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Aus dem ZADIK Danke für BANG BANG

An einem stillen Örtchen seines Hauses befand sich bis vor kurzem der kleinere Teil einer großen Sammlung. Das ZADIK in Köln hat Wolfgang Hahns WC-Kabinett rekonstruiert.

An einem stillen Örtchen im beschaulichen Kölner Stadtteil Lindenthal befand sich bis vor kurzem der kleinere Teil einer großen Sammlung. Ein ambivalenter Ausstellungsort, der sehr privat und doch für jedermann offen zugänglich war - zumindest für die Besucher des Hauses Hahn, die dort früher oder später dessen Gästetoilette aufsuchten.

Seit Anfang der sechziger Jahre als Chefrestaurator am Kölner Wallraf-Richartz-Museum (und späterem Museum Ludwig) angestellt, wurde Wolfgang Hahn (1924 bis 1987) vor allem als Kunstsammler bekannt, der eine der bedeutendsten Sammlungen der Aktions- und Objektkunst dieses Jahrzehnts zusammentrug. Arbeiten der Nouveaux Réalistes, der amerikanischen Pop-Art und deren deutscher Spielarten sowie Fluxus und Happening-Objekte nahmen Hahns gesamte Doppelhaushälfte in Beschlag: Wohn- und Schlafzimmer, Treppenhaus und Abstellraum, Keller und Garten - bis hin zur Gästetoilette. Rund anderthalb Quadratmeter misst das Hahnsche WC-Kabinett. Und so versammelten sich auch hier auf kleinstem Raum die Größten der Avantgarde - Paik, Beuys, Vostell, Christo, Spoerri, Rauschenberg, Segal, um nur einige zu nennen, oder deren Händler, wie Alfred Schmela und Rudolf Zwirner, in Petersburger Hängung.

Neben Briefen, Postkarten, Multiples oder Magazinseiten fanden sich überwiegend dokumentarische Fotografien und Künstlerporträts an den Wänden. Memorabilia und Geschenke, von denen viele mit einer persönlichen Widmung versehen sind und die oft in direktem Bezug zu Arbeiten der Sammlung stehen. Den Grundsatz der künstlerischen Avantgarden - die Einheit von Kunst und Leben - machte sich auch Hahn zu eigen, der mit seiner Sammlung und ihren Künstlern um sich herum lebte, von denen einige in Hahn ihren allerersten Förderer fanden und viele einen Freund fürs Leben. Bekannt für seine Gastfreundschaft, sah er die Künstler bei sich ein und aus gehen; nach Ausstellungseröffnungen traf man sich bei Hahns zu Hause.

Was bis 1968 diesen Gästen vorbehalten blieb, wurde noch im selben Jahr, während der ersten musealen Gesamtübersicht der Sammlung Hahn, auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Als dokumentarische Begleitung zeigte man im Wallraf-Richartz-Museum auch einige jener Bilder und Dokumente, die ansonsten in Hahns Gästeklo weilten. Insgesamt betrachtet, erzählen diese und hinzugekommene Exponate von Hahns mehr als dreißigjähriger Sammlungsgeschichte, von seinen Künstlerfreunden und Galeristen, Sammlern und weiteren Wegbegleitern.

Ein Brief mit Weinflecken

Der Bezug zu Köln, dort lebenden Künstlern und ansässigen Galerien prägte die Sammlung von Beginn an. Anfang der sechziger Jahre schürten Arbeiten der Nouveaux Réalistes Hahns Sammelleidenschaft. Sie fanden in Köln eines ihrer frühen Foren in der Galerie Haro Lauhus, wo unter anderem Daniel Spoerri 1961 seinen Koffer präsentierte, der Beiträge aller Réalistes vereint. Und gerade für Spoerris Arbeiten sollte Hahn eine ausgeprägte Vorliebe entwickeln.

Von ihm stammt auch ein handgeschriebener Brief, dessen gesprenkeltes Papier - mit Chianti-Flecken, wie eine Anmerkung des Autors verrät - beklebt ist mit aus Comics ausgeschnittenen Onomatopoetika, die sich trefflich in Spoerris verkürzten Sprachwitz einfügen: „Salute Hahn - BAM! Wie goohts? Und wie schtoohts? Wie es uns geht? Wie es Euch jeht? BANG BAM! Hier zwei Fotos - eine mit Widmung BLAM Gutes neues auch Euch CRASH! Danke für BANG BANG! Wir sind jetzt im Chelsea Hotel mit Jim Dine, Oldenburg, Arman, Larry Rivers, Christo und Raysse HA HO HA! Aber wir sehen uns Gott sei dank nicht allzu viel! Auf bald vielleicht! BOOM! März habe ich voraussichtlich meine Ausstellung, wenn ich fertig werde! Kichka und ich HO HA grüssen Euch Daniel BANG!“

Spoerri bereitet das Abendmahl

Der undatierte Brief wird im Frühjahr 1965 verfasst worden sein, als Spoerri seine von der Green Gallery organisierte Ausstellung im legendären Chelsea Hotel in New York vorbereitete. Die in dem Schreiben erwähnten und diesem beigelegten Fotos fanden sich ebenfalls, nun hinter zierlichen Silberrähmchen, in Hahns WC-Kollektion wieder. Das eine, im September 1961 in Paris entstandene, zeigt Spoerri, vermutlich in dessen Atelier, und seine damalige Freundin Kichka Baticheff. Das andere, rund drei Jahre ältere, ist mit einer Widmung an das „liebe Hähnchen“ versehen: „Salute mon chèr coquin, Mon coeur, Ton Daniel Spoerri“.

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Veröffentlicht: 10.12.2012, 15:58 Uhr

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Von Andreas Rossmann

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