Home
http://www.faz.net/-gz2-vywu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vorschau: Alte und moderne Kunst Hexenschule

26.11.2007 ·  Das Auktionshaus Karl & Faber in München punktet im Herbst mit Zeichnungen aus der Sammlung Bareiss. Die höchsten Geboten verspricht jedoch eine Parkansicht Erich Heckels in satten Farben.

Von Brita Sachs
Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (0)

Walter Bareiss war ein besessener Sammler, nicht satt zu kriegen in seinem Hunger nach Kunst. Höchst engagiert sah man den deutsch-amerikanischen Geschäftsmann stets auf Seiten der Moderne und zeitgenössischer Künstler, für die er sich auch in öffentlichen Sammlungen einsetzte. Wie viel weiter sein Interesse aber tatsächlich reichte, wird jetzt, nach seinem Tod im vergangenen Frühjahr, erst richtig offenbar, denn vieles von dem, was er liebte, Afrikana oder Majoliken, fließt jetzt in den Markt zurück. In Karl & Fabers Herbstauktion vom 29. und 30. November sind Zeichnungen des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts dran, für die Barreiss sich vor fünfzehn Jahren zu begeistern begann.

Von himmlischem Gefolge auf Tuschfederzeichnungen des süddeutschen Rokokomalers Johann Wolfgang Baumgartner (Taxen von 1000 bis 18.000 Euro) spannt sich der Bogen bis zu symbolistischen Hexenschulen Otto Greiners. Dazwischen stechen schöne Landschaften der Brüder Cantius und Johann Georg Dillis ins Auge und weitere der Kobell-Familie. Vielfalt garantieren illustre Namen wie Carus, Koch, Makart, Menzel oder Salathé. Moderate Taxen für die insgesamt rund zweihundert Blatt stacheln das Interesse an, federn aber auch Niveauschwankungen ab, die Bareiss mit seinem großen Herzen für die Kunst tolerierte. Im selben Zeichnungskatalog steckt noch eine Privatsammlung von über vierzig Papierarbeiten Ludwig Richters, angeführt vom entzückenden „Waldmädchen mit blauer Blume“ (16.000/18.000) und von einer Rarität, einem Reiseskizzebuch, in das Richter spontane Eindrücke in Böhmen und Franken skizzierte (5000/6000).

Erich Heckels Park von Dilborn

Das Toplos der Auktionstage ist Erich Heckels knackgrüner, zypressengestachelter „Park von Dilborn II“, gemalt 1914 beim Besuch des Künstlers Heinrich Nauen, der in Schloss Dilborn lebte. Das Gemälde aus bester expressionistischer Zeit kam in ausgezeichnetem Zustand aus Amerika zurück, wohin Karl & Faber es vor mehr als dreißig Jahren verkaufte, und liegt nun bei einer Taxe von 700.000 bis 750.000 Euro. Lyonel Feiningers Boot mit schwarzem Segel und clownesker Mannschaft soll 200.000 bis 300000 Euro bringen. Von Gabriele Münter ist die „Moschee in Tunis“ zu haben, die sie 1905 auf der Reise mit Kandinsky malte (30.000/ 40.000), sowie eine verschneite „Gasse in Sèvres“, wo das Paar sich ein Jahr später aufhielt (60.000/70.000). Mirós schöne, farbige Aquatinta „Équinoxe“ thematisiert das Gleichgewicht der Kräfte (50.000/60.000).

Auf dem Terrain zeitgenössischer Kunst stellt Günther Uecker die kinetische Licht-Skulptur „Uhr“ vorn auf (120.000/150.000). Die Altmeistergraphik hält Madonnen bereit: Schongauers Kupfer „Madonna mit dem Apfel“ (40.000/ 60.000) und Dürers „Jungfrau mit der Birne“ (10.000/12.000), beide in kraftvoll zeichnendem Druck. Auch das 19. Jahrhundert bekommt nochmals einen temperamentvollen Auftritt: Da prescht ein kleiner roter Reiter bei Sturm und Wind über die karge Ebene „bei Marathon“ auf einer der Ölskizzen, mit denen Carl Rottmann seinen Griechenlandzyklus für König Ludwig I. vorbereitete (30.000/50.000).

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr