19.01.2010 · Stetig bergauf: Der südafrikanische Kunstmarkt wächst. Das zeigt auch der Rekordzuschlag für eine Zeichnung von William Kentridge beim Auktionshaus Stephan Welz & Co. in Johannesburg.
Von Robert von LuciusMit seiner Zeichnung „Felix in Exile“, auf der sich Landschaft und Erinnerung verbinden, hat William Kentridge den höchsten für sein Werk bisher auf einer Auktion bewilligten Zuschlag erzielt. Das mit Sotheby's verbundene Auktionshaus Stephan Welz & Co. in Johannesburg verbuchte auf seiner Versteigerung zum Jahresende 1,45 Millionen Rand (Taxe 400.000/600.000) für die Film-Zeichnung. Umgerechnet sind das rund 120.000 Euro, also deutlich mehr, als unlängst seine Werke in New York einspielten. Neben Marlene Dumas, die nahe Kapstadt geboren wurde, aber in den Niederlanden lebt, ist Kentridge der im Ausland bekannteste lebende südafrikanische Künstler. Vertraut ist er nicht nur durch seine Filme, Zeichnungen und Regiearbeiten, sondern auch ein regelmäßiger Gast auf dem Kunstmarkt. Jährlich werden ungefähr 800 neue Werke in allen Preiskategorien in Galerien und auf Auktionen angeboten.
Auch zahlreiche andere südafrikanische Künstler, zeitgenössische als auch die Klassiker um die Expressionistin Irma Stern, Alexis Preller, dem die Standard Bank Gallery in Johannesburg just eine Einzelausstellung widmete, und den Bildhauer Anton van Wouw, schafften im vergangenen Jahr feste Preise bei den mittlerweile drei Auktionshäusern von Rang auf dem lokalen Markt. Den höchsten Umsatz mit südafrikanischer Kunst hat aber das Auktionshaus Bonhams in London verzeichnet, obwohl die Firma erst seit Mai 2007 südafrikanische Kunst im Repertoire hat. London ist also der umsatzstärkste Markt für südafrikanische Kunst. In Johannesburg und Kapstadt punktet man mit niedrigeren Kommissionen und einer breiteren Auswahl.
Eine Galerienszene kommt in Bewegung
Das verstärkte Interesse am Kunstmarkt in Johannesburg ist daran ablesbar, dass bis vor knapp drei Jahren Stephen Welz mehr als vierzig Jahre lang das einzige Auktionshaus von Rang war - und nun sind es schon drei: Zwei bekannte Unternehmer haben 2009 Strauss & Co. gegründet, das wie Stephan Welz & Co einen Doppelsitz in Johannesburg und Kapstadt hat und binnen kurzer Zeit den Umsatz des großen Rivalen einholte. Dazu trug bei, dass angesehene Experten als Mitarbeiter gewonnen wurden: als Geschäftsführer den Namensgeber des Rivalen Stephan Welz, der zwei Jahre nach dem Verkauf seines Hauses in die Auktionswelt zurückkehrte, sowie die Kapstädter Kuratorin Emma Bedford.
Auch die südafrikanische Galerienszene kommt in Bewegung: Das Kunstzentrum „Art on Main“ in der „schwierigen“ Johannesburger Innenstadt, in der neben Galerien wie Goodman aus Cape Town und Seippel aus Köln auch das Goethe-Institut einen Ableger hat, hat sich vergrößert. Die Galerie Everard Read, 1912 in Johannesburg gegründet, hat im November einen futuristischen Erweiterungsbau eröffnet, mit einem Programm, das auf den Geschmack der Touristen abzielt. Doch es gibt auch schlechte Nachricht: Zwei renommierte Galerien für zeitgenössische Kunst, Warren Siebrits in Johannesburg und Bell-Roberts in Kapstadt, haben Ende des Jahres geschlossen.
Informiert durch eine Internetzeitschrift
Bell-Roberts wird aber ihre Buchreihe über südafrikanische Künstler und Sammlungen weiterhin herausgeben und auch ihr anspruchsvolles und aufwendiges Magazin für zeitgenössische Kunst und Architektur, die Zeitschrift „Art Southafrica“, behält sie. Die wirtschaftliche Rezession hatte jedoch auch Folgen auf der Johannesburger Kunstmesse „Joburg Art Fair“ im April 2009: Dort stellte der Berliner Galerist Peter Herrmann aus, dessen Umsatz sich gegenüber dem Vorjahr halbiert haben soll. Dennoch findet „Afrikas erste Kunstmesse“ im März 2010 wieder statt. Wichtig für das Kulturleben in Südafrika ist die monatliche Internetzeitschrift „ArtThrob“.
Sie ist frei zugänglich unter arthrob.co.zaund wurde für einen Preis der Vereinten Nationen als bester kultureller Internetanbieter nominiert. Die Dezember-Ausgabe enthielt einen Bericht über ein Symposion am Johannesburger Goethe-Institut über Erinnerung und den Umbruch, denn fast gleichzeitig vollzog sich der friedliche Wandel in Südafrika und geschah der Mauerfall in Deutschland. Das Institut zog die Aufmerksamkeit von Johannesburg auf sich, indem symbolisch die Mauer um das Institut zertrümmert wurde: Es soll als Zeichen verstanden werden, dass man sich nicht weiter einigeln will im „weißen Johannesburg“. Der Baggerfahrer war der deutsche Botschafter in Pretoria.
Robert von Lucius Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
Jüngste Beiträge