http://www.faz.net/-gqz-8wov8

Galerie-Ausstellung : Botschaften aus der Serenissima

„Die Galerie“ in Frankfurt zeigt mit „Postcards from Venice“ eine Serie von zauberhaft farbigen Kartengrüßen, die aus Umschlägen ragen, vom englischen Künstler Joe Tilson.

          Joe Tilson sitzt mit seiner Frau Joslyn in der traditionsreichen Frankfurter Galerie von Peter Femfert, die schlicht „Die Galerie“ heißt. Dort hängen aktuelle Werke von ihm, „Postcards from Venice“ heißen sie und sind fast sämtlich in jüngerer Zeit ebendort entstanden. Der Geist der Stadt leuchtet aus ihnen – und auch Tilsons unverwechselbar typische Formen- und Bildsprache, zu der er früh gefunden hat.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Es ist ein hohes Vergnügen, Joe Tilson zuzuhören, wenn er aus seinem langen, erfüllten Leben erzählt. War er doch, geboren am 24. August 1928 in London, einer der Heroen des Brit Pop, der englischen Variante der Pop-Art. In den sechziger Jahren machte er damit Furore, gemeinsam mit Kollegen wie Peter Blake, den er in den Fünfzigern am Londoner Royal College of Art kennenlernte, oder auch dem frühen David Hockney; mit beiden verbindet ihn Freundschaft bis heute.

          Muster von alten Mosaiken auf Fußböden

          Nein, sagt Joe Tilson, ein movement sei der Brit Pop niemals gewesen; Sie waren eine Gruppe junger Künstler im Aufbruch, die ihre je eigenen Wege suchten. Sein Weg begann, als er von 1944 bis 1946 eine Lehre als Schreiner und Kunsttischler machte, um Geld verdienen zu können. Bis 1949 leistete er dann Dienst in der Royal Air Force. Flog mit Maschinen, die Rettungsboote an Fallschirmen abwarfen, um in Seenot Geratene zu bergen. Doch die Kunst lässt ihn nicht los, und er erinnert sich, wie er mit dem Buch „Modern Painters“ des viktorianischen Kunstkritikers John Ruskin in Händen die Werke von William Turner bewunderte.

          Gleich seine ersten Arbeiten, nach dem Studium der Malerei, trugen Früchte: Bereits 1962 holte ihn John Kasmin in die Marlborough Gallery in London zu einer Einzelausstellung, noch vor David Hockney. Als einziger Engländer nahm er an der Venedig-Biennale 1964 teil, jener „Pop-Art-Biennale“, wo er auf die Amerikaner Robert Rauschenberg, Jasper Johns und Jim Dine traf. Dass die anderen Briten, Blake oder Richard Hamilton, auch hätten dabei sein sollen, findet er noch immer. Seine Liebe zu Italien entdeckte Joe Tilson, nachdem er 1955 den Rompreis der Amerikanischen Akademie bekommen habe. Ein Jahr später heiratet er in Venedig die Bildhauerin Joslyn Morton, die er in Italien kennenlernte. Heute leben die beiden abwechselnd in London und im Süden. In ihrem Haus in Venedig hat Joe Tilson sein Atelier.

          Dort entstanden ebendiese zauberhaften postcards, die jetzt in Frankfurt zu bewundern sind, und die Serie „The Stones of Venice“. Die malerischen Botschaften haben kein postalisches Format, sie können bis zu 170 mal 120 Zentimeter messen, auf denen die Kartengrüße aus ihren Umschlägen ragen. Sie zeigen die Bauwerke und Kirchen der „Serenissima“, oft von Mustern umfangen, wie sie die alten Mosaike der Fußböden bilden.

          Joe Tilson malt seine Bilder mit klaren Pinselstrichen, in reinen, starken Farben. Dabei bleibt er seiner kunsthandwerklichen Fertigkeit treu, er montiert die Leinwände auf Holz, und er baut – das hat er schon in der Pop-Art-Ära getan – Setzkästen, in denen Fundstücke bewahrt sind, Scherben von Muranoglas vielleicht oder Muscheln. Immer wieder kehren in den Werken die Embleme Venedigs, die Dogana da Mar, der besternte Himmel von San Marco, der Markuslöwe mit seinem Buch oder der Campanile. Es sind luftige, hell gestimmte Arbeiten. Und doch sind sie so kraftvoll in ihrer Präsenz. (Bis zum 17. Juni. Der Katalog kostet 18 Euro. – Die Preise reichen von 420 Euro für Grafiken bis zu 69 000 Euro für die großen Arbeiten.)

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Der Löwe brüllt unter Polizeischutz Video-Seite öffnen

          Filmbiennale in Venedig : Der Löwe brüllt unter Polizeischutz

          In Venedig kommen Filmschaffende für die Internationalen Festspiele zusammen zum ältesten Filmfestival der Welt zusammen. Die Filmbiennale geht bereits in seine 74. Ausgabe, dem Gewinner winkt der Goldene Löwe. Für Touristen und Einwohner Venedigs war schon Tage vor Beginn des Festivals klar: hier wird aufgefahren, auch in Sicherheitsfragen. Bis zum Ende der Filmfestspiele am 9. September werden überall in der Lagunenstadt Polizisten und Soldaten zu sehen sein.

          Topmeldungen

          Da weiß man, was man hat: Der russischen Präsident Putin wird von Kanzlerin Merkel beim G20-Gipfel in Hamburg begrüßt.

          Bundestagswahl : Russland setzt auf Merkel

          In Moskau wird über die Bundestagswahl in viel milderem Ton gesprochen, als über die Präsidentenwahlen in Amerika und Frankreich. Man will Berlin schließlich wieder als Partner gewinnen.

          Streit ums Atomprogramm : Kim: Trump ist ein geistesgestörter Greis

          Kaum droht Donald Trump Nordkorea mit Zerstörung, zeigt Machthaber Kim Jong-un, dass er auch kräftig austeilen kann. Amerika werde „teuer bezahlen“. Sein Außenminister spricht vom Test einer Wasserstoffbombe auf dem Ozean.

          TV-Kritik: Schlussrunde : „Bleiben wir uns selbst treu“

          In der „Schlussrunde“ von ARD und ZDF fehlten die Kanzlerin und ihr Herausforderer. Sie verpassten damit eine gute Gelegenheit zum harten Schlagabtausch mit Alexander Gauland von der AfD.
          Wer ist der bessere Redner und wer hat mehr Führungsqualitäten? In fast allen Kategorien der Umfragen liegt die Kanzlerin vor ihrem Herausforderer.

          F.A.Z. Woche exklusiv : Die Wähler haben sich festgelegt

          Drei Viertel aller Wahlberechtigten haben sich laut einer Forsa-Studie entschieden, welche Partei sie am Sonntag wählen werden. Mit großen Überraschungen rechnen die Demoskopen nicht mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.