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Veröffentlicht: 07.04.2008, 11:31 Uhr

Sammlung Lauffs zum Verkauf Werke, unterwegs von Krefeld nach New York

Die renommierte Sammlung Lauffs, seit mehr als vierzig Jahren im Kaiser-Wilhelm Museum in Krefeld zu Hause, wird verkauft. Die Hauptwerke der Kollektion kommen bei Sotheby's zum Aufruf. Eine Tranche haben sich die Galeristen David Zwirner und Iwan Wirth gesichert - die Hintergünde zur Zerschlagung.

von Lisa Zeitz, New York

Der Verkauf der Sammlung Lauffs ist für die einen „ein Drama, ein Trauerspiel, eine Schandtat ersten Ranges, ein Schattenfall, ein großer Einbruch für Krefeld“, so der Kunsthändler Heiner Friedrich. Doch andere freuen sich, allen voran die Galeristen Iwan Wirth und David Zwirner, die einen Teil der Sammlung gekauft haben, und das Auktionshaus Sotheby's, das in diesem Jahr mit Werken aus Krefeld einen Umsatz von rund 76 Millionen Dollar erwartet (und vermutlich eine Garantie in ähnlicher Höhe zugesagt hat). Helga und Walther Lauffs haben unter der Anleitung des Krefelder Museumsdirektors Paul Wember in den sechziger und siebziger Jahren wichtige Werke gekauft von europäischen Künstlern wie Joseph Beuys, Yves Klein und Piero Manzoni und von amerikanischen Pop-Art-Künstlern wie Robert Rauschenberg und Tom Wesselmann.

Die Sammlung war seither im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld ausgestellt. Zu ihr gehörten auch Schlüsselwerke der Arte Povera, des Minimalismus und der Pop-Art: Diese haben Wirth und Zwirner übernommen. Die Liste der Werke, die derzeit schon auf dem Weg von Krefeld nach New York sind, reicht von Lucio Fontana, Piero Manzoni und Mario Merz über Joseph Cornell, Lee Bontecou und Louise Nevelson bis zu Claes Oldenburg, Tom Wesselmann, Christo, Richard Serra, Sol LeWitt, Fred Sandback, Richard Tuttle, Hanne Darboven und Joseph Kosuth. Einige weitere Künstler - wie On Kawara, Eva Hesse, Bruce Nauman und John McCracken - gehören schon lange zum Programm von Wirth und Zwirner. Im Mai wird in New York eine Auswahl der Werke (parallel zu einer Neo-Rauch-Ausstellung) in zwei von David Zwirners drei Galerien in Chelsea gezeigt sowie bei Zwirner & Wirth auf der Upper East Side. Weitere Ausstellungen bei Hauser & Wirth in London und in Zürich werden sich anschließen.

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Klug geteilt, ist halb gewonnen

Wirth und Zwirner hatten schon durch die Arbeit am Werkverzeichnis von Eva Hesse und durch verschiedene Leihgaben aus Krefeld Kontakt zu Helga Lauffs; Walther Lauffs ist 1981 gestorben. So lag es nah, dass sich die Familie mit den Galeristen in Verbindung setzte, damit sie gleichzeitig mit Sotheby's eine Vermarktungsstrategie entwickelten: „Die Familie hat die Werke aufgeteilt und dabei absolut klug gehandelt“, sagt Iwan Wirth, „sie bekommt das Beste aus beiden Welten.“ Und: „Wir kümmern uns auch um Werkgruppen und Arbeiten von Künstlern, die am besten privat plaziert werden.“ Sensationelle Stücke von besonders berühmten Künstlern gingen an Sotheby's: „Die Familie hat schon zuvor Werke der Pop-Art auf Auktionen verkauft und tut das - richtigerweise - auch jetzt wieder“, so Wirth, „das heißt aber nicht, dass wir nicht auch gern Pop-Art aus der Sammlung Lauffs verkauft hätten!“

Sotheby's versteigert 34 Filetstücke der Sammlung Lauffs für geschätzte 49 Millionen Dollar während der Auktionen mit zeitgenössischer Kunst in New York am 14. und 15. Mai (weitere dann später in London). Dazu gehört „IKB 1“, ein ultramarinblaues Bild Yves Kleins aus dem Jahr 1960, das 1968 eine der ersten Erwerbungen von Lauffs war und jetzt eine Taxe von fünf bis sieben Millionen Dollar trägt. Von Joseph Beuys kommt eine frühe Arbeit in New York unter den Hammer, das „Bett (Corsett)“ von 1949/50 (Taxe 750.000/950.000 Dollar), außerdem auch verschiedene spätere Werke. Von den amerikanischen Künstlern der Kollektion sind Werke von Robert Indiana, Claes Oldenburg, Frank Stella, Donald Judd oder Dan Flavin bei Sotheby's gelandet - dazu Tom Wesselmanns „Great American Nude No. 48“ von 1963, geschätzt auf sechs bis acht Millionen Dollar, und Robert Rauschenbergs Combine Painting „Slug“, für taxierte drei bis vier Millionen. Für die Bodenskulptur „36 Copper Squares“, die Carl Andre 1968 für das Museum Haus Lange in Krefeld entwickelt hat, rechnet das Auktionshaus mit 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar. „Vierzig Jahre war die Sammlung in Krefeld ausgestellt - das war für beide Seiten eine phantastische Zeit“, so schätzt das Iwan Wirth ein: „Wer den Verkauf jetzt moralisch verurteilt, der schreckt womöglich Sammler ab, ihre Kunst als Dauerleihgabe an ein Museum zu geben.“ Und David Zwirner betont, dass das Museum in Krefeld jetzt doch keineswegs nackt dastehe: „Das Museum hat wunderbare Werke und wird auch weiterhin kein Problem haben, ein wunderbares Ausstellungsprogramm zu machen.“

Vor mehr als vierzig Jahren begeisterte sich der rheinische Unternehmer Walther Lauffs (“Haus Rabenhorst“ mit dem „Rotbäckchen“-Saft) mit seiner Frau Helga für die zeitgenössische Kunst. Aufs engste beraten von Paul Wember, damals Direktor des Kaiser-Wilhelm-Museums in Krefeld, kaufte er eine Sammlung zusammen, die dort über Jahrzehnte bewahrt und gezeigt wurde. Es sollen 500 Stücke gewesen sein, geschätzt auf 400 Millionen Euro; denn jetzt ist die Sammlung tranchiert. Helga Lauffs und ihre sechs Töchter speisen ganze Konvolute wieder in den Markt ein. Ein weiterer, wesentlicher Teil soll in einem deutschen Museum bleiben, vermutlich in Wiesbaden (dort ist Volker Rattemeyer Direktor, der zu Wembers Zeiten am Krefelder Museum war): wieder als Dauerleihgaben, im renovierten Wiesbadener Haus gewiss attraktiv präsentiert - und wertsteigernd. In Krefeld bleibt bloß der Beuys-Block - vorerst. Gewiss hat die Stadt Krefeld Ungeschick bewiesen im Umgang mit der Sammlung Lauffs und mit ihrer Eigentümerin; das ist die eine Seite. Die andere aber ist, dass längst ein Vertrag den einstigen Handschlag hätte besiegeln müssen. So schlau konnte man in Krefeld schon sein, spätestens nach den Bonner Erfahrungen mit Hans Grothe und nachdem man im Frankfurter MMK dem Abtransport der Bock-Leihgaben nur noch hinterherschauen konnte.

Rose-Maria Gropp

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