05.11.2011 · Figuren der Göttin für Liebe und Schönheit und antike Masken werden auf der Basel Ancient Art Fair öfters angeboten - ein Rundgang.
Von Tilo Richter, BaselZum achten Mal lädt die Basel Ancient Art Fair in die Reithalle des Wenkenhofs in Riehen bei Basel. Für drei Tage stehen hier Kunstwerke der Klassischen Antike, Ägyptens und der frühen Hochkulturen Vorderasiens im Fokus. Neuerdings sind es achtzehn Kojen, also zwei mehr als im letzten Jahr, in denen die führenden Händler antiker Kunst ihre Preziosen zeigen. Sie kommen aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich, England und Amerika. Alle Aussteller sind Mitglieder der International Association of Dealers in Ancient Art (IADAA), die für die Echtheit und Provenienz der angebotenen Objekte bürgt. Jüngster Neuzugang ist David Ghezelbash, der seit 2008 in Paris tätig ist. Sein Augenmerk gilt kleinformatigen Kunstwerken, etwa einem nur drei Zentimeter kleinen, in Obsidian gearbeiteten Tierkopf, der um 1400 vor Christus wohl an der phönizischen Küste als Knauf eines Behältnisses oder Möbels verwendet wurde (bereits verkauft).
Gleich trifft man auf Figuren der Aphrodite, die das Publikum charmant für sich einnimmt. Der 81-jährige Dr. Jerome Eisenberg von den Royal-Athena Galleries New York und London ist einer der Gründerväter der Messe und ihr stiller Star. Gleich drei Aphroditen zeigt er in Konkurrenz nebeneinander, von denen jene aus dem zweitenJahrhundert vor Christus besonderen Reiz hat. Die Gottheit der Liebe und Schönheit bindet sich ihre Sandale, das Haar ist nach oben gesteckt und ihr Blick in die Ferne gerichtet. Stolz ist nicht nur die Haltung der Schönen, sondern auch ihr Preis: Für die knapp vierzig Zentimeter hohe Marmorskulptur sind 325.000Dollar veranschlagt. Charles Ede aus London hat zweifellos die schönste der Aphroditen im Angebot: Im ersten Jahrhundert in Marmor gehauen und 53 Zentimeter hoch war sie einst vermutlich der Schmuck eines Gartens oder Brunnens. Jetzt kann man die rundum Ideale für 550.000 Franken sein eigen nennen.
Neben Aphrodite gibt es noch eine andere Konstante auf der Messe: In mehreren Kojen kann man zeitlose Masken unterschiedlichen Ursprungs und Materials entdecken. Dr. Robert Bigler zeigt das Fragment einer hölzernen Totenmaske, die um 1320 vor Christus in Ägypten und damit in der Epoche Tutanchamuns geschnitzt wurde; dieses achtzehn Zentimeter hohe Kleinod bietet Bigler für 45.000 Franken an. Ausdrucksstark zeigt sich auch eine Gesichtsmaske aus militärischem Kontext, in Bronze gefertigt im ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus. Das wohl als Visier eines Kavalleriehelms benutzte metallene Antlitz fand man vor Jahrzehnten im holländischen Teil des Flusses Maas; Vincent Geerling von Archea Ancient Art in Amsterdam nennt nun 22.000 Euro als Preis für diese Trouvaille.
Rupert Wace aus London stellt einen 54 Zentimeter hohen späthellenistischen Athletentorso ins Zentrum seiner Präsentation. Das vollplastisch gearbeitete Marmorkunstwerk aus dem zweiten oder ersten Jahrhundert vor Christus avanciert mit angeschriebenen 600000Franken zu einem der teuersten Stücke der Verkaufsschau. Der einzige Lokalmatador ist der Basler Jean-David Cahn, der parallel zur Messe auch seine Auktion für antike Kunst abhält. In seiner Koje fällt ein in Marmor gearbeiteter Satyrkopf auf, der wohl zu einer Figur aus einem Dionysos-Gefolge gehörte. Die römische Kopie eines hellenistischen Originals entstand im ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus und soll nun für knapp 19.000 Franken einen neuen Besitzer finden.