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Moderne und Zeitgenossen Alles mit Licht

Mit Alexej von Jawlensky, Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner: Vorschau auf die Auktionen mit Moderne und Gegenwart bei Lempertz in Köln.

Spitzenlos der Herbstofferte mit Klassischer Moderne, die am Abend des 30. November bei Lempertz in Köln aufgerufen wird, ist ein Stillleben mit Weinflasche von Alexej von Jawlensky. Das frühe Gemälde zeugt von der Beschäftigung des Malers mit Cézanne: Das weiße Tischtuch und eine weiße Serviette lösen sich in ein flirrendes Gewimmel aus Blau, Weiß und Grün auf. Zusammen mit den Kontrasten des roten Weins in den Gläsern, einem roten Buch, einer Schüssel mit Marmelade und einem roten Korb auf dem Tisch verwandelt sich die großbürgerliche Szene in ein einnehmendes Spektakel aus purem Licht.

Für das Gemälde von 1904 erhofft sich Lempertz 300.000 bis 350.000 Euro. Eine marktfrische Entdeckung ist die seit ihrem Erwerb 1949 in Kieler Privatbesitz befindliche Landschaft von Max Pechstein. Um 1919, so legt es ein neues Gutachten von Aya Soika nahe, schuf er auf grobem Leinen sein „Waldinneres“ mit rotglühendem Boden, blauen Baumstämmen und leuchtendem Grün (Taxe 200.000/250.000 Euro). Eine winterliche Landschaft wird von Otto Dix angeboten: 1912 entstand die bislang unbekannte Ansicht eines „Sächsischen Städtchens mit spätgotischer Kirche und mittelalterlicher Burganlage“ (80.000/100.000).

Ein prägnantes Aquarell von Kirchner

Zu den Höhepunkten bei den Arbeiten auf Papier zählt eine Aktstudie Picassos. Für seinen Zyklus „La Guerre et la Paix“ für die Kapelle in Vallauris schuf er 1952 eine lebenslustige „Femme se coiffant“. 1959 wurde die Tuschzeichnung auch auf der zweiten Documenta in Kassel gezeigt, nun soll sie 160.000 bis 180.000 Euro einspielen. Auf 1907 datierte Kirchner seinen „Halbakt eines jungen Mädchens“ zurück, doch tatsächlich entstand das Bild, wie viele seiner Werke, erst 1910. Das tut der prägnanten Schönheit des Blatts keinen Abbruch: In seiner typisch farbigen Konturierung und der Vereinfachung der jugendlichen Figur nimmt es viele der späteren Motive vorweg.

Für das 43 mal 34 Zentimeter große Aquarell erhofft sich Lempertz 150.000 bis 170.000 Euro; der künftige Besitzer des Kirchner-Werks hat dann übrigens noch eine zweite, kauernde Nackte erworben, die sich auf der Rückseite verbirgt. Von Emil Nolde wird eine ruhige, in klaren Akkorden aus Dunkelrot, Blau und Grün angelegte „Marschlandschaft bei Utenwarf“, um 1920/25, auf Japanpapier angeboten (110.000/130.000).

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Bei der zeitgenössischen Kunst, die am 1.Dezember zum Aufruf kommt, ist das auffälligste Los eine Arbeit aus 125 Teilen von der 2009 gestorbenen Hanne Darboven: Nach Heinrich Heine schuf die eigenwillige Text-Artistin ihren Zyklus „Atta Troll“. Wer sich die Mühe macht, die zunächst hermetisch wirkenden Blätter vermittels der den Verszeilen Heines entsprechenden Numerierungen zu entschlüsseln, kommt in einen ganz und gar poetischen Genuss (80.000/120.000). Üppig fällt die Malerei-Offerte aus: Markantestes Los ist ein unbetiteltes Gemälde von A.R.Penck, entstanden zwei Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR, das alle seine motivischen und stilistischen Elemente vereint (100.000/150.000).

Von Baselitz wird ein Ölgemälde über Monotypie mit typisch auf dem Kopf stehender Figur von 1979/81 angeboten: Für das 1991 im New Yorker MoMa gezeigte Bild müssen 100000 bis 120000 Euro eingesetzt werden. Der 2007 gestorbene Jörg Immendorff ist mit zwei Gemälden vertreten: 1978 malte er die Deutschland-Allegorie „BRRR“, die ins Werkverzeichnis aufgenommen wird (70.000/80.000), wie auch das Bild „Den Hahn wecken“ von 1996, das auf William Hogarths „A Rake’s Progress“ zurückgeht (100.000/120.000).

Ein Spiegel-Bild von Pistoletto

Auch die deutsche Nachkriegsmoderne fehlt nicht: 1956 entstand Nays abstrakte Komposition „Mit heiterem Blau“, die 1957 in der Galerie „Der Spiegel“ ausgestellt wurde; jetzt ist das Werk mit 120.000 bis 140.000 Euro ausgezeichnet.

Von Emil Schumacher werden zwei eher verhaltene Arbeiten angeboten: „BeluaI“ aus dem Jahr 1958 erinnert an archaische Höhlenmalerei (60.000/ 80.000), während die erdhafte Oberfläche von „Nambit“ aus dem Jahr 1959 von den Gezeiten gezaust zu sein scheint (50.000). Erneut angeboten wird Michelangelo Pistolettos Spiegel-Bild „Tavolo con Piatti“ (120.000/ 140.000). Hauptlos der Fotografie sind elf als Copyprints im Jahr 1963 hergestellte Gelatinesilberabzüge nach Rayographien, die Man Ray 1921 bis 1928 geschaffen hat, dazu ein Portfolio-Entwurf und ein Brief des Künstlers. (15.000/20.000).

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 27.11.2012, 12:59 Uhr

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