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Moderne und Zeitgenossen Tempo, Wärme, Farbe

 ·  Günther Ueckers genagelter „Schrei“ oder „Another Flowershop“ von Michel Majerus: Van Hams Angebot mit Moderne und Gegenwartskunst setzt auf kraftvolle Dynamik.

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Höhepunkt unter den 178 Losen mit moderner Kunst, die am 1. Dezember bei Van Ham in Köln aufgerufen werden, ist ein um 1920 entstandenes, kubistisch anmutendes Stillleben mit „Krug und Schachtel“ von Karl Hofer. Gehüllt in samtiges Dunkel, leuchten die simplen Gegenstände, die ein wenig wie abgestellt wirken, als trügen sie ein Geheimnis: Ein terrakottafarbener Krug, ein grünes Kännchen und eine holzfarbene Schachtel bilden einen kraftvollen Dreiklang. Die Schätzung liegt bei 200.000 bis 250.000 Euro. Mit derselben Erwartung versehen ist ein nicht datiertes Porträt seiner ersten Frau „Bertha Stucki mit Blume“ von Ferdinand Hodler.

Auch zwei Werke von Rudolf Bauer finden sich wieder im Angebot - nicht ganz so markant diesmal wie die Gemälde der vergangenen Saisons, mit denen das Haus neue Auktionsrekorde für den Maler erzielen konnte, aber jedenfalls dynamisch und kraftvoll: In „Tempo“ von 1918 behauptet sich eine aus lockeren Linien komponierte, fast gestisch aufgefasste abstrakte Form, die sich zu einem Kraftfeld bündelt (Taxe 120.000/180.000 Euro). Mit geordneter Eleganz und zahlreichen malerischen Erfindungen prangt eine Arbeit „Ohne Titel“ mit Papier und Öl auf Karton aus dem Jahr 1922, eine der wenigen Collagen, die der Künstler schuf. Über einer blauen Horizontlinie, an der eine rosafarbene Gischt aufbrandet, turnen verspielte Formen, die man, je nach Laune, als Fabelwesen oder als exotische Flugkörper betrachten könnte. (150.000/170.000).

Ein Serigraphie von Warhol als Unikat

Mit den Maßen von 58 mal 35 Zentimetern ungewöhnlich großformatig ist eine „Kaffeehausszene“ von Lesser Ury aus dem Jahr 1928, welche die wohlige Wärme des Cafés mit der Kühle der herannahenden Nacht verbindet, was sich als Reflextion in der Fensterscheibe zeigt (100.000/ 140.000). Mit Gemälden von Dix (30.000/50.000) und Heinrich Hoerle (25.000/ 30.000) sowie Güssen von Barlach (30.000/35.000) und Lehmbruck (12.000/15.000) offeriert man weitere große Namen.

Farbenfrohe Akzente setzt das Angebot in der Gegenwartskunst am 1. und 2. Dezember. Teuerstes Los bei den Zeitgenossen ist am 1. Dezember eine nach einem Motiv von Edvard Munch entstandene Farbserigraphie Andy Warhols: ein Unikat aus dem Jahr 1984, das ein Porträt der Eva Mudocci zeigt (140.000/ 180.000). Günther Ueckers Nagelung „Schrei“ von 2002 soll 80.000 bis 120.000 Euro einspielen. Das auffälligste Stück der Auktion ist das 2,7 mal 2,7 Meter große abstrakte Gemälde „Another Flowershop“ von Michel Majerus. Der in Luxemburg geborene Maler kam mit 35 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben; derzeit widmet das Kunstmuseum Stuttgart Majerus eine Retrospektive. Sein mit 50.000 bis 60.000 Euro beziffertes Werk vereint Reverenzen an Pop Art, Comic und Plakatmalerei. Mit Arbeiten von Georg Baselitz (25.000/30.000) und Jonathan Meese (35.000/40.000) sind weitere prominente deutsche Namen vertreten.

In einem eigenen Katalogteil für den 2. Dezember sind knapp 300 Werke von HAP Grieshaber präsentiert aus dem Nachlass von Margarete Hannsmann. Sie werden in einer stillen Auktion angeboten; sämtliche Arbeiten erscheinen ohne Limit. Bei der Fotografie, die am 9. Dezember zum Aufruf kommt, gibt es mit einem „Gebirgsforst“, den Albert Renger-Patzsch im Jahr 1928 aufnahm, Historisches zu ersteigern (14.000/ 18.000). Aber auch Zeitgenössisches ist geboten, wie eine abstrakte, rund 2,1 mal 1,4 Meter messende Studie des Frankfurter Flughafens von Vera Lutter, fotografiert mit einer Camera Obscura (30.000/35.000).

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