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Zeppelin-Auktion Kaviar im Himmel

Speisen in der Nähe der Götter, Absturz in ein höllisches Inferno. Die Geschichte des Zeppelins hält alles bereit. Ein Berliner Auktionshaus versteigert jetzt mehr als zweitausend Memorabilien.

© Auktionshaus Schlegel Vergrößern Walfischbauch: Blick ins Innere des Zeppelins (Taxe 75 Euro)

Was wie das Ende der Zeppelin-Geschichte aussieht, ist tatsächlich ihr Anfang. 1908 setzt Ferdinand Graf von Zeppelin mit seinem Luftschiff erstmals zu einer vierundzwanzigstündigen Fahrt an. Die Menschen jubeln. Doch endet die Fahrt in einer Katastrophe: Notlandung, Unwetter - das Luftschiff geht in Flammen auf. Als 1900 der erst große Traum vom Fliegen wegen einer Panne nach achtzehn Minuten schon wieder vorbei war, erntete Zeppelin nur Spott. Jetzt ist das Mitgefühl der Menschen groß, sie weinen und bangen um den Grafen. Und sie starten spontan eine Spendenaktion, die es dem Grafen erlaubt, sein Projekt fortzusetzen, in größerem Umfang als zuvor.

Es ist eine Ruhm- und Katastrophengeschichte, die hier beginnt. Euphorie und Bestürzung sind bis zum Ende der Luftschiffära, sind bis zum Absturz der majestätischen „Hindenburg“ 1937 nicht zu trennen. Diese Geschichte hinterlässt unzählige Bruchstücke, Memorabilien, die von Glanz, Prunk und Leid zeugen. Mehr als zweitausend dieser Memorabilien werden am 3. September im Berliner Auktionshaus Schlegel versteigert. Aufgerufen werden unter anderem Postkarten und Fotos (Taxe zwischen 25 und 150 Euro), historische Zeppelin-Literatur, Münzen oder eigens für die Luftschiffe gefertigtes Bordgeschirr (etwa eine mit Goldrändern und Zeppelin-Emblem verzierte Kaffeekanne oder Gläser aus der „Hindenburg“, Losnummer 1127/1123-1126, 3000/500 Euro). Aber auch traurige Reste der Katastrophe von 1937.

25739175 © Auktionshaus Schlegel Vergrößern Den Göttern so nah: Die Postkarte zeigt, wie rosig der Blick aus der Kabine war.

Aus dem Traum vom Fliegen wird machtpolitischer Größenwahn

Absehbar ist das bedrückende Schlusskapitel 1908 natürlich noch nicht. Mit den großzügigen Spenden wird der Luftschiffbau im Laufe der Zeit zur staatlichen Angelegenheit. Der Kaiser erkennt das propagandistische, wirtschaftliche und vor allem militärische Potential des Luftschiffbaus. Und so pervertiert der friedliche Traum vom Fliegen mehr und mehr zum nationalistischen, machtpolitischen Größenwahn. Im Ersten Weltkrieg führen deutsche Luftschiffe den ersten strategischen Bombenkrieg.

Nach dem Krieg bricht die Zeit des großes Prunks an. Aus den Kriegsmaschinen werden friedliche Giganten des Himmels, gutmütige „fliegende Wale“, wie sie Arthur Koestler nannte. Hugo Eckener, Journalist, Luftschiff-Enthusiast und Nachfolger des 1917 gestorbenen Grafen Zeppelin, setzt auf den transatlantischen Verkehr. Hat man es in den Anfangsjahren geradeso über den Bodensee geschafft, nimmt man sich mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin“ 1928, ein Jahr nach Charles Lindbergh, den Atlantik vor.

Eine schwebende Welt des Luxus

Im Zeppelin schwebt man über den Dingen, mit einem „Gefühl des Draußenseins aus allen irdischen Kleinigkeiten“, wie Hermann Hesse nach einer bereits 1911 unternommenen „Spazierfahrt in der Luft“ schrieb. Doch die Loslösung von allem Irdischen können sich nur die Reichsten leisten. Es ist eine Welt des Luxus, die da am Himmel schwebt. Wie es im Speisesaal der „Hindenburg“ aussieht, verrät ein Postkarte mit der Losnummer 551 (Taxe 75 Euro). Auf roten, modern- eleganten Stühlen kann der Kreis der Erwählten Platz nehmen, und für den Digestif auf bequemen Polstermöbeln, direkt neben den Fenstern. Die Wände sind mit exotischen Motiven dekoriert: Phantasien von fernen Ländern. Vielleicht sieht man ja irgendwann diese Wunderdinge, wenn man aus dem Fenster schaut.

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