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Drei Auktionstage in Hamburg : Alles fürs Buch

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Die Auktionshäuser Ketterer und Hauswedell & Nolte veranstalten in Hamburg einen wahren Buchmarathon: An drei Tagen werden die unterschiedlichsten Manuskripte und bibliophilen Kostbarkeiten aufgerufen.

          Von so etwas träumt man beim Durchforsten eines Nachlasses: In einem alten Lederkoffer entdeckte die Enkelin des norddeutschen Studiendirektors Walter Schadow und seiner Frau Nora persönliche Briefe Hermann Hesses an ihre Großeltern, darunter Gedichte mit aquarellierten Zeichnungen. Mit diesem marktfrischen Schmankerl startet am 18. Mai Ketterer in den Hamburger Buchmarathon. Zum Beispiel werden für das eigenhändige Manuskript des Märchens „Piktor’s Verwandlungen“, das 1934 in Montagnola entstand und mit vierzehn aquarellierten Federzeichnungen illustriert ist, 15.000 Euro erwartet. Der gesamte Fund wird in etwa zehn Konvoluten angeboten (Taxen von 300 bis 3000 Euro).

          Knapp 500 Jahre älter ist ein in seiner sehr guten Erhaltung extrem rares Manuskript eines lateinischen Missales, Mechelen um 1420, mit farbigen Randbordüren, Schmuckinitial und einer ganzseitigen blattgoldverzierten Miniatur der Kreuzigungsszene (50.000). Das erste ausschließlich den Rosen gewidmete botanische Werk, mit 86 prächtig kolorierten Kupfertafeln, stammt von Mary Lawrance, London 1786/99 (14.000). Die Erstausgabe der Beschreibung der „Reise in das Innere Nord-Americas“ von 1839 bis 1841 des Prinzen Maximilian zu Wied mit den Tafeln nach Zeichnungen von Carl Bodmer liegt in einem wohlerhaltenen Exemplar vor (75.000). Im aktuellen Tauwetter zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten kommt das gerade richtig: Ein Plakat aus Havanna von 1968 mit eigenhändiger Widmung Fidel Castros an einen Studenten (1200) und ein Porträtfoto von Che Guevara mit einer Widmung von ihm - „Hasta la victoria siempre!“ - (5000).

          Handgeschriebene Initialen und Widmungen

          Hauswedell & Nolte beginnt seine zweitägige Auktion am 19. und 20. Mai mit der Abteilung Pressendrucke und bibliophile Ausgaben des 20. und 21. Jahrhunderts: Ganz oben stehen Exemplare der Ashendene Press, die einer der Vorreiter der Reform der englischen Buchkunst um die vorletzte Jahrhundertwende war. Darunter ist eins der nur 25 Exemplare der Vorzugsausgabe von „Quintus Horatius Flaccus“, Chelsea 1903, mit handgeschriebenen Initialen (8000). Aus dem Nachlass von Sophie Lissitzky-Küppers kommen Fotografien und Briefe von El Lissitzky, darunter eine Zeichnung, Sophie und ihre beiden Söhne darstellend (8500). Melchior Lechter veröffentlichte 1911 sein „Tagebuch zur indischen Reise“ in 315 gedruckten Privatabzügen; einer davon ist ganzseitig und handschriftlich Dr. Friedrich Wolters gewidmet (12.000).

          Eine beachtliche Sammlung von 241 Büchern von und über Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Literatur, darunter etwa 140 mit Widmungen und etwa vierzig signierte Exemplare, trug Hanspeter Frey-Hänggi aus Liestal bei Basel zusammen. Dazu gehören unter anderen Bücher von Madelaine Albright oder Catherine Deneuve, Nelson Mandela oder Helmut Schmidt; die ganze Pracht soll 40.000 Euro kosten. Bei den Inkunabeln findet sich der prächtige Druck von Gregorius IX., „Decretales“, erschienen 1473 bei Peter Schöffler in Mainz; das ungewöhnlich große auf Pergament gedruckte Exemplar enthält fünf Miniaturen mit kleinen goldgehöhten Initialen und viele sorgfältig eingemalte Initialen in Rot und Blau (60.000). Weniger selten, dafür erheblich populärer ist der „Struwwelpeter“; die Erstausgabe von 1865 ist auf 20.000 Euro geschätzt.

          Quelle: F.A.Z.

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