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Tobias Meyer im Gespräch : Warum es keine Neureichen mehr gibt

Ach! Ich kann mich an dieses Zögern erinnern. Aber Sie verraten mir jetzt nicht auch, ob die Käuferin Lily Safra war?

Nein, das kann ich Ihnen nicht verraten. - Gehen wir zum Mai 2007. Das war eine spannende Auktion. Da war auch dieser Rothko, von dem alle sagten, das Bild wäre nie zwanzig Millionen Dollar wert.

Sie sprechen von dem „Rockefeller-Rothko“, der dann berühmt wurde?

Ja! Und das war ein Bild, das völlig am etablierten Rothko-Markt vorbeiging. Die wollten es alle dunkel - deprimierend, emotional . . . Unsere Mitbewerber sagten, es würde vielleicht dreißig Millionen Dollar erzielen. Aber wir haben eine Garantie von vierzig Millionen Dollar gegeben, weil ich sagte: Das ist der neue Markt! Wir produzierten einen weißen Katalog, rein weiß, ohne Farbe, weißer Ledereinband, nur dieses eine Werk abgebildet. Damit bin ich nach Hongkong gereist, habe das potentiellen Kunden gezeigt, und dann auch nach Russland - und von den fünf Bietern, die in der Auktion darauf geboten haben, hatte nur eine Person das Bild wirklich gesehen! Aber weil es reproduzierbar war, schöne Farben hatte, weil es die Provenienz von Rockefeller hatte, waren alle Kunden davon überzeugt. Und dann bringt das Bild 72,8 Millionen Dollar, das war bis dahin der höchste Preis für zeitgenössische Kunst in einer Auktion. Das können Sie jetzt noch auf Youtube finden, gehen Sie rein bei Sotheby's und Rockefeller.

Es ist ein wunderschönes Bild . . .

. . . ein irres Bild. Und jetzt, witzigerweise im Nachhinein, hat Yves Saint-Laurent einen Lidschatten herausgegeben, mit genau den Farben.

Ach!

Im Mai 2008 wird es wieder interessant: Da sieht man, dass der neue Markt sehr sophisticated wird, sehr schnell. Da ist es schon dünn in der Luft, mit einem monumentalen Triptychon von 1976 von Francis Bacon. Das Bild bringt 86,3 Millionen Dollar. Es ist eines von Bacons besten Bildern. Der Schätzpreis war unglaublich hoch, siebzig bis neunzig Millionen Dollar. Ich hatte aber erst „Estimate on Request“ gesagt, weil ich nicht wollte, dass publik wird, dass es der bisher höchste Schätzpreis für ein Kunstwerk war. Und - es gab eine leichte Marktresistenz. Denn es waren eigentlich nur zwei Bieter, wir haben da hart an der Grenze gearbeitet. Worum es hier auch geht, ist: zu erkennen, warum der Markt so schnell agiert. Der Markt agiert so schnell wegen der Preislisten im Internet. Herr Neuendorf aus Frankfurt hat „Artnet“ gemacht. Das ist einer der wichtigsten Marktveränderer, die es überhaupt gibt.

Das erklären Sie bestimmt?

Vor „Artnet" hatten auf solche Informationen nur Händler, die die Kataloge hatten, Zugriff. Jetzt kann jeder, in Hongkong, irgendwo in Russland sagen: Rothko-prices, tell me what? Und prompt ist alles da! Und damit wird der Markt mobil. Weil Sie damit den Leuten, die das Geld haben, auch das Wissen geben. Früher waren das Wissen und das Geld getrennt.

Es ist auch ein gefährliches Instrument, weil da alle Willkür aufgezeichnet ist.

Ja, absolut.

Es ist verzeichnet, dass zwei Leute etwas haben wollten, aber das sagt ja nichts über den Wert.

Es sagt nichts darüber aus, aber es ist doch eine Auswahl für die Leute, die das benutzen. Die sagen sich: Klar kann eine verrückte Person dabei gewesen sein, aber es gab auch einen Unterbieter. - Sie gehen also 2008 ins Artnet. Sie haben dort für einen Rothko 72 Millionen Dollar verzeichnet, dann vielleicht für einen anderen 34 Millionen Dollar. Der Kunstinvestor sagt sich, 72 Millionen ist der Höchstpreis, irgendwo muss der reale Preis zwischen den Ergebnissen liegen.

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