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Wie chinesisch ist Sotheby’s? Charity im Parallelmarkt

In China existiert ein staatlich gesponserter Kunstkosmos, den das Auktionshaus Sotheby’s für sich gewinnen will. Für gute Stimmung sorgt da eine Benefiz-Versteigerung in Peking.

© Sotheby's Das Spitzenlos ist mit erzielten 7,5 Millionen Yuan (rund 930.000 Euro) die 2013 entstandene Tuschezeichnung „Die sieben Weisen“ von Ren Zhong.

Sotheby’s ist tatsächlich chinesisch geworden. Bei der Charity-Auktion, die das - längst amerikanische - Unternehmen jetzt in Peking veranstaltete, erinnerte wenig an seine Ursprünge in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien: Sämtliche Redner waren Chinesen, gesprochen wurde auf Mandarin (mit Ausnahme einer kurzen Käuferinformation auf Englisch, die aber wegen des starken Akzents kaum zu verstehen war), und auch im Publikum, in dem von Männern im dunkelblauen Blazer bis zu Trainingsanzugträgern alle möglichen Bekleidungsstilebenen vertreten waren, gab es kaum einen Ausländer.

Mark Siemons Folgen:

Vor einem Jahr war die Firma durch ihr auf zehn Jahre geschlossenes Bündnis mit dem staatlichen Kulturindustrie-Konzern GeHua in Peking - dessen Motto passenderweise „Reichtum erzeugen mit Marken, Werte schaffen mit Kultur“ lautet - zum ersten westlichen Auktionshaus geworden, das auf dem Festland von China selbst - und nicht bloß in Hongkong - Geschäfte machen darf. Das Joint Venture „Sotheby’s (Beijing) Auction Co. Ltd.“, an dem das Mutterhaus einen Anteil von achtzig Prozent hält, soll zu der geplanten Kunst-Freihandelszone, die GeHua bei Peking errichten will, einen privilegierten Zugang haben.

Beklemmend beziehunglos, unnachahmlich chinesisch

Erst einmal aber wird in die Atmosphäre investiert; ein Teil der Erlöse dieser abendlichen Charity-Veranstaltung soll der Ai-You-Stiftung zugutekommen, die von chinesischen Unternehmern gegründet wurde. Die Stiftung kümmert sich um die medizinische Versorgung von Waisenkindern. Ort des Geschehens war der „China World Trade Center Tower III“, Pekings neuester und höchster Wolkenkratzer, und dort ein „Ballsaal“, dessen aus braunen Holzpaneelen und goldenen Lüstern zusammengesetzte Hässlichkeit natürlich auf europäische Vorbilder zurückgreift - in ihrer beklemmend beziehungslosen Mischung aber doch auch etwas unnachahmlich zeitgenössisch Chinesisches hat.

Von den Losen, die zum Verkauf standen, konnte man das allerdings nur mit Einschränkung sagen: Außer vier historischen Fotografien und zwei Digitaldrucken eines Hongkonger Künstlers handelte es sich sämtlich um Tuschebilder aus dem staatlich gesponserten Parallel-Kunstkosmos, der in China neben der international ausgerichteten, zeitgenössischen Kunstwelt existiert und völlig unabhängig von dieser seinen eigenen Markt findet.

Westliche Badende vor asiatischem Schilf

Den höchsten Preis mit 7,5 Millionen Yuan (rund 930.000 Euro) erzielte ein 2013 von Ren Zhong mit Tusche filigran auf Seide gezeichnetes Bild, das „Sieben Weise“ inmitten einer extrem stilisierten, vor allem durch ihre Auslassungen gekennzeichneten Fels- und Bambuslandschaft zeigt. Andere - offenbar auch hoch taxierte - Werke gingen weniger subtil bei der Aktualisierung der Tradition vor. Immerhin eine Million Yuan, geschätzt war sogar das Doppelte, erreichte „Mondschein und der Schrei des Raben“ von Xue Liang, eine plakativ hingetuschte Zusammenballung surrealistischer Elemente vor stimmungsvoller Seelandschaft. Der Künstler He Jiang plazierte eine westlich naturalistisch gemalte, badende Nackte vor traditionell chinesisches Schilfgewächs, mit einem Ergebnis von 650.000 Yuan.

Die international bekannten chinesischen Namen wie Zhang Xiaogang behält sich Sotheby’s vorerst weiter für seine Hongkonger Auktionen vor. In Peking scheint das Unternehmen zunächst den staatlich unterstützten chinesischen Parallelmarkt für sich gewinnen zu wollen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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