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Simon Denny bei Buchholz : Macht GAFA das?

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Der Künstler Simon Denny hat ein Faible für Kryptowährungen. In einer Ausstellung bei Daniel Buchholz in Köln setzt er sich spielerisch und informativ mit dem Verhältnis von Zentralisierung und Dezentralisierung auseinander. Das Ergebnis ist bemerkenswert.

          So immateriell der Informationsfluss im Internet auch erscheinen mag, ohne handfeste Apparate fließt dort gar nichts. Das noch einmal klarzustellen, hat unlängst der Philosoph Boris Groys für notwendig erachtet. Und daran erinnert jetzt Simon Denny mit den „Games of Decentralized Life“ in der Kölner Galerie Daniel Buchholz: Die Computer, die da vor sich hinsummen, geben nicht nur ihr Innenleben preis: Das Kabelwerk ist über Kopf geführt, die Sockel sind in Do-it-yourself-Manier aus Alu-Profilen montiert; die „Serverracks“ sind unterschiedlich perforiert – geschickt arrangiert und mühelos als zeitgemäße Skulptur erkennbar. Mit solchen Arbeiten hat sich der 1982 im neuseeländischen Auckland geborene, in Berlin lebende Denny zu einem gefragten Künstler der Gegenwart gemacht.

          In den entkleideten Rechnern arbeiten Graphikprozessoren, mit denen sonst Kryptowährungen „geschürft“ und „abgebaut“ werden, wie es im Jargon der Minenarbeiter heißt. Während das Internet einst das Versprechen eines gleichberechtigten Austauschs aller mit allen gab, wird jene globale Kommunikation längst durch wenige Marktgrößen kanalisiert, kurz GAFA genannt: Google, Apple, Facebook, Amazon. Ist der Finanztransfer via Blockchain eine demokratische Verheißung? Ein Faible für Bitcoin und Co zeigte Denny schon bei der Berlin Biennale 2016, als er drei real existierenden Währungsplattformen eine Corporate Identity für imaginäre Messekojen entwarf.

          In der Kölner Ausstellung spielt er wieder mit dem Thema: Im Schaufenster der Galerie liegt das populäre, in den sechziger Jahren in Amerika auf den Markt gebrachte „Spiel des Lebens“ aus; da entscheidet der Würfel über den Erfolg. Der zahlt sich in klingender Münze aus: „Du bist Arzt und erhältst als Jahresgehalt 20000 Mark“, heißt es auf einem Feld, im nächsten bringt man es nur zum Journalisten: „Du erhältst 10.000 Mark.“ Das Brettspiel aktualisiert Denny, indem er auf die Ausgaben des Klassikers Fundstücke aus dem Netz rund um die Kryptowährung druckt.

          So hängen an den Wänden Reliefs mit Spielfeldern, versehen mit Twitter-Feeds, Slogans von Firmenwebsites oder Plattformen wie medium.org und reddit.com. Und weil die Collagen einigermaßen kryptisch anmuten, gibt Denny den Besuchern eine ausführliche Legende an die Hand: Auch die durchdringt man erst so richtig, wenn man mit dem Smartphone googelt – also das GAFA-Monopol bestätigt.

          Dennys Objekte geben den digitalen Währungen eine analoge Form im „Meatspace“, jenem physischen Raum, in dem wir uns leibhaft bewegen: informativ und spielerisch. Wir begegnen Pionieren und Nutznießern der Währung auf Editionen des Würfelspiels. Mit Retro-Design unterfüttert Denny allzu idealistische Erwartungen an die Krypto-Communities, mit eher düsteren Collagen zeigt er Skepsis, so in der „Star-Wars-Jedi“-Edition über den Unternehmer Vitalik Buterin. Die Collage „Pirates of the Caribbean“ kritisiert die Gründerfigur Nick Szabo – und fragt, ob man den Software-Entwicklern, die hinter Blockchain und Bitcoin stehen, mehr vertrauen kann als dem existierenden Bankensystem. (Preise von 5950 bis 45.000 Euro. Bis 16.Juni)

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