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Autographen Viel Geld für einen Walzer

 ·  Höchstpersönlich kopierte Frédéric Chopin seinen Walzer Opus 70. Bei der Autographenauktion bei Stargardt in Berlin verfünffachte die Partitur ihre Schätzung.

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© Stargardt Frédéric Chopin, Musikmanuskript des Walzers opus 70 mit Widmung an „Madame Oury“, vom 10. Dezember 1842, 20 mal 25 cm, für 300.000 Euro (Taxe 60.000 Euro)

Einen gewaltigen Sprung von geschätzten 60.000 auf 300.000 Euro vollführte im Rahmen der Versteigerung von knapp 1200 Autographen bei Stargardt in Berlin Frédéric Chopins eigenhändige Abschrift der Partitur des Walzers in f-moll op. 70, Nr. 2., die ein ausländisches Institut erwarb. Das kostbare Musikmanuskript war schon einmal, am 4. März 1994, bei Stargardt für 35.000 Mark angeboten worden und für 56.000 Mark einem amerikanischen Sammler zugeschlagen, der das ebenfalls interessierte Warschauer Chopin-Institut zu übertrumpfen vermochte.

Zugeeignet hatte der Komponist den Walzer im Dezember 1842 der Pianistin Anna Caroline de Belleville-Oury, deren brillantes Klavierspiel er seit 1830 bewunderte. Der von vier Gegenbietern ins Gigantische getriebene Zuschlagpreis verwies zwei mit jeweils 120.000 Euro bezifferte Spitzenlose auf hintere Ränge: Wolfgang Amadeus Mozarts vollständige erste Trompetenstimme der Pariser Symphonie, die Stargardt am 13. März 1993 für 49.000 Mark (Taxe 40.000) verkauft hatte, wurde jetzt bei 170.000 Euro von einem französischen Sammler übernommen. Ein bisher unbekannter Brief, mit dem Ludwig van Beethoven dem nach Moskau entsandten Diplomaten Heinrich von Struve Grüße aus Wien übermittelte und Auskunft über seine Reisepläne erteilte, spielte 140.000 Euro ein.

Goethes Korrespondenz mit Heinrich Karl Eichstädt

Amerikanischer Handel erwarb für 30.000 Euro (16.000) Johannes Brahms’ musikalisches Albumblatt mit den Noten zu einem „Über die See“ betitelten Lied. Von 6000 auf 10.000 Euro kletterte Felix Mendelssohn Bartholdys „Jagdlied“ von 1837. Eine Rechnung für Reparaturen an der Orgel der Kirche St. Nikolaus in Straßburg, am 27. Dezember 1719 ausgestellt von Andreas Silbermann, gelangte bei 8000 Euro (3000) in Privatbesitz. Ein englischer Interessent bot 6000 Euro (1200) für vier in unterschiedlichen Farben gedruckte Eintrittskarten zur Bayreuther Uraufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

Mehr als zwanzig Losnummern beleuchteten die unterschiedlichen Funktionen des Weimarer Geheimen Rates Goethe als Lyriker, Dramatiker, Verleger und Besitzer einer Autographensammlung, deren gedrucktes Verzeichnis amerikanischem Handel die Anlage von 15.000 Euro (2000) wert war. Das Frankfurter Freie Deutsche Hochstift erwarb für 95.000 Euro (80.000) Goethes ausführliche Briefe an den Altphilologen Eichstädt, den Herausgeber der „Jenaer Allgemeinen Literaturzeitung“.

E.T.A. Hoffmann am Bett seines Weinhändlers

Von 20.000 auf 90.000 Euro verbesserte sich Friedrich Engels’ „Anti-Dühring“ mit einer Widmung an den Co-Autor der Streitschrift, Karl Marx. Den Einsatz hoher Beträge erforderten Briefe und Bücher von Walter Benjamin: In sieben Handschreiben an die Philologin Kitty Marx-Steinschneider äußert sich Benjamin erstmals ausführlich zu seiner zentralen Publikation „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, honoriert mit 60.000 Euro (30.000). Der französisch formulierte Erstdruck der bahnbrechenden Schrift stieg von 3000 auf 48.000 Euro.

Die Staatsbibliothek Bamberg, Hüterin des Nachlasses von E.T.A. Hoffmann, investierte 55.000 Euro (6000) in eine Bleistiftzeichnung des Dichters, der sich als Rückenfigur am Bett seines Weinhändlers und Verlegers Carl Friedrich Kunz konterfeite. Heines Mitteilung an die Schwester Charlotte, dass er ein Trauerspiel, andere Stücke und „noch viele gute Bücher“ im Kopf habe, wanderte bei 26.000 Euro (16.000) in Privatbesitz.

Friedrich der Große verteidigt den Suizid

Die literarische Einzigartigkeit der „Galgenlieder“ des Christian Morgenstern, aber auch ihr ungewöhnliches Quartier in einer vom Autor rüde bemalten Kassetten-Schutzhülle, motivierte einen Privatier zur Ausgabe von 48.000 Euro (8000). Einsteins nicht unkritische Wertung von Freuds Schrift „Die Zukunft einer Illusion“ stieg von 4000 auf 24.000 Euro. Denselben Preis, und ebenfalls vom französischen Handel übernommen, erzielte Freuds auf 8000 Euro taxierte psychoanalytische Deutung der „Odyssee“.

Jene Verteidigung des Selbstmords, die Friedrich der Große in einer trüben Stunde verfasste und später dem verblüfften Marquis d’Argent zuschickte, blieb mit 12.000 Euro unter der Schätzung auf 16.000 - und eine Ausnahme bei den überwiegend glänzend verkauften handschriftlichen Mitteilungen historischer Persönlichkeiten, die am Ende, gegenüber einer Gesamttaxe von 1,7 Millionen, die Rekordsumme von 2,8 Millionen Euro einspielten.

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Redakteurin im Feuilleton.

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