http://www.faz.net/-gyz-6xf1s

Tobias Meyer im Gespräch : Warum es keine Neureichen mehr gibt

Ja! Sie können niemandem etwas verkaufen, was er nicht mag. Meine Antwort auf diese sehr gute Frage ist, dass in der ganzen Zeit, in der ich das mache - und das mache ich jetzt zwanzig Jahre -, nie jemand etwas gekauft hat, das ihn nicht angesprochen hat. Alle wollen natürlich wissen, dass sie es gut verkaufen können, wenn sie es mal wieder verkaufen müssen. Aber wenn sie keinen Zugang zur Kunst haben, dann kaufen sie sich ein Schiff oder ein Flugzeug. Viele Menschen sind eher misstrauisch, sie brauchen so ein bisschen, ich sage jetzt mal: the emotional hook, dieses wow, beautiful!

Und leben die Leute dann auch damit?

Jaja, die leben absolut damit. Sie sind sehr stolz darauf.

Wenn ich Ihren Ausführungen folge, stellt sich die Bricht denn nicht einem Haus wie dem Ihren alles von unten her weg? Wird es nur noch ein High-End-Markt, mit dem Geld zu machen ist, also mit Juwelen, teuren Uhren - mit Ihren ikonischen Bildern? Vielleicht noch mit Spitzenstücken des Impressionismus und der Klassischen Moderne?

Wenn Sie ein Hauptwerk des Impressionismus bekommen könnten, würde das wahnsinnig viel bringen!

Klar!

Schauen Sie, das Problem des Marktes, in dem ich agiere, ist, dass der Wettbewerb so stark ist, dass die Margen alle gedrückt werden. Das heißt, Business ist relativ schwierig: Wie verkaufen Sie diese teuren Bilder und verdienen noch Geld, wenn sie einen Mitbewerber haben, der versucht, Ihre Margen konstant zu unterbieten? Das heißt, Sie brauchen diese wichtigen Bilder, aber Sie brauchen auch den mittleren Markt. Ich hoffe, das klingt nicht so arrogant, aber der mittlere Markt ist für uns von 100.000 bis zwei Millionen Dollar. Der ist uns sehr wichtig, und der sorgt für den wichtigen Umsatz. Um den müssen wir uns sehr kümmern. Einen Einbruch erlebt derzeit das Kunstgewerbe des 18. Jahrhunderts: deutsche Möbel, deutsches Silber, deutsches Porzellan. Wissen Sie, wer das kauft?

. . .?

Ich! Einen Becher von Höroldt kann ich für 2000 Euro kaufen, das ist ein schönes Kunstwerk, ein wunderschöner deutscher Silberleuchter ist für 4000 Euro zu haben. Dieser Markt hat sich völlig verändert.

Weil die Leute sich damit nicht mehr identifizieren können?

Absolut!Sie kaufen sich keine Herkunft mehr. Die Kultur des 18. Jahrhunderts ist nicht mehr zeitgemäß. Wenn Sean Penn auftaucht, ist das viel spannender, als wenn Friedrich der Große kommen würde.

War diese Art Kunstgewerbe je teurer?

Die war sehr teuer. In den sechziger und siebziger Jahren gab es zum Beispiel Porzellanfiguren von Franz Anton Bustelli, die für 20.000 oder 30.000 Dollar verkauft wurden: damals der gleiche Preis wie für ein Stillleben von Matisse. Da gab es 1963 auch einen Tisch des Ebenisten Johann Franz Oeben, der 500.000 Dollar kostete. Es gab damals nichts aus dem 20. Jahrhundert, was auf dem Kunstmarkt für 500.000 Dollar verkauft wurde.

Herzlichen Dank, Herr Meyer.

Das Gespräch führte Rose-Maria Gropp.

Quelle: F.A.Z.

Weitere Themen

Lob der Beschleunigung

New Yorker Vorschau : Lob der Beschleunigung

Die Zeitgenossen in den New Yorker Auktionen bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips heizen die Stimmung an. Es gibt kühle Blue Chips – dazu als Gäste einen verträumten Leonardo und einen feurigen Ferrari.

Topmeldungen

Gescheiterte Sondierungen : Merkels Niederlage

Durch die gescheiterten Sondierungen hat die Kanzlerin mehr verloren als die FDP. Und vor allem: Die CDU hat noch mehr zu verlieren. Der Knackpunkt ist die Willkommenspolitik – von der sich Angela Merkel partout nicht distanzieren mag. Ein Kommentar.

Die FDP und Jamaika : Lindner fehlt das Vertrauen

Die FDP war, was den Erfolg der Jamaika-Sondierungen angeht, nie besonders zuversichtlich. Da sie fürchteten, keine ihrer Projekte verwirklichen zu können, haben sie ein Versprechen platzen lassen.

Wie geht es jetzt weiter? : So verschlungen ist der Weg zu Neuwahlen

Steinmeier kündigt Gespräche mit allen Parteien an und fordert mehr Verantwortung. Doch Neuwahlen sind nicht mehr auszuschließen. Reinhard Müller, F.A.Z.-Ressortleiter für Staat und Recht, erklärt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.