem De-Gros-Carondelet-Stundenbuch, einem lateinischen Stundenbuch für den Gebrauch in Rom, das auf 348 sehr feinen Pergamentblättern knapp dreißig zumeist blattgroße, feinste Illuminationen verschiedener Meister enthält. Entstanden ist das Werk in Flandern um 1480 und in Burgund um 1495/1500, gebunden ist es in einen zeitgenössischen flämischen Kalbslederband über Holzdeckeln. Ursprünglich um 1480 für den burgundischen Sekretär Jean III. de Gros entworfen, ging es nach dessen Tod 1484 in den Besitz des burgundischen Kanzlers JeanI. de Carondelet über, der die Miniaturen und Bordüren von einem französischen Künstler vollständig „modernisieren“ ließ. Dieses einzigartige und historisch hochbedeutende Werk ist denn auch auf 250.000 Euro geschätzt.

Etwas mehr als hundert Jahre jünger ist die Erstausgabe der populären holländischen Reisebeschreibung des J. H. van Linschoten über die Seereise nach Ostindien, hier in einem schönen altkolorierten Exemplar, mit sechs Faltkarten und 36 Kupfertafeln. Das Buch wurde seinerzeit allen gen Indien fahrenden Schiffen als Logbuch mitgegeben - nun ist es auf 100.000 Euro geschätzt. Einer der seltenen Vorabdrucke des immer noch populären Blumenwerks „Hortus Eystettensis“ von 1712, mit 367 Kupfertafeln in einem vollständigen Exemplar, soll 120.000 Euro einspielen. In der Malerei-Abteilung wird die traditionell bestens besetzte Marinemalerei auf Interesse treffen, ebenso bei den norddeutschen Künstlern die dramatisch bewölkte „Ostholsteinische Landschaft mit Wanderern“ von Louis Gurlitt (5000) und zwei charakteristische Ahrenshooper Landschaften von Paul Müller-Kaempff (4000 und 4500).

Acht Bände nur für Kamelien

Hauswedell & Noltes zweitägige Buchauktion beginnt am 24. Mai mit der bestens besetzten Abteilung der Pressendrucke und bibliophilen Ausgaben des 20. Jahrhunderts, aus der besonders der Handpressendruck von Vergilius Malos „Eclogen“, Leipzig 1926, herausragt: Die numerierte Vorzugsausgabe auf „Seide-Papier“ wurde von Otto Dorfner in rotes Maroquin gebunden und enthält zusätzlich eine im Druckvermerk nicht erwähnte Extrasuite der Holzschnitte in Rot (20.000). Im Jahr 1868 schuf Picasso in nur wenigen Monaten 66 Radierungen für Fernando de Rojas „La Célestine“, 1971 erschienen und somit eines der letzten Bücher, das noch von Picasso signiert wurde (40.000).

Unter den naturwissenschaftlichen Werken findet sich das rare Kräuterbuch „Botanica in originali pharmacevtica“ von Kniphof in der zweiten Ausgabe mit 215 kolorierten Naturselbstdrucken (10.000). Die Erstausgabe von Verschaffelts Monographie über Kamelien mit weit mehr als 600 nuancenreichen Farblithographien in acht Bänden, 1848 bis 1860, ist auf 25.000 Euro geschätzt.

Zeitgenössische Waffen wie Arkebusen, Musketen und Piken finden sich in reicher Zahl im prächtig illustrierten „Maniement d’Armes“ von Jacob de Gheyn in der französischen Ausgabe von 1608, taxiert auf 10.000 Euro. Unter den Autographen gibt es einen Brief Nietzsches an seine Großmutter Wilhelmine Oehlen, geschrieben 1869 vor seiner Abreise nach Basel, wo er seinem Ruf als außerordentlicher Professor der klassischen Philologie folgte (8000), und auch Hermann Hesses Abschrift von sechs seiner „Zwölf Gedichte“ mit sechs Aquarellen, gewidmet seiner Schwester Marulla (6000).

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