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Vorschau: Alte Meister Frauenpower

18.01.2008 ·  In New York werden Gemälde und Zeichnungen Alter Meister versteigert. So findet sich große Kunst von Rembrandt, Riemenschneider und Cranach ein. Bei den Italienern glänzt eine himmlischen Szene von Lelio Orsi.

Von Lisa Zeitz, New York
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Lauter schöne Frauen des 16. Jahrhunderts haben ihren Auftritt bei Sotheby's in der New Yorker Auktion mit Alten Meistern am 24. Januar. Es sind Heilige, Liebesgöttinnen, anonyme Adlige und eine tränenreiche Sünderin. Als eines der beiden Glanzstücke darf Tilman Riemenschneiders Skulptur der heiligen Katharina gelten, die während der vergangenen zehn Jahre im Metropolitan Museum ausgestellt war und nun von der New Yorker Scherman Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, eingeliefert wird. Die Heilige wird als knapp über einen Meter hohe, elegante Erscheinung aus Lindenholz präsentiert, deren stoffreiches Kleid sich in herrlichem Faltenwurf von der Taille bis zur Fußspitze ergießt. Das von langen Locken gerahmte Gesicht mit den typischen, weit auseinanderstehenden Augen strahlt auf unnachahmliche Weise Melancholie und Gottergebenheit aus. Geschätzt ist die einzigartige Skulptur auf vier bis sechs Millionen Dollar.

Die gleiche Taxe trägt das letzte Los im Katalog, Tizians spätes Tafelbild der heiligen Magdalena als Büßerin in der Wüste. Sie bedeckt ihren hauchdünn verhüllten Körper mit den Händen wie eine schamhafte Venus und lässt sich dabei ihre langen Haare lustvoll durch die Finger gleiten. Der Blick aus den geröteten Augen ist himmelwärts gerichtet, Tränen strömen über ihr Gesicht. Malerisch brechen die Wolken über ihr auf und verheißen Hoffnung für die reuige Sünderin. 1989 wurde das Bild an selber Stelle versteigert, brachte damals 2,64 Millionen Dollar (das Aufgeld inklusive) und ging in die Sammlung Ishizuka nach Tokio. Jetzt erwartet ein ungenannter Privatsammler rund das Doppelte für das Bild.

Vorschau: Auktionen mit Alten Meistern in New York

Cranach lässt Phyllis reiten

Von Lucas Cranach dem Älteren stammen gleich zwei exquisite Gemälde: Die Identität einer jungen Adligen, die er mit prächtigem Schmuck, Äpfeln und Trauben porträtiert hat, ist nicht geklärt, aber es könnte sich um ein Bildnis der Sibilla Freiin von Schenck-Winterstein handeln (Taxe 1,5/2 Millionen Dollar). Außerdem wird von Cranach eine entzückende Tafel mit einer populären Geschichte aus dem Themenkreis der Weibermacht aufgerufen: Seine Darstellung von Phyllis und Aristoteles zeigt die junge Dame, angetan mit tiefrotem Samtkleid, Perlen im blonden Haar und einem großen Hut mit Straußenfedern, wie sie auf dem Rücken des graubärtigen Aristoteles reitet.

Sie wirft dem Betrachter einen spöttischen Blick zu und hält sich siegesgewiss am grauen Bart des Philosophen fest, als handle es sich um ein geduldiges Pferdchen. Der erniedrigte Aristoteles schaut mit einem Ausdruck absoluter Machtlosigkeit zu ihr auf. Das Bild ist auf einem Baumstamm links signiert und datiert 1530; die Taxe liegt bei 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar. (Vor sechs Jahren bei Sotheby's in London hat es inklusive Aufgeld rund 1,5 Millionen Pfund eingespielt, was ungefähr 2,2 Millionen Dollar entsprach.) Eines der kleinsten, aber auch der köstlichsten Werke der Auktion ist ein nur handtellergroßes ovales Kupfertäfelchen aus der Zeit um 1600 von Joachim Wtewael, das aus einer New Yorker Privatsammlung eingeliefert wird. Dargestellt ist das Zitat „Sine Cerere et Baccho friget Venus“ aus einer römischen Komödie, was so viel heißt wie „Ohne Speis und Trank gefriert die Liebe“.

Venus leidet nicht

Um dem vorzubeugen, erscheint die prächtig gekleidete Venus mit wohlmeinender Begleitung. Hinter hier steht der Gott des Weines und hat den Arm um sie gelegt, während die Erntegöttin Ceres ihr Trauben aus einem Füllhorn darreicht, von denen sich der kleine Amor gleich ein paar abzupft. Allein die verschlungenen Arme und Hände auf dem Bildchen ergeben einen wohligen Rhythmus, und die haarfein gemalten Ähren, die Glanzlichter auf den Trauben, Perlen, und die gefiederten Flügel des Amor machen das Werk zu einem kunstvollen Kabinettstück (300.000/400.000).

Der Reigen der Meisterwerke geht weiter mit Donatellos „San Felice Madonna“, einem farbig gefassten Terrakotta-Relief aus dem Nachlass von Virginia Cryan in Florida (2/4 Millionen), Claude Lorrains arkadischer Abendlandschaft mit Merkur und Battus (1,5/2 Millionen) und Tintorettos Allegorie der Musik, einem perspektivisch verkürzten Deckengemälde, auf dem drei Musikantinnen ihre Instrumente stimmen, während ein Engel mit ausgebreiteten Armen als Dirigent auftritt (2/3 Millionen). Als neue Entdeckung gilt Georges de La Tours Brustbild des Pilgerheiligen Jakob. Der im Halbschatten dargestellte bäuerliche Typ mit Muscheln an Jacke und Hut war Teil eines Apostelzyklus, der im 17. Jahrhundert in der Kathedrale Sainte-Cécile in Albi hing. Das Bild kommt aus einer spanischen Privatsammlung und ist auf 1,5 bis 2 Millionen Dollar geschätzt.

Italienische Zeichnungen

Bei der Sotheby's-Auktion mit Altmeisterzeichnungen am 23. Januar ist besonders die Sammlung des Kunsthändlers Jeffrey Horvitz herauszuheben: Er trennt sich von seinen italienischen Blättern, um sich in Zukunft ganz auf die französische Zeichenkunst zu konzentrieren. Schnell skizzierte Tuschezeichnungen - wie der Kopf eines Mönchs von Guercino (100.000/150.000) - sind eher die Ausnahme in seinem Angebot. Es überwiegen fein ausgearbeitete Zeichnungen vom Manierismus bis zum Klassizismus.

Besonders kostbar ist Lelio Orsis dynamische Darstellung des Apoll im Sonnenwagen, die 1544 als Modello für sein verlorenes Fresko am Uhrturm der Piazza del Duomo in Reggio Emilia diente. Die weißen Höhungen auf den dahinsprengenden Pferden und den Muskeln des Sonnengotts vermitteln dem Betrachter auch im kleinen Format eine Ahnung von der überraschend dreidimensionalen Wirkung der Komposition (200.000/ 300.000).

Panorama von Schinkel

Christie's hält seine Auktion mit Altmeisterzeichnungen am 24. Januar ab. Neben Blättern von Tiepolo und Rembrandt ist auch ein Aquarell von Karl Friedrich Schinkel bemerkenswert, das er im Juli 1836 bei einem Besuch in Hofgastein anfertigte: Im Vordergrund der Alpenlandschaft mit den Gipfeln des „Hüttenkogel, Graukogel, Ferusangmassiv und Gamskarspitze“ ergeht sich der Künstler in der Architektur traditioneller Alpenhütten, die er sehr bewunderte (50.000/70.000).

Eine ganz besondere Delikatesse des Rokoko hat François Boucher mit einer Kreidezeichnung eines sitzenden weiblichen Akts geschaffen. Er stellt die venusgleiche Gestalt in der nackten Blüte ihrer Jugend dar. Wahrscheinlich ist das Blatt 1751 im Zusammenhang mit einem Auftrag für Madame Pompadours „Salle de bain“ des Château de Bellevue entstanden. Die Schätzung liegt bei 200.000 bis 300.000 Dollar. Gemälde Alter Meister werden bei Christie's in New York, wie schon im vergangenen Jahr, erst im Frühling versteigert; als Auktionstermin steht der 15. April fest.

Quelle: F.A.Z., 19.01.2008, Nr. 16 / Seite 41
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