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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schweizer Kunst Wer tanzt denn da im Schweizer Wald?

 ·  Sotheby’s und Christie’s bleiben ihrer Tradition treu und versteigern Schweizer Kunst - dabei sind natürlich auch Werke der Lieblinge Hodler, Anker und Giacometti.

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© Sotheby's Ferdinand Hodler, „Genfersee von Chexbres aus“ wohl um 1904, Öl auf Leinwand, 81 mal 100 cm, bei Sotheby’s (Taxe 3/5 Millionen Franken)

Es ist Tradition, dass Christie’s und Sotheby’s einmal im Jahr eine Sonderauktion mit „Schweizer Kunst“ in Zürich anbieten. Sie konkurrieren dabei um die besten Werke der lokalen Lieblinge: Hodler, Giacometti, Anker, Amiet sind es in diesem Jahr. Sotheby’s macht den Anfang und lädt schon am 28. November ein. Die Versteigerung wartet mit 112 Werken auf. Albert Anker und Ferdinand Hodler sind gleich mit mehreren Gemälden vertreten, aber Ankers „Strickendes Mädchen, Kleinkind in der Wiege hütend“ von 1885 und Hodlers „Genfersee von Chexbres aus“ von 1904 gehört das Augenmerk.

Ankers Genreszene ist in mildes Licht getaucht. Das Gemälde ist auf drei bis fünf Millionen Franken geschätzt. In diese Preisregion soll auch Hodlers Blick über den Genfersee vorstoßen. Der Künstler kam oft in die Hügel von Chexbres, um zu skizzieren. Auffallendstes Motiv ist ein Wolkenband am Himmel, das sich im ufernahen Wasser spiegelt. Das Werk gehörte einst dem Bremer Sammler und Mäzen Alfred Walter Heymel, einem der Gründer des Insel Verlags, und war seit 1963 nicht mehr auf dem Markt.

Alberto Giacometti porträtiert seinen Bruder Bruno

Giovanni Giacomettis Blick in eine Gasse von „Capolago“ beweist seine Meisterschaft im Umgang mit Farben. Zwischen den Häusern flirrt das steil einfallende Sommerlicht, und der Künstler zündet in Sonne (400.000/600.000). „Grevasalvas“ (300.000/500.000), ebenfalls von Giovanni und aus einer Zürcher Privatsammlung, zeigt die blau getönte Bergwelt um den Silsersee mit dem mächtigen Piz Corvatsch. Félix Vallotton schuf 1902 sein Gemälde „Le Pont Neuf“, das die älteste Brücke der Stadt in matten Tönen zeigt (180.000/ 250.000), seine Nackte auf „Le Bain“ von 1905 erinnert an seine Begeisterung für Frankreichs spröden Norden (220.000/ 280.000). Wie Vallotton zog es auch die 1872 in Genf geborene Alice Bailly nach Paris, und sie begeisterte sich für die Ausdrucksformen des Kubismus. 1922 malte sie das Tanzbild „La Joie dans la Fôret“, das jetzt mit einer Schätzung von 120.000 bis 180.000 Franken versehen ist.

Schon seit 1978 ist Christie’s in Zürich vertreten, und vor genau zwanzig Jahren gab es dort die erste Spezialauktion Schweizer Kunst. In der Jubiläumsauktion am 5. Dezember lohnen besonders einige Porträts und Selbstbildnisse, etwa Werke von Giovanni Segantini, Giovanni Giacometti, Max Gubler und Dieter Roth. Eines der Bildnisse zeigt den etwa dreizehnjährigen Bruno Giacometti in der Bergwelt um Maloja, in Öl auf Leinen gemalt von seinem älteren Bruder Alberto. Mit einer Taxe von 1,2 bis 1,8 Millionen Franken ist dieses um 1920 entstandene Gemälde Spitzenlos.

Von Cuno Amiet stammen 21 der insgesamt 284 Lose der Auktion. Für Anhänger des Künstlers ist also auf jeden Fall etwas dabei. Das pastellige Ölbild „Thunersee mit Wellen“ von 1932 zum Beispiel geht mit einer Schätzung von 400.000 bis 600.000 Franken ins Rennen, gefolgt von „Hügel bei Oschwand“ von um 1900/2, das wohl 1904 an der Berliner Secession gezeigt wurde (200.000/300.000). Das querformatige Gemälde „Lueg“ von 1927 (300.000/500.000) gelangte direkt vom Künstler in die Familie der heutigen Besitzer. Amiets expressives Gemälde „Hausbau II“ von 1908 aus seiner wichtigsten Schaffensphase ist auf 800.000 bis 1,2 Millionen Franken taxiert.

Ein wiederentdecktes Werk von Albert Anker

Die Schweiz hat ihre festen Lieblinge, und so kommt auch bei Christie’s Giovanni Giacometti zum Zug. Sein Ölbild „Bacaria“, das heißt im Rätoromanischen so viel wie „Schlachtfest“, zeigt eine Gruppe von Personen, die auf offener Straße damit beginnen, ein Schwein zu zerlegen. Für das ehemals im Nachlass des Künstlers verwahrte Bild werden zwischen 750.000 und 1,2 Millionen Franken erwartet. Giacomettis in schweren Farben gehaltenes Waldbild „Bosco d’autunno“ (1/1,5 Millionen Franken). Die Fettstiftarbeit auf Umdruckpapier „Heilige Stunde mit sechs Figuren“ von Hodler gilt als Vorzeichnung für eine 1912 von Fritz Gurlitt in München herausgegebene Lithographie (100.000/150.000). Ernest Biélers überzeugt mit „Jeune fille aux cheveux noirs“, einer Tempera auf Papier, die ihre Aura auch durch den erhaltenen Originalrahmen in Holz erhält (200.000 bis 300.000). Albert Ankers „Alter Mann beim Teetrinken“, um 1895, wurde erst in diesem Jahr wiederentdeckt (1/1,5 Millionen).

Max Bill dominiert das Angebot jüngerer Kunstwerke. Die drei Meter hohe „Konstruktion aus drei gleichen Kreisscheiben (Version III)“ in Chromnickelstahl (200.000/300.000) entstand in seinem Todesjahr 1994. Von 1968 ist die Holzarbeit „Kern aus Dopplungen“ (Auflage 15; 6000/8000). Schließlich entdeckt man das Möbiusband „Unendliche Fläche“ von 1974/75 - in vergoldetem Messing für 40.000 bis 60.000 Franken zu haben.

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