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Tobias Meyer im Gespräch : Warum es keine Neureichen mehr gibt

Wie kommt das, nach Ihrer Meinung?

Das ist das Antizyklische, von dem ich Ihnen vorhin erzählt habe. Dass unsere Kunden gesagt haben: "Hey, everything goes down, I'm gonna buy art."

Das ist sehr verständlich.

Auch der Markt 2010 existiert wunderbar. Und im November 2011 wird es wieder interessant: Immer wenn Sie an die obere Gesamtschätzung einer Auktion nah herankommen, ist sie ein großer Erfolg. Wenn der Gesamtbetrag darüber hinausgeht, dann bedeutet das, dass der Markt hervorragend ist.

Nur zur Klärung: Sie verrechnen immer den oberen Schätzpreis ohne Käuferaufgeld gegen den Umsatz mit Käuferaufgeld - also in diesem Fall 270,8 Millionen Dollar netto gegen 315,8 Millionen brutto. Das Käuferaufgeld liegt ja im Schnitt bei mindestens zwanzig Prozent.

Ja, das ist schon klar. Aber speziell bei dieser Auktion wurde ich vorher gefragt: „Why do you put so many abstract paintings by Gerhard Richter in the same auction?“ They are all Rothkos! In zwanzig Jahren werden Sie sich fragen: Warum habe ich nicht alle gekauft.

Das glauben Sie wirklich?

Natürlich!

Und dieser große, teuerste Gerhard Richter jemals, den Sie da für 20,8 Millionen Dollar verkauft haben?

Er geht in ein phantastisches Museum. Ich habe eine Freundin vor der Auktion gefragt, sie sagte: „I can’t hang it.“ Ich sagte: „But, what about the museum?“ Sie sagte: „You’re right!“ Darauf bin ich sehr stolz. Das werden Sie verstehen, dass mir das viel bedeutet hat. (Anmerkung der Redaktion: Lily Safra hat das Bild gekauft für das Israel-Museum in Jerusalem.) Und die Gerhard-Richter-Bilder sind unter ihrem Marktpotential geblieben. Deshalb sind es intelligente Käufe. Ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts für zwanzig Millionen Dollar zu erwerben ist im heutigen Markt kaum noch möglich. Ein Meisterwerk kostet vierzig Millionen!

Jetzt habe ich natürlich die eine Frage: Ihre Prognose? Ich meine, Sie können sich da nicht festlegen.

Nein, ich kann mich nicht hundertprozentig festlegen.

Geht das so weiter?

Das geht so weiter, absolut.

Es ist doch endlich. Es ist doch auch das Material endlich.

Aber wenn Sie sich bewusst werden, wie viele Richter-Bilder es in Privathand gibt: Sie können potentiell irgendwann auch zum Verkauf kommen.

Vielleicht, aber wie viele Spitzenbilder von Richter?

Ja, es wird immer schwieriger. Das ist schon richtig. Aber wir sind doch in dieser Situation: Jeff Koons macht Arbeiten, Gerhard Richter malt weiter. Die Ikonen? Also, einen großen Pollock heute zu bekommen wie den, den ich für 140 Millionen Dollar verkauft habe? Dazu kann ich nur sagen, dass ich jetzt ein Gebot habe, das Bild für einen anderen Sammler zu kaufen.

Die Leute wenden sich also wieder an Sie für einen weiteren Privatverkauf?

Wie gesagt, das Preisniveau für diese großartigen Werke hat angezogen. Aber der Besitzer des Pollock verkauft nicht. Ich weiß, dass es vielleicht zehn Bilder in Privathand gibt, die ich, hätte ich sie, für 180 bis 200 Millionen Dollar verkaufen könnte, allein in meinem Bereich.

Ein Beispiel . . .?

Das kann ich nicht. Das darf ich auch nicht, weil es die Privatsphäre dieser Leute ist. Aber das Geld ist auch immer weniger wert, das sehen Sie ja selber. Was haben die Häuser unserer Eltern gekostet? Und was kosten die Häuser jetzt?

Das ist jetzt ganz altmodisch: Lieben diese Leute die Kunst überhaupt noch?

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