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Berliner Satellitenmessen Im Gefolge des Art Forum

26.09.2009 ·  Die Berliner Messe für moderne und zeitgenössische Kunst hat durchaus attraktive Begleiter: Was Liste, Preview und das Berliner Kunstforum zu bieten haben.

Von Lisa Zeitz, Berlin
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Die drei Satellitenmessen des Art Forum Berlin unterscheiden sich wohltuend voneinander: „Preview Berlin“ mit Skulpturen und Installationen im Flughafen Tempelhof, „Berliner Liste“ mit Kunst seit 1960 im Palais Tiergarten und „Berliner Kunstsalon“ im Humboldt-Umspannwerk mit dem Schwerpunkt Fotografie vorwiegend junger Berliner Künstler.

Die Preview Berlin mit dem Untertitel „The Emerging Art Fair“ nimmt zum ersten Mal die denkmalgeschützte Haupthalle des alten Flughafens Tempelhof ein. Hier präsentieren 47 Galerien aus dem In- und Ausland ganz ohne Kojen Skulpturen und Installationen, ein Konzept, das zuvor schon auf der Art Frankfurt und der letztjährigen Art Berlin Contemporary erprobt wurde. Auf den ersten Blick regiert wuseliges Durcheinander, doch sobald sich der Besucher vom Charme einzelner Werke einfangen lässt, hat die Kunst das Sagen.

Flatternde der Regalbretter

Die Düsseldorfer Galerie Anna Klinkhammer zeigt eine begehbare Installation von Andrea Lehmann, die an eine Geisterbahn erinnert und mit düsteren Interieurs und Porträts auf Seitenstränge der Wissenschaftsgeschichte verweist. Die weitläufige Installation kostet 320.000 Euro - „inklusive Aufbau“, sagt die Galeristin, „aber das dauert Tage“. Das Förderband in der Flughafenhalle läuft immer noch und ist auch in ein Kunstwerk eingebunden worden. Frederik Foert hat für die Berliner Galerie myvisit.to eine kinetische Skulptur geschaffen, die seine Serie „Gescheiterter Flugversuche“ fortsetzt.

Ein Einrad auf dem Förderband hält zwei lange Regalbretter in Bewegung, als wären es Fügel; Scheibenwischer, chinesische Lampions und Sonnenschirme vervollständigen das Werk (10.000 Euro). Daneben hat bei der Galerie Bernhard Bischoff und Partner aus Bern der Schweizer Künstler Dominik Stauch eine postminimalistische Interpretation des 20. Jahrhunderts „Waiting for the Blue Rider“ genannt. Zwei mit Pferdefellen drapierte Stützen tragen einen himmelblau lackierten, hohlen Balken, aus seinem Inneren tönt die Melodie von „Wild Horses“ (12.500 Euro).

Salonfähige Streetart

Sehr zivil geht es im Neubau des Palais Tiergarten am Reichpietschufer zu, wo die Berliner Liste knapp sechzig Galerien versammelt. Sie sind auf vier Stockwerke verteilt, um einen Lichthof angeordnet. Im Erdgeschoss präsentiert „art company Misoolsidae“ aus Seoul Leinwände der koreanischen Künstlerin Lee Keun-Woo, die in Deutschland lebt und die Berge ihrer Heimat vermisst. Deshalb benutzt sie das traditionelle koreanische, hochrechteckige Landschaftsformat für europäische Landschaften, mit einer Technik, die nach Tuschzeichnung aussieht, obwohl es sich um Ölfarbe handelt (600 bis 1200 Euro).

Nebenan gibt es bei der Galerie Springmann aus Freiburg salonfähige Streetart: eine Arbeit von Banksy mit rosa Herz und kopulierenden Panzerfahrzeugen für 140.000 Euro oder einen lebensgroßen Bettler von Blek le Rat (Auflage 12; 2450 Euro). Im Bereich Fotografie sticht die Photon Galerie aus Ljubljana hervor: Ihre Künstler wählen Motive, die mit dem Tod in Verbindung stehen: Kriegsbilder aus dem Fernsehen, die Bojan Salaj zu Diptychen zusammenfügt (5800 Euro), oder Aufnahmen toter und sterbender Tiere von Tomo Brejc (2500 Euro).

Ein Kasten verspricht Absolution

Die meisten Künstler des Berliner Kunstsalons stellen ohne Galerien aus, viele dürfen umsonst teilnehmen, erklärt der Organisator der Messe, Edmund Piper. Rund siebzig Aussteller verteilen sich auf 10.000 Quadratmeter des Industriedenkmals im Prenzlauer Berg. Eine Pfeilerhalle im Keller ist der Klasse von Frank Badur gewidmet, der seit 1985 an der Universität der Künste in Berlin lehrt. 18 seiner Schüler haben sich hier für die Ausstellung „Talpas Labyrinth“ zusammengetan. Badurs Abstraktionen haben zum Beispiel „Position“ alias Stefan Köhler inspiriert, der 92 Spanngurte um vier Pfeiler geschnürt hat. Die über Kreuz laufenden, farblich abgestuften Bänder ergeben ein Spiel aus Fluchtlinien und Überschneidungen, malerisch treffen sich die losen Enden in lockeren Schlingen. Jan Klopfleischs Installation „b2, yr“ moduliert Licht und Schatten mit horizontalen, farbigen Aluminiumstreifen.
Einige Etagen höher verspricht ein mit Jugendstilmotiven verzierter Kasten von Ole Kretschmann nichts Geringeres als Absolution. In der Mischung aus Beichtstuhl und Fotoautomat kann man sich für zwei Euro fotografieren lassen - kniend. Der Stempel auf dem Fotostreifen verspricht dann: „Von allen Sünden befreit“.

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