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Schindlers Liste : Schutzbrief

Gerettet: Insgesamt 122.000 Dollar brachte ein Konvolut mit Dokumenten aus Oskar Schindlers Emailwarenfabrik bei einer Auktion in Amherst.

          David M. Crowe, Historiker an der Elon University in North Carolina, hat mit der 766 Seiten dicken Biographie Oskar Schindlers 2004 nicht viel zur Klärung des Urteils über den Mann beigetragen, den die ganze Welt aus Spielbergs Film „Schindlers Liste“ kennt. Das Buch, das 2005 auf Deutsch erschien, erhielt zwar viel Aufmerksamkeit, wurde aber nur in wenigen Fachzeitschriften besprochen. Mit Missbilligung dokumentiert der Biograph sowohl den ungesunden Lebenswandel des Frauenhelden und Opportunisten Schindler als auch die Retuschen des Films. In Deutschland sagte Crowe dann aber, Schindlers Taten seien noch heldenhafter gewesen als von Spielberg dargestellt, nur um bei anderer Gelegenheit das Gegenteil zu erklären. Jetzt hat sich Crowe für die historische Bedeutung von Dokumenten aus dem Nachlass eines polnischen Arbeiters in Schindlers Emailwarenfabrik verbürgt, die ein unbekannter Bieter am 14. August bei RR Auction in Amherst für insgesamt 122.000 Dollar ersteigerte.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Die Verlagerung der Fabrik von Krakau ins mährische Brünnlitz im Oktober 1944 markiert die Verwandlung Schindlers vom Unternehmer in den Judenretter, der zur Tarnung ein Unternehmen betrieb. Eine auf den 22. August 1944 datierte Bescheinigung für den Arbeiter Adam Dziedzic belegt laut Crowe, dass die Genehmigung für den Umzug früher erteilt wurde als bislang bekannt: „Das Wichtigste ist, dass Oskar diese Genehmigung überhaupt bekam, sonst hätte es Schindlers Liste nicht gegeben.“

          Die These der Biographie, Schindler habe mit der Zusammenstellung der Namen für Brünnlitz nichts zu tun gehabt, wurde von Mietek Pemper, dem 2011 verstorbenen Sekretär des Lagerkommandanten Amon Göth, zurückgewiesen. Das zweite von den Dziedzic-Erben eingelieferte Los sind Baupläne für eine von der Siemens-Bauunion errichtete Fertigungshalle in Krakau. Crowe gibt nicht an, ob dieses Vorhaben im Zusammenhang mit den von Pemper geschilderten Versuche stand, den Behörden durch fingierte Statistiken die Umstellung der Produktion von Geschirr auf Waffen vorzuspiegeln.

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