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Schweizer Kunst Der Berg ruft

26.05.2008 ·  Eidgenossen im neuen Saal: Bei Sotheby's in Zürich kommt wieder traditionell Kunst aus der Schweiz zum Aufruf. Noch nie war die Gesamtschätzung so hoch wie jetzt.

Von Tilo Richter, Zürich
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Die diesjährige Frühjahrsauktion mit Schweizer Kunst ist für Sotheby's zweifach von Bedeutung: Zum einen bezieht das Traditionshaus seinen neuen Auktionssaal an der Zürcher Talstraße, zum anderen steht am 27. Mai mit einer Gesamttaxe von neunzehn bis 27 Millionen Franken für 154 Lose die höchsttaxierte Auktion mit Schweizer Kunst bevor. Einmal mehr ist es ein Gemälde von Ferdinand Hodler, das zum unangefochtenen Spitzenlos des Abends avancieren soll: Nachdem im Sommer 2007 „Der Genfer See von Saint-Prex aus“ mit einem Zuschlag bei knapp zehn Millionen Franken die Rekordmarke für den Künstler setzte, wird jetzt sein „Genfer See mit Jura (Landschaftlicher Formenrhythmus)“ von 1909 auf vier bis sechs Millionen Franken taxiert. Das Bild gehört zu einer insgesamt dreizehn Gemälde umfassenden Serie ähnlicher Motive, die zwischen 1908 und 1911 entstanden.

Das jetzt angebotene Bild gilt als Paradebeispiel für Hodlers „Parallelismus“: Eine Reihe horizontaler Streifen gliedert die Leinwand, die das Ufer, im Dunst nur zu erahnende Berge und den Himmel zeigt. Bemerkenswert ist die Provenienz: Hodler selbst verkaufte das Gemälde noch im Entstehungsjahr an die Familie der heutigen Besitzer, die es jetzt, genau ein Jahrhundert später, auf den Kunstmarkt bringen. Flankiert wird dieses außerordentliche Werk von neun weiteren Arbeiten Hodlers, darunter das reizvolle „Bildnis Clara Pasche-Battié“ (Taxe 500.000/600.000 Franken). Mit Giovanni Giacometti ist eine weitere prominente Figur der Schweizer Kunst vertreten.

Landschaften von Ferdinand Hodler

Das Gemälde „Blick über Capolago auf den Silsersee“ (1,5/2,5 Millionen) aus dem Jahr 1927 ist nur eines von vielen seiner Berglandschaften dieser Offerte: „Winter in St. Moritz“ (1,4/1,8 Millionen) von 1926 dürfte schon aufgrund des prominenten Motivs großes Interesse finden; das Spätwerk „Winterlandschaft bei Capolago“ von 1930 brilliert mit lebhaften Blautönen neben reinem Weiß (700.000/ 900.000). Félix Vallotton rückte in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus des internationalen Kunstmarktes. Vor allem seine Holzschnitte machten den einzigen Schweizer in der Künstlergruppe Nabis berühmt. Sotheby's bietet jetzt fünf Malereien an, unter anderen die 1922 entstandene normannische Landschaft „Famille d'arbres“ (800.000/1,2 Millionen).

Formal und farblich ganz in der Handschrift der Nabis zeigt sich „Les blés“ (300.000/ 500.000), ein im Sommer des Jahres 1900 nahe seiner Heimat in Romanel-sur-Lausanne entstandenes Landschaftsmotiv. Charakteristisch für Cuno Amiet sind vor allem seine Liebe zu den Farben und sein kräftiger, oft pastoser Pinselstrich: Von 1908 an folgt er mit diesem Stil dem Beispiel seines berühmten niederländischen Vorbilds Vincent van Gogh. Das „Blumenstillleben“ von 1905 (400.000/ 600.000) nimmt diese Schaffensperiode bereits vorweg. Eine der wenigen Schweizer Künstlerinnen, die der internationalen Avantgarde des 20. Jahrhunderts angehörten, war Alice Bailly.

Jetzt kommt ihr von dynamischen Formen bestimmtes Werk „Le Caprice des Belles“ (200.000/300.000) aus dem Jahr 1918 zum Aufruf; es zeigt einen ornamentalen Reigen und entführt den Betrachter in eine bunte Feenwelt. Neun Zeichnungen und Gemälde von Albert Anker gehören zu den Spitzenwerken des 19. Jahrhunderts: Im Jahr 1875 entstand das Gemälde „Junge Mutter, bei Kerzenlicht ihr schlafendes Kind betrachtend“ (400.000/600.000); 1890 vollendete er die „Kartenlegerin“ (800.000/1,2 Millionen). Das Bild einer Alltagsszene tauchte erst kürzlich in England auf. Auch Robert Zünd ist prominent vertreten: Das Gemälde „Haus zwischen Nussbäumen (Schellenmatt)“ soll 500.000 Franken einspielen.

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