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Galerieausstellung : Des Königs Schätzchen

In der Berliner Galerie Thomas Fischer sind Arbeiten aus der Sammlung des Kunstmenschen Kasper König zu sehen: Eine Reise durch die Kunstgeschichte der letzten fünfzig Jahre.

          Er hat sich selbst nie als Sammler betrachtet. Aber im Lauf von einem halben Jahrhundert als international agierender Ausstellungsmacher und Kurator, als Professor und Museumsdirektor ist so manches an Kunst zu ihm gekommen. Einige Arbeiten hat Kasper (geborener Rudolf Hans) König gekauft; es würde ja kein Fehler sein, vermutet er selbst mit dem ihm eigenen gewitzten Lächeln, wenn ein unbekannter junger Künstler mal sagen konnte, von mir hat der König auch was. Die meisten Werke in seinem Besitz sind aber Geschenke, Gaben aus Dankbarkeit, Freundschaft und bleibender Verbundenheit. So kam ein staunenswertes Panoptikum von hohem verspielten Reiz zusammen, das kein Nebeneinander scheut – und das wie nebenbei die Kunstgeschichte der letzten fünfzig Jahre mitschreibt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          In der Berliner Galerie Thomas Fischer steht Kasper König und nimmt einen von der Decke an seiner Kette herabhängenden Granitfindling in die Arme. Das „Steinerne Herz“ sagt er fröhlich. Das Objekt aus dem Jahr 1968 stammt vom 1981 gestorbenen amerikanischen Künstler H.C. Westermann, dem nach hoffnungsvollen Anfängen der große Ruhm versagt blieb. Den ersten Raum der Galerie zieren auch noch eine große Wandarbeit von Michael Reiter mit aufgespannten Markisenstoffen, eine witzige Hommage an den humorfreien Streifen-Meister Daniel Buren, und gegenüber Stefan Müllers bunte Becken eines Schlagzeugs in Öl. Am Boden liegt ein geöffneter Koffer mit einem zersägten Besen: Den hat der Konzept-Guru Hans-Peter Feldmann dem Herrn König zugedacht, nun ja, seiner Fähigkeiten als Hausmann halber.

          Caspar David Friedrich schleicht sich zwischen die Zeitgenossen

          Der große zweite Raum ist ein echter Traum – in Petersburger Hängung. Wohin zuerst schauen? Dass es um insgesamt rund neunzig Arbeiten geht, hat der Galerist vorhin gesagt, der die Auswahl gemeinsam mit dem Kurator Andreas Prinzing besorgte. Kasper König hat nicht dreingeredet, aber er hat durchaus Lieblinge. Jonathan Borofsky ist darunter, von dem zum Beispiel der riesige unermüdliche „Working Man“ in Stahl vor dem Frankfurter Messeturm ist. „I dreamed I was leaving on a trip but I forgot my money“, erklärt 1973 eine von Borofskys Arbeiten an der Wand, die der Schau auch ihren Titel gab. Und da ist dann eine kleine Zeichnung Hannah Höchs von 1965, die sie König – „einfach, weil er so nett war“ – widmete; das berührt ihn bis heute. Dazwischen, man glaubt es kaum, taucht ein winziges Blatt von Caspar David Friedrich auf.

          Von Otto Freundlich bis Thomas Bayrle, von Joseph Beuys bis Rosemarie Trockel gibt es Zeugnisse in jener „kleinen Form“, die so oft den Nukleus der Œuvres hochkonzentriert speichert. Der weißgestrichene Schemel, der in der Ecke steht? Der ist von Maria Eichhorn; doch, die Tasche dürfte drauf abgestellt werden, die Künstlerin wäre dafür zu haben.

          Thomas Fischer, der Galerist, hat eingangs von einer „persönlichen Strategie“ des Nichtsammlers Kasper König gesprochen. Wie recht er hat, und wie gut das tut. Im dritten Raum steht dann eine schräge „Bar“, die Reinhard Mucha mit Jürgen Drescher 1981 zusammengebastelt hat, ein verrücktes Ameublement, hinter dem ein Bildschirm „Verkaufen“ verkündet. So ist das – und so muss es eben gar nicht sein (zumal dieses sehr spezielle Stück Kasper König gemeinsam mit dem Galeristen Max Hetzler gehört). Dort hängen noch rote Schabracken von der Decke, die Thomas Schütte erfand, über einem Holzobjekt von Marko Lehanka, das einen „Zigaretten“-Automat antäuscht, und neben der Heizung fühlt sich eine grüne Blattpflanze wohl; die ist aber von Tony Matelli. Die Kunst sprießt eben, wo sie will.

          Zuletzt hat Kasper König die „Skulpturprojekte Münster“ noch einmal zum Riesenerfolg des Kunstjahrs 2017 gemacht, die er 1976 miterfunden hatte, neben so vielen anderen Schauen, die seinen Eingebungen entsprangen. Eine Auslese von Früchten seines speziellen unorthodoxen Blicks ist in der Galerie ausgebreitet. Und dieser Blick eben ist das genaue Gegenteil von Arbitrarität oder blindem Zufall. Verkäuflich ist keiner von Königs Schätzen. Und für die Ausstellung zu preisen ist also auch der Galerist, der dabei mitmacht. (Bis zum 31. März.)

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