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Bassenge-Auktionen : Gelbe Felder, goldne Wälder

Bei Bassenge in Berlin werden zwischen dem 17. und 19. Oktober seltene und wertvolle Bücher versteigert. Von Goethe bis Wagner ist alles im Angebot: eine Vorschau.

          Als Highlight der Buchauktion bei Bassenge in Berlin, die zwischen dem 17. und 19. Oktober Gebote für 3500 Lose erhofft, glänzen vier auf 80 000 Euro taxierte Sammelbände mit Landkarten, die dem Reisenden in der Mitte des 18. Jahrhunderts Hinweise auch zu entferntesten Zielen erteilten. Herausgebracht hatte das Kompendium mit Beiträgen führender Kartographen die Amsterdamer Offizin Cóvenz und Mortier; aufgefunden wurde es in einer nicht näher bezeichneten Schlossbibliothek. Mit einer Taxe von 45 000 Euro versehen, macht Johann Wilhelm Weinmanns monumentales Pflanzenwerk, die „Phytanthoza-Iconographia“, Regensburg 1735 bis 1745, durch fast tausend Farbaquatinten mit der heimischen und exotischen Flora bekannt.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dem Besitz des polnischen Sammlers Jan Stanislaw Witkiewicz entstammt ein nostalgischer Rückblick auf „Das Romantische Ballett“: Vornehmlich in kolorierten Lithographien passieren Primaballerinen wie Fanny Elßler, Louise Fleury, Carlotta Grisi und Marie Taglioni in ihren Paraderollen Revue. Die Preise der Graphiken unter Glas liegen zwischen 140 und 800 Euro; allein der mit Ziegenleder gefütterte, rosafarbene Ballettschuh, auf dem Pepita de Oliva am Hoftheater in Madrid ihre Pirouetten drehte, soll mit 1200 Euro honoriert werden. Den Liebhaber von Pressendrucken bedienen 400 moderat taxierte Lose aus der Sammlung des Bibliographen Albert Spindler: Mehrfach vertreten sind die Berliner Handpresse, die Kölner Edition Fundamental, der Merlin-Verlag, die Methusalem-Presse und die Rixdorfer Drucke.

           

          Den Reaktionen bildender Künstler auf klassische und moderne Textvorlagen spürt eine Vielzahl illustrierter Bücher nach: Mit 17 000 Euro am höchsten bewertet sind Joan Mitchells Farbradierungen zu Gedichten von Charles Hine, abstrakte Kalligraphien, 1988 herausgebracht von der Limestone Press in San Francisco. 8000 Euro einspielen soll ein Exemplar der 1967 von Rizzoli in Mailand luxuriös eingekleideten „Dalí-Bibel“ mit 105 Reproduktionen nach Gouachen des Malers. Auf Originalzeichnungen des russischen Avantgardisten Jakob Tschernychow basieren die in Buchform verbreiteten „Architektonischen Fantasien“, eine 1933 in Leningrad erschienene Kostbarkeit, für die 12 000 Euro erwartet werden.

          Ebenfalls 12 000 Euro soll bei den Autographen Goethes Hymnus auf die Freimaurer-Embleme Zirkel, Blei und Winkelwaage bringen. Stilisierte Rosen umranken zwei Gedichte des von Stefan George zum „Maximin“ verklärten Münchner Gymnasiasten Maximilian Kronberger, der nur sechzehn Jahre alt wurde (Taxe 2400 Euro). Georg Trakls eigenhändige, monogrammierte Abschrift des Gedichts „Kleines Konzert“, das – mit 25 000 Euro beziffert – naturmystisch „gelbe Felder“ und „goldne Wälder“ heraufbeschwört, könnte zu einem Bietgefecht zwischen privaten und institutionellen Interessenten führen.

          Außerordentlich wirkungsvoll schmücken den Katalogumschlag die extrem dicht an dicht gerückten Zeilen eines Briefs, den Richard Wagner am 10. Juli 1849 seiner Stieftochter Natalie Planer sandte: Mit ihrer Hilfe hoffte der von seiner ersten Ehefrau Minna verlassene Komponist, die Gattin zurückzugewinnen, wobei er alle Register attraktiver Versprechungen zog. Falls Wagners Bitten auf taube Ohren stoßen sollten, wolle er der Kunst und „Allem, was mein Leben ausmacht“, adieu sagen: „Dann nehme ich meinen Wanderstab u. gehe in die weite Welt hinein, daß keiner mehr eine Spur von mir finden soll.“ Die Erwartung dafür liegt bei 5500 Euro.

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